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Kabarett

05.11.2019

Bissig, spritzig, ironisch

Andreas Breiing und Britta von Anklang in Kaisheim.
Bild: Graf

Die Buschtrommeln lassen in ihrer Flut an Pointen kaum ein aktuelles Thema aus. Das Publikum war begeistert

Alle zwei Jahre sind sie zu Gast im Thaddäus, seit 2016 in neuer Besetzung mit Britta von Anklang: Die Buschtrommeln rüttelten bissig, spritzig, ironisch mit Tanz- und Gesangseinlagen an unseren bewegten und schrägen Zeiten.

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Stille. Eine Trommel, die sich rhythmisch ihren Weg durch die immer lauter werdende Melodie von „Gangsta‘s Paradise“ (Coolio featuring L. V.) bahnt. Andreas Breiing betritt als Donald Trump verkleidet die Bühne und rappt mit gekonnter Mimik, denn „Satire macht uns frei“. Das Kabarett-Duo sprang von einer Pointe zur nächsten und reichte sich mal zynisch, mal bissig, mit ironischem Ton die Zepter. Friday‘s for future wäre doch „super“, nur komisch, dass in diesem Jahr die meisten Flugreisen überhaupt verzeichnet wurden, gab von Anklang zu bedenken: „Trotz Greta nach Kreta.“ Düsseldorf erlebt einen SUV-Boom und Trump wäre doch gar nicht so dumpf, „der weiß nur nicht, wie er an sein Hirn ran kommt, der Greenpisser!“ Elektroautos wären auch ganz toll, denn von Anklangs Elektrosmart brauche nur sechs Stunden Aufladezeit, um 90 Kilometer fahren zu können, „wenn der geklaut wird, musste nicht weit suchen.“ Der amtierende Präsident der USA stünde mit seinem Vermögen von 3,1 Milliarden Dollar auf Platz 715 der Milliardäre, „knapp vor Boris Becker“ und damit mit einem Fuß auf der Milliardärs-Hartz-IV-Liste. Breiing und von Anklang beteten schließlich für den Spitzensteuersatz, der 1948 noch 95 Prozent betrug, seit 2005 nur noch 42 Prozent.

Die beiden schöpften mit Bravour alle Möglichkeiten des kabarettistischen Duos aus. Ernstzunehmende politische Satire, gepaart mit comedyhaften Verkleidungen, vielen Requisiten und musikalischen Einlagen sorgten für einen abwechslungsreichen Abend.

Bissig, spritzig, ironisch

Beim Thema Organspende, mit nur 770 Spendern jährlich, könne man sich doch ein Beispiel an Frank-Walter Steinmeier nehmen, der seiner Frau eine Niere gespendet hat. Da könne Alice Weidel „doch wenigstens ein Auge spenden.“ Das Publikum zeigte sich begeistert, als Britta von Anklang die Steppschuhe auspackte und gekonnt eine flotte Sohle aufs Parkett legte oder Annegret Kramp-Karrenbauer mit Stahlhelm und riesengroßem Schwert mimte.

Für alle, die „Mein Kampf“ nicht gelesen hätten, empfahl das Duo, sich das auf zwei DIN-A4-Seiten abgedruckte AfD-Weltbild zu Gemüte zu führen. Passend zum Thema parodierte Breiing einen AfD-Anhänger, der sich für das Ministeramt für Natur- und Umweltschutz bewirbt, und „entrüstete sich“ über „kaum deutsche Tiere im Nürnberger Zoo“. Als dann auch das rechteckige schwarze Bärtchen über der Oberlippe prangte, war Breiing auf dem schauspielerischen Höhepunkt angekommen: „Nieder mit der niederträchtigen Mehlschwalbe! Schützt die deutsche Stubenfliege!“ Natürlich bekamen auch politische Personen wie Erdogan, Jens Spahn, Heiko Maas, Björn Höcke ihr Fett weg. Nicht zuletzt nahmen sie den typischen Bayern auf die Schippe: „In jeder Hos‘ steckt a Leberzirrhos‘.“ Nach vier Halben und einer Maß Bier (alkoholfrei?) vermutete Breiing: „Ich kann nicht mehr laufen, wo steht mein Auto?“

Als Referent Abraham White machte sich Breiing für die Plastikbefreiung stark. „Tüte macht tot Flipper in the sea“, die er dann als Kollekte herumgehen ließ. „Wenn es Ihnen nicht gefallen hat, mein Name ist Uschi Glas“, lachte von Anklang. Wen jetzt während des Lesens die Flut an Pointen aus dem Konzept geworfen hat, dem ging es genauso wie den Zuhörern am Samstagabend.

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