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Donauwörth

03.12.2020

Bürgerversammlung in Donauwörth - mal ganz anders

Aus drei Kamerapositionen filmte das Produktionsteam um Gregor Wiebe Oberbürgermeister Jürgen Sorré und die Vertreter der Stadtverwaltung, die sich den Fragen der Bürger aus dem Live-Chat stellten.

Plus Ein Experiment in Corona-Zeiten: In Donauwörth wurde die Bürgerversammlung am Mittwochabend digital abgehalten – mit einem erstaunlichen Ergebnis.

Normalerweise – mit diesem vagen Wort könnte derzeit so mancher Text beginnen. Denn „normal“ ist eigentlich momentan gar nichts. Aber dennoch: Normalerweise sitzen sich bei den Bürgerversammlungen in der Region zwischen einem und zehn Dutzend Menschen gesellig beieinander im Sportheim oder im Saal einer Gaststätte und hören sich bei Bier und Apfelschorle an, was der Rathauschef zu allerlei lokalen Projekten zu sagen hat. Geht dieser Tage aber nicht, der Grund dürfte jedem bekannt sein. Deshalb wagte Donauwörth jetzt ein Experiment: die „Bürgerversammlung digital“ – mit Liveübertragung ins Internet und Bürgerbeteiligung via Chat.

Ein kleiner technischer Kniff ist die technische Umsetzung beileibe nicht, will man eine solche Versammlung nicht über die wackelige Selfie-Kamera auf dem Smartphone abhalten.

Im Donauwörther Rathaus werkelten Gregor Wiebe und seine Mannschaft von der Donauwörther Produktionsfirma „Huckleberryking“ am Mittwoch seit 9 Uhr am Vormittag, um alles bereit zu machen für die Live-Schalte aus dem Rathaus am Abend über die Internetseite der Stadt. Drei Kameras wurden positioniert, Studiolampen ausgerichtet und Monitore sowie Rechner samt Mischpult für den Ton im Sitzungssaal des Rathauses installiert. Für Oberbürgermeister Jürgen Sorré war diese digitale Versammlung, zu der sich die Bürger über einen klassischen Chat zuschalten und aktiv beteiligen konnten, „ein Experiment“. Für Wiebe und sein Team ist diese Form der Kommunikation schier zum täglich Brot in Corona-Zeiten geworden. Zuletzt setzten die Donauwörther Experten auch die digitale Bürgerversammlung in Nördlingen technisch um, die immerhin über 3000 Zugriffe in Spitzenzeiten verzeichnete.

1500 Bürger kurz vor dem Start in Donauwörth online

Nun also Donauwörth. Um kurz vor dem Start Punkt 19 Uhr wirft Wiebe noch einmal einen Blick auf die Zugriffszahlen: 1500 Nutzer. Ein beachtlicher Wert, vor allem im Vergleich zu sogenannten Präsenzveranstaltungen. Im Chat ist jedoch nur ein Bruchteil eingeloggt, vielleicht zwanzig Bürger schreiben ans Rathaus. Aber so ist es ja auch in der Gaststätte: Die meisten hören zu, einige Wenige melden sich. Insofern also nichts Außergewöhnliches.

OB Sorré hat den Abend in zwei größere Blöcke unterteilt – erst referieren er und Kämmerin Gertrud Hammer sowie der frischgebackene Stadtbaumeister Bernd Fischer über aktuelle städtische Baustellen und Projekte, dann versucht Sorré die Bürgerfragen, die sich aus dem Chatverlauf ergeben, zu beantworten. Den Chat können die Vertreter der Verwaltung und der Medien im Saal mitlesen. In der Tat beantwortet Sorré jede dort aufploppende Frage aus der Bürgerschaft, die von Pressesprecherin Annegret Feist zusammengefasst wurden.

Im ersten Teil kam die Trinkwasserthematik aufs Tableau, ein brisantes Thema in Donauwörth. Sorré bittet die Menschen um Geduld, erklärt, dass man viel Hoffnung in den bis Ende 2021 zu bauenden neuen Hochbehälter setze – aber dass das Leitungsnetz weiterhin untersucht werden müsse. Man fahnde letztlich nach der Nadel im Heuhaufen. Eine Alternative zur Chlorung hätten die Stadtwerke nicht – doch zumindest sei das Wasser in den betroffenen Stadtteilen Berg, Parkstadt und Zirgesheim jetzt trinkbar.

Der Chat in Donauwörth: konstruktiv, ohne Beleidigungen

Im Chatverlauf ist zu erkennen, dass beleidigende Pöbeleien nicht zu entdecken sind – OB Sorré hatte mit Blick auf so manche Gesprächs-Unkultur in diversen sozialen Netzwerken darum gebeten, die „Würde der Versammlung“ zu beachten. Die Bürger tun dies zweifelsohne.

Im weiteren Themenblock tragen Sorré und die Vertreter der Verwaltung die Wasserstände zu den großen Projekten in der Stadt vor: Freibad-Sanierung (Stand jetzt: Ende Juni soll eröffnet werden), Tanzhaus (ein zweites Gutachten über Sanierung oder Neubau laufe gerade), Bauplätze/ Mietwohnungen (die Hoffnung auf Entspannung liegt im zu erschließenden alten Kasernenareal) und Jugend (Einstellung eines Streetworkers in der Diskussion). Zum Thema „Hochwasserschutz“ fasst sich Sorré kurz: Hier sei eine klassische Präsenzveranstaltung besser – dieser Bereich sei zu emotional für das Netz.

Vielfach wird von den Bürgern angeregt, dass das Digitalformat auch nach der Pandemie beibehalten werden sollte, zumindest als „hybrides“ Zusatzangebot – also parallel zur klassischen Versammlung. Unzweifelhaft steht indessen fest: Zwischen 860 und 1000 Bürger haben sich laut dem Produktionsteam konstant eingeloggt – so viele hatte man „klassisch“ vorher nie erreicht.

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