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Heimatgeschichte

14.04.2018

Burcklmanshouen und Plosenau anno dazumal

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4 Bilder
So war der Tagmersheimer Ortsteil Blossenau um das Jahr 1830 kartiert. Die historische Abbildung findet sich im Heimatbuch.
Bild: Eva Münsinger

Das Ortsfamilienbuch des Historiographischen Vereins Burgmannshofen ist wissenschaftlich fundiert, hat aber auf 328 Seiten auch Spannendes und bisweilen Tragisches zu bieten.

Tagmersheim-Blossenau Ein Kind wird exhumiert und die ledige Mutter landet im Zuchthaus. Passiert am 18. Oktober 1838 in Blossenau. Die wissenschaftlich fundierten Forschungen des Historiographischen Vereins für Burgmannshofen, Übersfeld und Blossenau fördern auch viele interessante, spannende und bisweilen tragische Geschichten zutage.

Plosenau, wie Blossenau im 17. und 18. Jahrhundert geschrieben wurde, bildete lange Zeit eine eigenständige politische Gemeinde und ist der größte der drei Orte der Pfarrei Übersfeld. Neben dem Bürgermeister gab es in dem Angerdorf auf der Monheimer Alb, in dessen Mitte die Kirche St. Sixtus liegt, Anfang des 18. Jahrhunderts sogar einen Arzt und einen Bierbrauer. Des Weiteren gehören Burcklmanshouen (Burgmannshofen) mit der Kirche St. Gertraud und Ybersfeld (Übersfeld) mit der St.-Gallus-Kirche zur Pfarrei.

Der gemeinnützige Historiographische Verein wurde 2014 gegründet. „Die wissenschaftliche Erforschung, Dokumentation, Vermittlung und insbesondere Bewahrung der Heimat-, Kultur- und Alltagsgeschichte“ ist das erklärte Ziel des Vereins. Bereits 2017 veröffentlichte er zwei Bücher: die „Burgmannshofer Dorfgeschichten“ und das „Ortsfamilienbuch der Pfarrei Übersfeld“. Derzeit in Arbeit ist die „Burgmannshofer Häuserchronik“.

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Herausgeber Tobias Weigl aus Burgmannshofen stellte das umfangreiche Ortsfamilienbuch vielen interessierten Zuhörern im B+ Zentrum in Blossenau vor. Der Untertitel des 328 Seiten umfassenden Werkes „Transkription und genealogische Auswertung der Übersfelder Kirchenbücher (1651 bis 1949)“ lässt schwere Kost vermuten. Doch Tobias Weigl weckte mit seinem engagierten und unterhaltsamen Vortrag die Lust, darin zu schmökern. Es gibt viel zu entdecken, besonders für ortsansässige Familien; doch auch für Nichteinheimische ist es eine spannende Lektüre.

Anschaulich sind die historischen Ortspläne, Fotos von den alten Kirchenbüchern, Sterbebildchen und die historische Beschreibung der Pfarrei aus den Jahren 1848 und 1991. Die detailliert aufbereiteten Familieneinträge lassen Geschichte lebendig werden. Geburts- und Todestag, Herkunft, Eheschließungen und Nachkommen sind aufgelistet. Nicht selten waren es dutzende Kinder, von denen jedoch viele früh starben. In den kurzen nüchternen Einträgen verbergen sich oft interessante Verbindungen zwischen Familien und Orten. Berufsbezeichnungen oder die Beschreibung von Charaktereigenschaften wie „Er war Jäger beim sittsamen und beliebten S. von Pestalozzi“ bringen die Menschen näher. Immer wieder finden sich individuelle Anmerkungen wie: „Anwesen wurde eingerissen, neu gebaut. Anna lebt auf Kosten der Gemeinde.“

Vom Blitz getroffen

Auch Tragödien sind beschrieben wie der Tod von Michael Meister, der am 11. Juli 1741 vom Blitz getroffen wurde: „Am folgenden Tag fand man ihn mit dem Gesicht auf der Erde liegen…“ Interessant ist die Auflistung der ansässigen Berufsgruppen. Sie zeigen, wie sich die Bedeutung der Berufe auf dem Land in 300 Jahren gewandelt hat. Wer kann sich heute noch vorstellen, dass es mal einen Abdecker, Spielmann, Löffelmacher oder Zinngießer gab? Eine Schule existierte nur in Blossenau. Der erste Lehrer wurde 1713 erwähnt. Dreh- und Angelpunkt der Pfarrgemeinde sind die Pfarrer. Die Auflistung von 1569 bis 2018 ist lückenlos. Grabinschriften und Sterbebilder bewahren den Hochwürden ein lebendiges Andenken.

Mit der Unterstützung begeisterter Heimatforscher und hilfsbereiter wissenschaftlicher Fachleute und vor allem mit ungeheurem Arbeitsaufwand wurden die Übersfelder Kirchenbücher vom Altdeutschen und Lateinischen übersetzt und wissenschaftlich fundiert ausgewertet. Oft dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis verblichene Texte und fast unleserliche Handschriften entschlüsselt waren.

„Man muss schon für die Sache brennen“, erklärt Tobias Weigl. Nur so sei es möglich, monate- und jahrelang den Großteil der Freizeit in den Dienst der Sache zu stellen. Weigl betont, dass der Verein vor allem von der Mitarbeit aller Bürger lebt. „Wir freuen uns über jegliche Unterstützung in Form von Fotos, Bildern, Dokumenten oder einfach ‚nur‘ aufgeschriebenen alten Geschichten.“ Nur so könne das Ortsfamilienbuch immer wieder auf den neuesten Stand gebracht werden.

„Wer zu Hause beim Stöbern auf ein altes, vergilbtes Foto oder Dokument stößt, der kann sich damit gerne an den Historiographischen Verein wenden, vielleicht handelt es sich ja um ein interessantes Puzzlestück aus unserer Geschichte oder enthält einfach nur eine Alltagsepisode aus vergangenen Tagen. So etwas für die Nachwelt zu erhalten ist die Aufgabe des Vereins, der damit auch eine Anlaufstelle für die Bürger zu allen Themen rund um die Heimatgeschichte darstellt“, so Weigl.

Mehr zum Historiographischen Verein gibt es im Internet zu erfahren unter www.hgv.burgmannshofen.de. Das Buch kann dort bestellt werden und ist im Buchhandel (ISBN 978-3-74488-954-4) erhältlich.

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