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Agrar

12.07.2019

Bauern stehen vor großem Strukturwandel

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Eine Ernteprognose lässt sich schwer stellen. Alles hängt von den Regenmengen in den nächsten Wochen ab, wie Philip Schuhmair, Landwirt Mathias Leinfelder, AELF-Leiter Manfred Faber und BBV-Kreisobmann Karlheinz Götz (von links) bei ihrem Besuch auf Feldern in Otting bemerkten.

Plus Nicht nur der Klimawandel mit zu trockenen Sommern macht den Landwirten Sorgen. Wie die Betriebe den Umschwung zu mehr Ökologie auf den Feldern schaffen können, ist Thema bei der Erntefahrt. Diese führt nach Otting

Es tröpfelt. „Regen bringt Segen“, sagt ganz spontan einer in der Runde. Alle freuen sich, denn die Böden seien immer noch zu trocken. „Die Halme tragen deutlich weniger Körner. Die Bedingungen könnten besser sein“, fasst Manfred Faber die Situation zusammen. Er befürchtet einen Rückgang der Ernteerträge, „wenn es nicht bald ergiebig regnet“. Dies sei in einigen Regionen schon der Fall gewesen, aber eben nicht überall im Landkreis. Der Direktor des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Nördlingen hatte zur Erntefahrt nach Otting eingeladen. Dabei wurden die Unterschiede sehr deutlich.

Durch Starkregen arg gebeutelt

„Es wird wohl eine Ernte leicht unter dem Durchschnitt geben“, meint Faber. Den Hof von Mathias Leinfelder habe man bewusst für die Erntefahrt ausgesucht, sei Otting in den vergangenen Jahren durch Starkregenfälle doch stark gebeutelt worden. Der Agrarbetriebswirt stellt seinen Betrieb kurz vor. Mit seiner Familie bewirtschaftet er rund 80 Hektar Fläche. Er baut hauptsächlich Mais und Weizen an, versorgt aber auch 200 Tiere.

Mitarbeiter des Amtes, Vertreter des Bauernverbandes, Agrarhändler und Ottings Bürgermeister Johann Bernreuther hören gespannt zu, als Sachgebietsleiter Philip Schuhmair Empfehlungen gibt. Sie sind vor allem für die Landwirte in Otting gedacht: Dort will man mit Mulch-Aktionen mithelfen, die Erosion im Boden zu verringern, um so gerüstet zu sein, falls erneut Regenextreme auftauchten. Bürgermeister Bernreuther und Landwirt Leinfelder, der gleichzeitig Feuerwehrkommandant ist, verweisen auf weitere Maßnahmen wie den Ausbau der bestehenden Regenrückhaltebecken. Bei der Flurfahrt wird deutlich, wie die Bauern mithelfen wollen, das Dorf vor weiteren Katastrophen zu verschonen.

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Direktor Faber hat Zahlen mitgebracht, die den Strukturwandel in der Landwirtschaft aufzeigen. Demnach geht das Höfesterben im Donau-Ries-Kreis weiter: 56 Landwirte haben im vorigen Jahr das Handtuch geworfen, also ein Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe um 1,6 Prozent. Diejenigen, die weitermachen, seien orientierungslos, klagt Faber. Es sei völlig unklar, wohin sich die Landwirtschaft entwickle.

Aktuell nur 6,8 Prozent Bio-Bauern

Für einen Umbruch werde das Versöhnungsgesetz als Folge des Volksbegehrens sorgen, das in den nächsten Tagen zur Verabschiedung im Landtag anstehe und einen Umbau der Agrarflächen bis 2030 bringen soll. Das treffe den ackerbau-orientierten Landkreis besonders hart: 30 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe sollen bis dahin ökologisch ausgerichtet sein, bislang sind es nur 6,8 Prozent.

„Der Bauernverband ist ein großer Befürworter des Trends hin zum Öko-Betrieb“, ließ Karlheinz Götz, Kreisobmann der Organisation, keine Zweifel aufkommen. Das sei für manchen Betrieb eine große Zukunftschance. Wie Faber hofft er, „dass die Verbraucher die teureren Bio-Lebensmittel dann auch kaufen“. Sie könnten natürlich nicht so günstig produziert werden, sei doch der Arbeitsaufwand im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft wesentlich höher. Freilich: Um die Ziele zu erreichen, benötigt man nach einer Hochrechnung von Faber bis 2030 rund 55000 Hektar Zuwachs an ökologischer Fläche.

Was das aktuelle Anbaujahr bei den Ackerkulturen angeht, so sei es nach einem nassen Winter im Frühjahr zu trocken und zu kalt gewesen. Diese Bilanz zog Helmut Stöcker vom AELF. Das habe zu einem hohen Krankheitsdruck geführt, ein weiteres Problem, mit dem sich die Bauern aktuell konfrontiert sehen. „Mittelprächtig, nicht ganz schlecht, aber auch nicht gut“, nennt Mathias Leinfelder die Ernteaussichten für Weizen. Und der Mais? Franz Gerstmeier, der in Buchdorf vier Hektar Mais anbaut, will keine Prognose abgeben. „Alles hängt jetzt vom Regen ab“, gibt er sich offen. Apropos Mais: Laut Manfred Faber gibt es entgegen der landläufigen Meinung in Bayern Landkreise, die noch mehr Maisanbau haben als das Donau-Ries.

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