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Harburg-Ebermergen

27.01.2019

Briefe an englische Königin und ihre Vertraute

Königin Anne regierte von 1702 bis zu ihrem Tod 1714 in England - und bekam einen Brief aus Ebermergen.
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Königin Anne regierte von 1702 bis zu ihrem Tod 1714 in England - und bekam einen Brief aus Ebermergen.
Bild: Stadtarchiv Donauwörth (Repro)

Im Kinofilm „The Favourite“ stehen Königin Anne und Lady Sarah im Mittelpunkt. 1704 erhielten die echte Herrscherin und deren Hofdame Post aus der Region

Es war eine Zeit, in der es in Europa nicht gerade friedlich zuging. Anfang des 18. Jahrhunderts tobte der Spanische Erbfolgekrieg. Der hatte seinen Ursprung darin, dass diverse Herrscherdynastien einen Thronfolger in Spanien etablieren wollten. Ungefähr in jenen Jahren spielt der Film „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“, der seit dieser Woche in deutschen Kinos läuft und mit zehn Nominierungen als einer der großen Oscar-Favoriten gilt. Im Mittelpunkt der Handlung stehen zwei Frauen im englischen Machtzentrum: Königin Anne Stuart und ihre Vertraute Lady Sarah von Marlborough, die eigentlich die politischen Entscheidungen im Palast trifft.

Das mag im wirklichen Leben ähnlich gewesen sein. Einen Hinweis darauf geben Briefe, die Lady Sarahs Mann John Churchill, Herzog von Marlborough, geschrieben hat – und zwar bei Ebermergen. Dort befand sich Anfang Juli 1704 für ein paar Tage das Hauptquartier der sogenannten Reichstruppen, zu denen unter anderem Engländer, Niederländer, Dänen, Hannoveraner und Preußen gehörten. Sie lieferten sich mit einer bayerisch-französischen Armee am 2. Juli 1704 die weithin bekannte Schlacht am Schellenberg bei Donauwörth. Es war ein fürchterliches Gemetzel. Innerhalb weniger Stunden kamen Tausende von Soldaten ums Leben. Dem Donauwörther Stadtarchivar Ottmar Seuffert zufolge dürfte es das größte Massensterben in der Geschichte der Stadt und deren Umgebung überhaupt gewesen sein.

„Zum Ruhme der britischen Krone“

Nach der Schlacht zog sich der Herzog von Marlborough, der zusammen mit dem Markgraf Ludwig von Baden die siegreiche Armee der Reichstruppen befehligte, in das Zeltlager südlich von Ebermergen zurück. Dort verfasste er folgendes Schreiben an Königin Anne, die zu dieser Zeit Königin von England und Schottland war: „Ich nehme mir die untertänige Freiheit, Eurer Majestät anzuzeigen, dass der Erfolg des ersten Angriffs, den wir gegen den Feind unternahmen, ganz würdig der gerechten Sache war, die Eure Majestät mit solchem Eifer zu ergreifen allgnädigst geruhten. Der Staatssekretär Harley wird die Ehre haben, den Bericht über das gestrige Gefecht allerhöchstselben zu unterlegen. Es sei mir gegönnt, noch beizufügen, dass der glänzende Ausgang nächst dem Schutze des Himmels dem unerreichbaren Mute von Eurer Majestät tapferem Heere zuzuschreiben ist. Ich werde trachten, den glücklichen Anfang zum Ruhme der britischen Krone und zum Vorteil ihrer Bundesgenossen bestens zu verfolgen.“

Die Kanonen des Tower sollen den Sieg in der Schlacht verkünden

Der Brief des Herzogs an seine Frau Sarah beginnt sehr persönlich: „Ich glaube die mich beglückende Liebe meines teuren Weibes so richtig zu beurteilen, dass ich überzeugt bin, zwei Zeilen, die sagen, dass ich nach dem heißen gestrigen Tage wohlbehalten bin, sind ihr lieber, als dicke Bände in anderer Gelegenheit.“ Wohl wissend, dass die Lady in London mit die Strippen zog, teilte ihr der Herzog auch militärische Details mit. So schreibt er unter anderem: „Das englische Fußvolk hatte einen harten Stand und hat viel gelitten.“ Und John Churchill äußert Befürchtungen, die Franzosen könnten Elitetruppen nach Bayern schicken: „Da wären wir freilich dem gegenüber stehenden Feinde nicht mehr gewachsen.“ Deshalb hoffte der Herzog ebenfalls auf Verstärkung. Dann wendete er sich nochmals direkt an seine Gattin: „Mache meinen lieben Kindern zu wissen, dass ich wohlauf bin.“ Zudem ließ der Herzog an den Schatzmeister Lord Godolphin ausrichten, die englischen Soldaten hätten sich derart gut geschlagen, dass sie es verdienten, „dass ihr Sieg den Landsleuten durch die Kanonen des Towers verkündet werde“.

Diese Briefe und ein weiteres Schreiben an Schatzmeister Godolphin fanden Eingang in ein Werk von William Coxe über das Leben und Wirken des Herzogs. 1820 wurden sie ins Deutsche übersetzt. Der Heimatgeschichtliche Verein Ebermergen widmete den Briefen ein Kapitel im Buch „Gfriere, Glocken und Germanen“ (2014). Der Herzog zog im August 1704 bei Höchstädt/Blindheim dann in eine noch viel größere Schlacht. Diese gewannen die Reichstruppen ebenfalls.

Übrigens: Im wirklichen Leben fielen Sarah und John von Marlborough später bei Königin Anne in Ungnade. Die Eheleute mussten daraufhin sogar vorübergehend ins Exil, bis die Herrscherin 1714 schließlich starb.

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