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Bühne

29.01.2018

Bitterböser Schlagabtausch

Diese Schauspieler wirkten bei der Aufführung von „Der Vorname“ auf der Oberpeichinger Bühne mit: (von links) Ronald Hansch (Claude), Nico Jilka (Pierre), Fritz Barth (Vincent), Stefanie Mendoni (Anna) und Petra Wintersteller (Elisabeth).
Bild: Manfred Arloth

Nördlinger Schauspielmanufaktur glänzt mit Tragikomödie „Der Vorname“. Warum das Publikum reichlich Gelegenheit hatte, sich zu amüsieren

Einen bitterbösen Schlagabtausch, der nach einem Boxhieb sogar eine blutige Nase zur Folge hatte, lieferten sich fünf Schauspieler der Nördlinger Schauspielmanufaktur auf der Oberpeichinger Theaterbühne. Sie spielten überaus überzeugend das Bühnenstück „Der Vorname“ der französischen Autoren Alexandre de la Patellière und Matthieu Delaporte.

Da treffen sich fünf wohlhabende Akademiker in einer geräumigen Pariser Altbauwohnung, um sich gegenseitig die bürgerlich verbildeten Vorurteile und ideologischen Lebenslügen unter die Nase zu reiben – in geschliffenen Dialogen. Auslöser des Scharmützels ist die anfangs als Scherz gemeinte Ankündigung des werdenden Vaters Vincent (Fritz Barth), seinen Sohn Adolphe nennen zu wollen. Und schon ergeben sich Missverständnisse, die zu teils lautstarken Diskussionen führen. Nicht nur Pierre (Nico Jilka), ein Sprachwissenschaftler, ist wegen des provokanten Vornamens entsetzt. Ein Wort gibt das andere, und schon ist der schönste Streit im Gange. Das Publikum hat viel Gelegenheit, sich über das Geplänkel köstlich zu amüsieren.

Elisabeth (Petra Wintersteller), die als Hausfrau zwischendurch immer in der Küche zu tun hat, fährt ihr Talent als Furie voll aus. Auch ihr gefällt es, sich einzumischen. Nachdem die schwangere Anna (Stefanie Mendoni) hinzukommt, wird sie ahnungslos in den Streit verwickelt. Die Missverständnisse helfen nun einerseits, die Situation weiter zu verwirren, bringen aber ungewollt auch Familiengeheimnisse an den Tag.

Die Debatte um die Frage, ob man sein Kind nach Hitler benennen darf, ist nur eine der hitzigen Diskussionsthemen dieses Abends, aber sie führt dazu, dass das bisher so gemütliche Familientreffen aus dem Ruder läuft. Denn die Jugendfreunde Pierre und Vincent sind nun so in Fahrt, dass sie sich endlich einmal ein paar angebliche Wahrheiten sagen, die man im Interesse eines gedeihlichen Zusammenlebens besser verschweigen sollte. Beträchtliche Eitelkeiten treffen nun aufeinander, mit geschwollenen Kämmen hacken die Kampfhähne aufeinander ein. Mit Lust und Niveau werden Wortgefechte ausgetragen. Doch die Contenance verlieren die Alphatiere erst, als Elisabeths und Vincents Mutter Francoise in einer Weise ins Spiel kommt, die sich niemand hat träumen lassen. Wortwitz und Dialoge in der besten Tradition der französischen kritischen Gesellschaftskomödie treiben atemlos eine Handlung voran, die bei aller Komik auch manchen ahnungsvollen Blick in die Abgründe der Figuren erlaubt. Starker Applaus für einen Theaterabend mit hohem Niveau.

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