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Donauwörth

15.10.2017

Beruf ist für sie Berufung

Gudrun Reißer ist als Geschäftsführerin der Volkshochschule Donauwörth eine Institution. Begonnen aber hat sie ganz woanders.

In der Archäologie hat Gudrun Reißer ihre Wuzeln, die Kultur hat sie über die Jahre nie losgelassen. Heute aber ist sie vor allem Managerin.

Wenn es ihr mal zuviel wird, dann sucht sie den Ausgleich in der sportlichen Betätigung. „Zu viel“ kann bei ihr immer mal sein, denn Gudrun Reißer ist umtriebig, unermüdlich, immer auf dem Weg. Das war sie schon immer. Aber jetzt als Geschäftsführerin der Volkshochschule Donauwörth mit ihren sieben Außenstellen ist sie dort angekommen, wo die Aufgabe ihrem Naturell entspricht: im Spannungsfeld zwischen Kunst, Kultur und Bildung, gepaart mit weitsichtigem Management.

Die Kultur war immer Gudrun Reißers Thema. „Aufgewachsen“ ist sie im Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte im Landkreis Augsburg und beim Landesamt für Bodendenkmalpflege. Sie war gerade mal zwölf Jahre alt, als sie bei ersten archäologischen Ausgrabungen dabei war. „Alle Kulturepochen in Deutschland und Österreich habe ich archäologisch ausgegraben“, schmunzelt sie im Rückblick.

Zunächst eine handwerkliche Ausbildung

Es sei ihr wichtig gewesen, und da mag sie manchem jungen Menschen einen Fingerzeig geben, dem Studium eine handwerkliche Ausbildung vorzuschalten. So wurde Gudrun Reißer einst Restauratorin für archäologische Funde sowie Blank- und Schusswaffen bis 1900. Ihre Ausbildung absolvierte sie an der Archäologischen Staatssammlung in München und am Germanischen Museum in Nürnberg. Um das Studium zu finanzieren, hat sie schließlich als selbstständige Restauratorin gearbeitet. Was sie studiert hat? „Europäische Ethnologie, mittelalterliche und bayerische Landesgeschichte“. Nach dem Magister-Abschluss blieb ihr keine Zeit mehr zum Promovieren. Gudrun Reißer war Museumsleiterin in der Stadt Donauwörth.

Und da legte sie richtig los. 21 Jahre lang, bis 2011, arbeitete sie mit großem Engagement daran, den Donauwörthern und den immer mehr werdenden Besuchern die Geschichte der alten Reichsstadt verständlich zu machen. Das Käthe-Kruse-Puppen-Museum, die Werner-Egk-Begegnungsstätte, das Heimatmuseum auf der Insel Ried – alle bekamen ein neues, modernes Konzept. 26 Sonderausstellungen organisierte sie, darunter zwei überregional stark beachtete: vom Hotel Krebs zum Fachärztezentrum Maximilium und Ritterburg Mangoldstein. Tausende von Besuchern zählte man jeweils innerhalb weniger Tage. Gerade für die Dokumentation der Baumaßnahme Maximilium verwendete sie viel Zeit: Gemeinsam mit dem inzwischen gestorbenen Fotografen Stefan Sisulak begleitete sie die Sanierung in allen Schritten. Der Weihnachtsmarkt im Donauwörther Ried geht auf die Idee von Gudrun Reißer zurück.

„Mit der Zeit hatten aber andere Projekte in der Stadt höhere Priorität“, sagt Reißer und so sei es ihr nicht schwer gefallen, 2011 zu wechseln: Sie widmete sich als Geschäftsführerin der Volkshochschule neuen Aufgaben und fand im neuen Gebäude der Bildungseinrichtung ihren Platz. „Es war schön, die Baumaßnahme für den Neubau im Spindeltal noch begleiten zu können“, blickt sie zurück.

Bayern- und deutschlandweite Pilotprojekte

Beruf ist für Gudrun Reißer gleichbedeutende mit Berufung. Das war immer so. In der neuen Rolle auch. Sie nennt sie spannend und kreativ, „eine Arbeit mit und für Menschen in unserer Region“. Alle Menschen, egal welchen Alters, welcher sozialer Schicht, welcher Religion, egal ob mit oder ohne Behinderung und egal welcher Nationalität seien willkommen. Sie könne Projekte entwickeln, netzwerken und kreativ sein, „aber natürlich muss ich die betriebswirtschaftliche Seite auch im Auge haben“. Durch bayern- und deutschlandweite Pilotprojekte ist die Vhs Donauwörth schwabenweit in den Fokus gerückt.

Gudrun Reißer macht keinen Hehl daraus, dass ihr das „Museumsherz“ geblutet habe, als sie erfuhr, dass das Archäologische Museum in Donauwörth „eingepackt“ werde. Reißer: „Ein großes Stück Donauwörther Kulturgeschichte mit teilweise weltweit bedeutenden Exponaten verschwindet auf nicht absehbare Zeit im Depot.“

Und privat? Ihre Leidenschaft gilt autobiografischen Berichten aus den napoleonischen Kriegen. Trotz der vielfältigen Belastung findet sie noch Zeit, bis tief in die Nacht darin zu stöbern. Dass sie noch einen Partner hat, der auch gerne in Büchern versinkt, „das ist wirklich ein großes Glück“.

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