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Landkreis Donau-Ries

22.12.2017

Betreutes Wohnen in Gastfamilien

Für ein neues Projekt sucht die Stiftung Sankt Johannes Gastfamilien, die Menschen mit Behinderung unterstützen wollen.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Stiftung Sankt Johannes hat ein neues Projekt gestartet. Dadurch soll Menschen mit Unterstützungsbedarf ein Zuhause geboten werden – eine Alternative zu den gängigen Modellen.

Die Stiftung Sankt Johannes engagiert sich seit September in dem Projekt „Betreutes Wohnen in Familien“, das vom Bezirk Schwaben für die Dauer von drei Jahren finanziell gefördert wird. Die Stiftung übernimmt hierbei die Betreuung in den Landkreisen Donau-Ries, Augsburg-Nord und Aichach-Friedberg. Ziel des Projektes ist es, Wohnräume für erwachsene Menschen mit Behinderung in einem familiären Umfeld zu schaffen. Hierfür werden Gastfamilien mit oder ohne Kinder gesucht, die bereit sind, sich mit persönlichem Engagement, Zeit und Platz einzubringen und somit Menschen mit Unterstützungsbedarf ein Zuhause zu bieten.

Im Kreise der Lieben essen, miteinander reden, spazieren gehen, gemeinsame Spiele- oder Fernsehabende – was für die meisten Menschen völlig normal ist, bildet für viele Menschen mit Behinderung eher die Ausnahme. Obwohl auch im stationären und ambulant betreuten Wohnen eine familienähnliche Struktur geboten wird, unterscheiden sich diese Wohnformen grundlegend von dem betreuten Wohnen in Gastfamilien. „Beim betreuten Wohnen in Familien nimmt eine Familie oder eine Einzelperson einen erwachsenen Menschen mit Behinderung bei sich auf, bindet ihn in den Alltag ein, begleitet ihn bei lebenspraktischen Dingen und hilft bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben“, erklärt Maria Berktold, die zuständige Projektleiterin für den Landkreis Donau-Ries, das neue Wohnkonzept.

Abseits themenspezifischer Inklusionsprojekte

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Das alltägliche Miteinander in einer Familie soll ein weitgehend selbstständiges Leben außerhalb einer stationären Einrichtung ermöglichen. Für Monika Lutz und Maria Berktold, die das Projekt seitens der Stiftung vorantreiben, zeichnet sich das neue Angebot gerade dadurch aus, dass abseits themenspezifischer Inklusionsprojekte die gesellschaftliche Teilhabe gefördert wird. „Das gemeinsame Leben und Wohnen in einem familiären Umfeld bringt mehr Normalität in den Alltag von Menschen mit Behinderung“, erläutert Lutz den Mehrwert des Modellprojektes.

Besonders hervorzuheben sei die emotionale Bereicherung für alle Beteiligten, die mit dem inklusiven Zusammenleben in einem Haushalt einhergehe, so Lutz weiter. „Denn ein Zuhause zeichnet sich nicht durch ein Dach und vier Wände aus, sondern vielmehr durch die Gemeinschaft und die Menschen, die es mit Leben füllen“, betont die gelernte Erzieherin Maria Berktold.

Die Stiftung Sankt Johannes sucht deswegen Familien, die sich ein Zusammenleben mit einem Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder geistigen Behinderung vorstellen können. Gastfamilien können Familien mit und ohne Kinder sein, Lebensgemeinschaften oder auch Einzelpersonen. Eine fachliche Ausbildung ist hierfür nicht nötig, sondern nur die Bereitschaft, einen Menschen mit Behinderung bei sich in der Familie aufzunehmen. Die Familie sowie der Gast werden von der ersten Kontaktaufnahme bis hin zur Beendigung des Betreuungsverhältnisses regelmäßig von Fachkräften begleitet und unterstützt, die auch als Ansprechpartner bei Fragen oder Problemen zur Seite stehen. Die Auswahl der Gastfamilien erfolgt unter Berücksichtigung der individuellen Wünsche und Vorstellungen aller Beteiligten. Die Familie selbst erhält bei Aufnahme eines Gastes ein Betreuungsgeld sowie eine Kostenpauschale für Verpflegung und Unterkunft.

Möbliertes Zimmer oder Appartement

Voraussetzung für die Aufnahme eines Gastes in den Familienhaushalt ist das Vorhandensein eines geeigneten, möblierten Zimmers oder Appartements. Das betreute Wohnen in Familien bietet hierbei ein weites Feld an möglichen Formen des Zusammenwohnens. Ist beispielsweise das eigene Kind ausgezogen und steht das Zimmer leer, so kann der Gast dort einziehen. Aber auch ein Zimmer auf einem Bauernhof, eine Einliegerwohnung in der Stadt oder auf dem Land sind Möglichkeiten.

Von einer engen Integration in die Familie, mit gemeinsamen Mahlzeiten bis hin zu einem offenen nachbarschaftlichen Zusammenleben, wird alles individuell vereinbart. Im Idealfall unterstützen sich die Familie sowie der Mitbewohner mit Behinderung über Jahre gegenseitig im alltäglichen Zusammenleben. Es entstehen tragfähige Beziehungen, die wesentlich zur Stabilität und Zufriedenheit beitragen. Ein normales Leben mitten in der Gesellschaft. 

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