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Donauwörth

19.05.2020

Corona: Die Volkshochschule ruft um Hilfe

Die Volkshochschule in Donauwörth hat durch die Corona-Krise massive finanzielle Einbußen.
Bild: Thomas Hilgendorf

Plus Die Einrichtung in Donauwörth hatte wegen der Krise allein im April Einbußen von 100000 Euro. Was Geschäftsführerin und Vorsitzender der Vhs von der Politik nun fordern.

Eine Shoppingtour, ein Besuch in der Gastronomie, beim Friseur oder in der Bibliothek, sogar eine Demonstration mit Tausenden anderen Menschen sind schon jetzt möglich. Das Lernen Erwachsener hingegen hat weiterhin keine Perspektive. Nicht in kleinen Gruppen, unter Einhaltung geregelter Infektionsschutzmaßnahmen, nicht in Integrationskursen, im Sprachenbereich, in der präventiven Gesundheitsbildung, nicht in der politischen, kulturellen und künstlerischen Bildung. Für die Volkshochschule eine Katastrophe.

Donauwörth: Die Vhs braucht Perspektiven

„Für uns als Volkshochschulen ist diese Situation untragbar“, betonen Vorsitzender Paul Soldner und Geschäftsführerin Gudrun Reißer in einer Pressemitteilung. „Obwohl Erwachsenenbildung in Bayern Verfassungsrang hat und in Artikel 1 des Bayerischen Gesetzes zur Förderung der Erwachsenenbildung als gleichberechtigter und eigenständiger Hauptbereich des Bildungswesens definiert ist, erfährt sie in der Öffnungsdebatte und in einer der größten gesellschaftlichen Krisen seit dem Zweiten Weltkrieg keine angemessene Berücksichtigung.“

Auch und gerade für Volkshochschulen müssen sich Perspektiven eröffnen, fordern Reißer und Soldner. Seitdem am 16. März die Schließung der Volkshochschulen angeordnet wurde, habe man keine offizielle Anordnung mehr erhalten, wie es mit unserer Erwachsenenbildung weitergeht. Soldner und Reißer unisono: „Aber wir benötigen dringend eine zeitliche Perspektive zur Wiederaufnahme des Kursbetriebs.“ Hygiene-und Raumkonzepte seien bereits erarbeitet. „Wir hier in Donauwörth haben zudem sogar ein Hygienekonzept bei der zertifizierten Firma Michael Öhlhorn (Vabeg) erstellen lassen.“

"Bildung ist kein Luxus, sondern ein öffentliches Gut"

Es gehe dabei nicht um (vor-)schnelle Öffnungen. „Maßgabe für diese Perspektive muss immer ein sinnvoller Infektionsschutz sein. Uns stört aber insbesondere, dass die Erwachsenenbildung im Vergleich zu anderen gesellschaftlichen Bereichen nicht berücksichtigt wird. Bildung ist kein Luxus, sondern ein öffentliches Gut und bitter notwendig – auch als beste Prävention vor dem wachsenden Einfluss von Verschwörungstheorien und Fake News.“

Sie fordern daher auch einen Rettungsschirm für die Erwachsenenbildung. Denn Hauptfinanzquelle der Volkshochschulen sind in Bayern die Teilnehmer-Gebühren. „In Donauwörth machen sie 55 Prozent des Etats aus.“ Hinzu kämen 21 Prozent kommunale Zuschüsse, knapp neun Prozent Landeszuschüsse sowie 14 Prozent sonstige Einnahmen. Reißer: „Allein im April hatten wir Einbußen von 100000 Euro.“ Außerdem müssten demnächst anteilig Kursgebühren zurückgezahlt werden, weil die Kurse nicht fortgesetzt werden können. „Stark davon betroffen sind hier auch unsere Außenstellen.“

Volkshochschulen rechnen bayernweit mit riesigem Finanzloch

Bis Ende Juli rechnen die Volkshochschulen bayernweit mit einem Finanzloch von 23,5 Millionen Euro. Aufgrund erwartbarer Einschränkungen bei einem wieder aufgenommenen Kursbetrieb ab Herbst (kleinere Gruppen, Hygienemaßnahmen, Rückgang von Buchungen, Weiterentwicklung des digitalen Kursangebots) ist bis Ende 2021 mit einer Finanzierungslücke von über 74 Millionen Euro zu rechnen. Die Folgen: Entlassungen und Insolvenzen insbesondere bei den privatrechtlich organisierten Volkshochschulen. Eine über 100-jährige flächendeckende Struktur der Erwachsenenbildung droht zu verschwinden.

Soldner: „Wir stecken aber nicht die Hände in die Taschen und warten ab. Gudrun Reißer und ihr Team in der Geschäftsstelle erarbeiten gerade für die Zeit von Juli bis Mitte August ein kleines Sommerprogramm.“ Aufgrund der allgemeinen schwierigen Lage für die Arbeitnehmerschaft „machen wir uns außerdem Gedanken darüber, wie und ob wir im Herbst-/Wintersemester ein Sozialpaket für Arbeitnehmer in prekärer wirtschaftlicher Situation schnüren können – das heißt, welcher Preisnachlass bei den Kursgebühren für sie möglich wäre.“ Voraussetzung dafür allerdings sei, dass Kommunen und der Freistaat „uns weiterhin finanziell unter die Arme greifen“.

Online-Angebote der Vhs Donauwörth

Die Investition in Volkshochschulen ist eine Investition in die Zukunft – darüber besteht allgemeiner Konsens. Und dieses gut funktionierende System der Vhs in Bayern zu retten, sollte den Verantwortlichen in der Großen Kreisstadt zufolge ein Anliegen der Politik sein. Denn durch leistungsfähige Struktur zeigen Volkshochschulen einmal mehr, was in ihnen steckt. Gudrun Reißer, die auch stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende im Landesverband ist: „Unser bayernweites Online-Programm ‚vhs.daheim‘ ist für alle kostenfrei, jederzeit abrufbar, aber auch live und interaktiv mittels Chats zu nutzen.“ Und Paul Soldner ergänzend: „Wir vor Ort haben durch Professor Joachim Grzega und Doris Marchadier zudem eigene ‚Corona-Überbrückungsangebote‘ online entwickelt.“ (pm)

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