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Harburg

02.03.2015

Bistum sieht Waldfriedhof kritisch

Symbolbild.
Bild: Waldruh

Stadtrat in Harburg treibt Genehmigungsverfahren für Projekt am Hühnerberg dennoch voran.

Von Alexandra Schneid

Harburg Der Waldfriedhof, den das fürstliche Haus Oettingen-Wallerstein auf zehn Hektar am Hühnerberg plant, war erneut Thema im Harburger Stadtrat. Der stimmte über die Einwände und Anregungen von Behörden und Institutionen ab. Von Bürgern kam keine Rückmeldung. Die Abstimmung ist ein notwendiger Schritt, um das Genehmigungsverfahren voranzutreiben. Bürgermeister Wolfgang Kilian sagte: „Es kamen viele Anregungen und Meinungen, aber keine gravierenden Einwände.“

Erhebliche Bedenken meldete freilich die katholische Kirche an. Das Bistum Augsburg kritisiert die Bestattungsform. In einer schriftlichen Stellungnahme bekannt gemacht, heißt es, dass „diese Bestattungsform privatreligiöse, naturreligiöse oder pantheistische Vorstellungen fördert und die Verstorbenen noch mehr aus dem alltäglichen Lebensraum der Lebenden verbannt“. Aus diesem Grund unterstütze die Kirche diese Art der Bestattung nicht. Außerdem sei ein kirchliches Begräbnis nur dann möglich, wenn der Verstorbene die Naturbestattung nicht aus Gründen gewählt hat, die der christlichen Glaubenslehre widersprächen. Weiter schreibt die Kirche: „Die Mitwirkung eines Geistlichen oder eines mit dem Bestattungsdienst beauftragten Laien an der Urnenbeisetzung im Wald ist darüber hinaus nur erlaubt, wenn die Grabstätte dauerhaft durch Namen und ein christliches Symbol gekennzeichnet werden kann.“ Eine Mitwirkung katholischer Amtsträger (geistlicher wie beauftragter Laie) bei Errichtung oder Eröffnung von Friedwäldern werde daher nicht befürwortet.“ Zuständig für die Begräbnismesse und die Feier der Verabschiedung sei grundsätzlich der Heimatpfarrer des Verstorbenen. Der Seelsorger könne bei einer Urnenbeisetzung selbst entscheiden, ob er an einer gottesdienstlichen Feier teilnehme.

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Kilian hat die Bedenken des Bistums Augsburg registriert. Nach wie vor hält der Bürgermeister an dem Konzept des Waldfriedhofs fest. Er sagt: „Wir können die Bedenken der bischöflichen Finanzkammer nicht zurückweisen.“ Das christliche Symbol, das laut Kirche auf den Namensschildern stehen soll, könne problemlos angebracht werden, meint Kilian. Allerdings sei das die Entscheidung der Hinterbliebenen. Er wisse, dass die katholische Kirche anonymen Bestattungen kritisch gegenüberstehe. Im Stadtrat sei man sich einig gewesen, dass jede Urne ein Namensschild bekommen soll. Zu den weiteren Bedenken äußert sich Kilian folgendermaßen: „Das sind Beschlüsse der Diözese Augsburg aus dem Jahr 2008. Die hat man damals festgelegt und werden jetzt an alle Kommunen geschickt, die einen Waldfriedhof planen.“ Der Bürgermeister glaubt, dass die Bedenken allgemein Naturbestattungen gelten und nicht auf Harburg zugeschnitten sind.

Sorge um das Bockfest

Außerdem hat sich Kilian bereits mit dem Harburger Pater Xaver ausgetauscht. Der Bürgermeister sagt: „Wenn alles gesittet abläuft, hat der Pater kein Problem.“ Der evangelische Dekan Johannes Heidecker (Donauwörth) erklärt, dass sich im Herbst die evangelischen Dekanate Donauwörth, Oettingen und Nördlingen treffen, um über das Thema Waldfriedhöfe zu sprechen. Heidecker sagt: „Naturbestattungen kommen so schön natürlich daher.“ Dass zunächst viel technischer Aufwand betrieben werden müsse, um die Verstorbenen einzuäschern, stehe für ihn im Widerspruch. Zurück zur Natur sei nicht die Botschaft, sagt Heidecker: „Wir bestatten Tote in der Hoffnung auf die Auferstehung.“

Andere Probleme sehen Teile der SPD-Fraktion im Harburger Stadtrat. Claudia Müller und Daniel Grün stimmten bei allen Entscheidungen zum Waldfriedhof dagegen. Müller sagte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass sie schon mehrfach angemerkt habe, dass man hier immer den zweiten vor dem ersten Schritt mache. Zuerst müsste die vertragliche Grundlage des Grundstückseigentums geklärt werden, ehe man sich ans Baurecht mache.

Ihr Parteikollege Grün hält es für problematisch, dass der Friedhof neben dem Gelände des Bockfests liegt. Er könne nicht abschätzen, was passiert, wenn jemand zu viel getrunken habe: „Das Bockfest hat Tradition und gehört zu Harburg. Es wäre schade, wenn man es wegen des Friedhofs einstellen müsste.“

Auf dem Waldfriedhof wird die Asche des Verstorbenen in einer biologisch abbaubaren Urne im Wurzelbereich eines Baumes beigesetzt. Ein Grabmal und Blumenschmuck sind nicht erlaubt.

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