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24.01.2015

Betriebe sollen „Jugendwahn“ aufgeben

Wie können Unternehmen überzeugt werden, auch älteren Arbeitslosen wieder eine Anstellung zu geben? Dieses Problem möchte die Arbeitsagentur im Jahr 2015 gezielt lösen. Denn Fachkräfte sind nach wie vor Mangelware.
Bild: dpa

Im Landkreis herrscht Vollbeschäftigung, dennoch hat die Agentur knifflige Aufgaben zu lösen.

Dieses Jahr hat Landrat Stefan Rößle bereits zehn neue Mitarbeiter am Landratsamt eingestellt. Darunter ist eine Frau, so berichtet er, die nicht aus der Region kommt. Sie und ihr Mann seien auf der Suche nach einem neuen Lebensmittelpunkt geografisch völlig frei gewesen, hatten aber gewisse Ansprüche. „Sie haben im Internet nach einer familienfreundlichen Region gesucht“, sagt Rößle. Eine Suchmaschine spuckte ihnen den Landkreis Donau-Ries aus.

Die Geschichte zeigt, dass der Donau-Ries-Kreis attraktiv für Arbeitnehmer ist – und das eben nicht nur aufgrund der Arbeitsplätze, sondern auch wegen der Lebensqualität. Insgesamt ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im Landkreis im vergangen Jahr um 3,6 Prozent auf knapp 58200 Beschäftigte angestiegen.

„Wir können zufrieden sein“, resümiert deshalb auch Hans-Carol Roth von der Agentur für Arbeit bei einem Pressegespräch. Im gesamten Bezirk der Agentur Donauwörth – also in den Landkreisen Donau-Ries, Dillingen, Günzburg und Neu-Ulm – ist im vergangenen Jahrzehnt ein Anstieg der Beschäftigungen um 21 Prozentpunkte zu verbuchen. 196000 Beschäftigte gibt es in diesem Bereich derzeit. „Die Entwicklung der letzten zehn Jahre ist sehr gut. Es geht stetig bergauf.“

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Auch die Zahlen von Zeitarbeitarbeitnehmern und geringfügig Beschäftigten im Nebenjob nehmen zu. Das allerdings ist nicht unbedingt positiv. Mit 3012 Zeitarbeitern gab es 2014 rund 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Zudem üben sechs Prozent mehr Arbeitnehmer zusätzlich zu ihrer sozialversicherungspflichtigen Arbeit einen Nebenjob aus. „Dies bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass sie nicht mit ihrem normalen Gehalt auskommen“, sagt Landrat Rößle. Viele würden auch einen Nebenjob ausüben, um sich öfters etwas gönnen zu können.

Keine Arbeit haben im Landkreis rund 1550 Personen. Unter diesen ist der Anteil an Menschen über 50 Jahre mit 40 Prozent besonders hoch. „Wir müssen die Wirtschaft davon überzeugen, von ihrem Jugendwahn abzurücken“, sagt Roth. Ältere Arbeitnehmer seien schließlich attraktiv für Arbeitgeber, weil sie Lebens- und Berufserfahrung vorweisen können.

In diesem Jahr will sich die Arbeitsagentur außerdem besonders um Langzeitarbeitslose und Schwerbehinderte ohne Job kümmern. Jeder Vierte der Arbeitslosen im Landkreis ist dies dauerhaft. Dennoch ist die Agentur für Arbeit in Donauwörth eine der wenigen in Bayern, an denen deren Quote von 2013 auf 2014 rückläufig war (im gesamten Agenturbezirk um 2,5 Prozent, im Landkreis Donau-Ries um 0,3 Prozent). Damit sich die Angestellten der Arbeitsagentur besser um die beiden Gruppen kümmern können, sei die Zahl der zu betreuenden Personen, die auf einen Mitarbeiter kommen, von deutlich über Hundert auf 60 reduziert worden.

Die größte Veränderung im Vergleich zum Vorjahr hat es bei den Ausländern gegeben. Sie machten 2014 einen Anteil von 13 Prozent aller Arbeitslosen aus. Auch diese Zahl soll auf Dauer minimiert werden: Roth sagt: „Wir wollen die Zuwanderung nutzen, wo es sinnvoll ist.“

Durchschnittlich vergehen im Donau-Ries-Kreis 77 Tage von der Meldung einer freien Stelle bis zu ihrer Besetzung (nur eine geringfügige Verbesserung von drei Jahren im Vergleich zum Vorjahr). „Das hängt damit zusammen, dass hier im Kreis vor allem Fachkräfte gesucht werden“, sagt Roth. „Und der Markt ist diesbezüglich ziemlich leer gefegt.“ Deshalb gibt es zahlreiche Projekte zur Fachkräftesicherung und -gewinnung. Sprachlotsen sollen ausländischen Arbeitnehmern helfen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf soll verbessert werden und der Landkreis soll zur Marke werden. „Wir wollen die Bekanntheit des Donau-Ries-Kreises steigern“, sagt Rößle. Seine Vorzüge sollen auch über die Region hinaus bekannt werden und neue Arbeitskräfte locken. Bei der neuen Mitarbeiterin am Landratsamt hat das ja schon geklappt.

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