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Fasching

13.01.2019

Bunter Abend in Rain: Tolle Show mit Witz und heißem Finale

Kess und frech zeigte sich die Showtanzgruppe des Faschingsclub Rain zu mitternächtlicher Stunde und sorgte damit für einen Glanzpunkt in der FCR-Historie.
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Kess und frech zeigte sich die Showtanzgruppe des Faschingsclub Rain zu mitternächtlicher Stunde und sorgte damit für einen Glanzpunkt in der FCR-Historie.
Bild: Helmut Bissinger

Der Rainer Faschingsclub blättert unterhaltsam im „Buch der Narren“. Eine Gruppe feiert ein grandioses Comeback.

Das wird ein langer Fasching. Gerade in Rain werden sich die Narren über die zahlreichen Wochen bis zum Aschermittwoch zum 6. März freuen, denn dadurch können sie zwischendurch auch mal in einem Buch schmökern, ganz nach dem diesjähren Motto des Faschingsclub Rain (FCR): „Rainlesen, eintauchen in die Bücherwelt“. Ob die Tillygirls die Zeit zum Lesen finden, muss freilich angezweifelt werden: Denn, was sie beim Bunten Abend des FCR zeigten, bedarf wohl des täglichen Trainings.

Um es gleich vorweg zu sagen: Der sichtbare Enthusiasmus, das Engagement und der Übungsfleiß beweisen, mit wie viel Herzblut sich jeder einzelne Akteur einsetzt, um den Ruf von Tillynesien als führendes Faschingsfürstentum zwischen Lech und Donau zu behaupten. Fast fünf Stunden blätterten die Rainer im „großen Buch der Narren“, perfekt inszeniert, ideenreich und mit einem glanzvollen Finale: dem Showtanz, der zurecht erst um Mitternacht einen grandiosen Schlusspunkt setzte.

Die Problemzonen rührten in der Gerüchteküche

Dabei war es eher in Zeitlupe losgegangen. Die Brüder Chabeso grüßten das Publikum mit einem lang gezogenen „Tilly Johoo“. Wie schon im Vorjahr war es in Mimik und Gestik ein meisterhafter Auftritt, mitunter derb und seicht.

Rührten in der „Gerüchteküche“: Bernhard Ull, Monika Meier, Christa Wiest und Wolfgang Haschner als „Problemzonen“.


Mit „Alkohol und Frauen“ beschäftigten sich Mathias Straßer, Umut Deniz und Olivia Würmseher und erinnerten in ihrem Beitrag an die Zeiten eines „Casanovas“ – ein nach wie vor aktuelles Thema. Ein bisschen mussten die Drei um Umut Deniz („eine Rampensau“, raunte ein Gast) improvisieren, war Patrick Berner doch ganz kurzfristig wegen Krankheit ausgefallen. Mit einem Sprechgesang, belegt mit Elementen aus der Rapmusik, erklärten sie, wie sie sich ihre Welt des Zusammenseins vorstellen. Vor allem die Jüngeren im Publikum waren da aus dem Häuschen.

Nach einer Pause von zwei Jahren feierten Wolfgang Haschner, Monika Mayr, Bernhard Ull und Christa Wiest ein „Comeback“ – und was für eines! Inzwischen zu einer Institution geworden, zeigten die „Problemzonen“ ihren legendären bissigen Blick auf die Lokalpolitik. Das Quartett agierte diesmal in der Gerüchteküche, ein dankbarer Schauplatz in Rain, wie sich zeigen sollte. Da konnte kein Stadtrat sicher sein, verschont zu werden, als sie beispielsweise den „Kreisverkehrs-Strudel von Leo Meier“ auftischten (verfeinert mit einem Schuss „Martin-i“) oder einen „Marb-Teig a la Claudia“ ziehen ließen. „Da hätten wir doch lieber Riehl-laden gemacht“, meinten sie schließlich, nachdem der Teig einfach nicht gelingen wollte. Mit viel Wortwitz zog lokales Geschehen vorbei: angefangen vom Kreisverkehr im Ziegelmoos bis zur Polizei-Tür. Die Vier munkelten, dass die Hauptstraße wohl bald ganz geschlossen werde, weil die noch verbliebenen Geschäfte nun bei Dehner einzögen. Und, dass demnächst das Fernsehen nach Rain komme, um für eine Show Talente zu suchen. Letztlich soll so ein Nachfolger für Bürgermeister Gerhard Martin gefunden werden. Lacher und Zugaben waren den Akteuren gewiss.

Prinzenpaar auch im normalen Leben ein Paar

Kinder–Hofmarschallin Sophie de Correvont, Michael Weigl und Präsident Florian Riehl als Moderatoren führten locker und unaufgeregt durch ein Programm, das von langer Hand vorbereitet worden war. 900 Stunden waren ehrenamtlich im Auftrag der Narretei geleistet worden, seit August haben die Tänzer trainiert, alles bis ins Detail geprobt. Das im ersten Moment nicht gerade spektakulär klingende Motto wurde perfekt umgesetzt, angelehnt an die von Regina Rabuser begründete Initiative „Rainlesen“.

Im Dreivierteltakt: Rosenfee Sandra III. und Zuckerbaron Daniel I.

Mini-Rosenfee Stella I. (Timm) und Mini-Zuckerbaron Dennis I. (Plewka) eroberten die Herzen ihrer Untertanen mit einem geschmeidig vorgetragenen Walzer und flotten Sprüchen. Als Pippi Langstrumpf und Michl aus Lönneberga tanzten sie frech aus dem Buch von Astrid Lindgren heraus, um letztlich auch noch die letzte Mama im Saal zu verzaubern.

In nichts standen ihnen natürlich die „Großen“ nach: Daniel I. (Burkhardt) und Sandra III. (Hurle), auch im normalen Leben ein Paar, „lasen“ aus Anna Karenina und dem „Buch über die Moral“, brachten die Besucher aber auch in einen Dreiviertel-Klatschtakt. Bürgermeister Gerhard Martin musste ihnen den Rathaus-Schlüssel aushändigen und bekannte, in jungen Jahren eifrig in Karl-May-Büchern gelesen zu haben. Seine Faschingsempfehlung, ganz nach dem „kleinen Prinz“ von Antoine Saint-Exupéry: „Alles am besten immer mit dem Herzen sehen.“

Paul Schumann als Reich-Ranicki

So hoch die „Problemzonen“ die Messlatte gesetzt hatten, so leichtfüßig sprang Paul Schumann darüber. Als Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki setzte er die Pointen, als hätte er niemals etwas anderes gemacht. „Es liegt ein großer Pflasterstein in der Schlossstraße, doch er ist nicht allein“, sinnierte Schumann, um dann gleich auf FCR-Präsident Florian Riehl loszugehen: „Was ich hier in den letzten Stunden erleben musste, ist haarsträubend.“ Da bleibe ihm nichts anderes übrig, als ein gutes Buch aus der Bibliothek auf der Bühne mit nach Hause zu nehmen. Einen Orden aber, werde er verweigern. Einen solchen Preis nehme er nicht an...

Paul Schumann begeisterte als Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki.
Bild: Helmut Bissinger


Zwischen den Wortbeiträgen überzeugten die Garden und so manches heitere „Tilly Johoo“ erschallte im Saal. Nachhaltig in Erinnerung wird den meisten der Showtanz bleiben, den 19 Tänzerinnen und drei Tänzer um Mitternacht auf die Bühne brachten: „Heiß, ganz heiß“, urteilte eine Mittfünfzigerin, als die Jungs und Mädels ganz im Stil von „Fifty Shades of Grey“ in Kostümen von Susanne Oswald eine von Alexandra Maindok choreografierte Nummer boten, die gut und gerne auch in jedem Nachtclub von New York oder Paris die Gäste stimmungsvoll befeuert hätte.

Durchhaltevermögen der Zuschauer wurde belohnt

Die mehr als hundert Mitwirkenden vor und hinter den Kulissen boten den Besuchern alles, was man von einer Veranstaltung dieser Art erwarten kann: Showeinlagen, Gesang, Körper- und Wortakrobatik, Humor und Tanz. Da war auch von den Besuchern körperliches und geistiges Durchhaltevermögen gefordert. Trotzdem gingen die Faschingsfreunde gut unterhalten nach Hause und zollten den Laiendarstellern für ihre teilweise hoch professionellen Einlagen höchsten Respekt.

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