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Donau-Ries

03.12.2020

Corona-Krisenmanagement: Gesundheitsamt Donau-Ries weist Kritik zurück

Bilder von den Hinweisschildern des Gesundheitsamt im Landratsamt Donau-Ries, Pfeil
Bild: Fabian Kapfer

Plus Immer wieder gibt es Kritik an der Arbeit des Gesundheitsamtes in Sachen Corona. Amtsärztin Dr. Raffaelle Hesse nimmt Stellung.

Die Gesundheitsämter kommen den Corona-Fallzahlen kaum hinterher. Die Behörde im Landkreis Donau-Ries bildet da keine Ausnahme, sondern fügt sich in einen bayern- und deutschlandweiten Trend ein. Zuletzt hatte das Amt einiges an Kritik schlucken müssen – die Berichte begannen bei späten Kontaktaufnahmen über Nichterreichbarkeit bis hin zu rückwirkenden Quarantäneanordnungen, die Tage und Wochen nach der absolvierten Isolation eintrudelten. Gesundheitsamtsleiterin Dr. Raffaella Hesse erklärt nun, weshalb es jene Schwierigkeiten in der Kommunikation rund um Covid-19 gibt – und weshalb das Amt in Donauwörth daran keine Schuld trage.

35 Ermittler, die teils von Behörden andernorts ihren Marschbefehl gen Donauwörth und Nördlingen bekommen hatten, sind für das hiesige Gesundheitsamt tätig. Landrat Stefan Rößle beschreibt ihren Job als eine Aufgabe unter harten Bedingungen: acht Stunden telefonieren am Stück um Kontaktpersonen von positiv auf das Coronavirus Getesteten zu informieren und zu begleiten – so gut das eben geht bei gut 400 aktiven Fällen.

Donau-Rieser Landrat: "Die Ermittler sind abends platt"

„Die Ermittler sind abends platt“, sagt Rößle. Ein Grund für den immensen Druck auf die Ermittler sowie das Gesundheitsamt an sich sei die derzeitige Strategie in Deutschland der individuellen Kontaktnachverfolgung. Bei einer Inzidenz von 200 sei die nicht mehr möglich, bei dem aktuellen Wert von zuletzt 124,1 (Stand Mittwochabend) ein Knochenjob.

Worin liegen nun die Hauptschwierigkeiten bei der Kontaktnachverfolgung? Hierzu nennt Dr. Hesse zwei anonymisierte Beispiele. Im ersten Fall hat ein Familienvater coronatypische Symptome. Er lässt sich von seinem Hausarzt testen. „Der Hausarzt hat dabei die Befugnis, den Patienten bis zum vorliegenden Testergebnis vorläufig eigenverantwortlich in Quarantäne zu schicken“, erklärt Hesse. Dabei sollte sich der Betroffene, so gut es geht, auch in der Familie so gut wie möglich isolieren. Der Abstrich des Hausarztes werde unterdessen an ein Prüflabor gesendet, wo die Probe innerhalb von 48 Stunden analysiert werde.

Auch die Wochenenden und Praxisöffnungszeiten spielen eine Rolle

Über das Ergebnis kann auf elektronischem Weg auch der Patient direkt informiert werden (per SMS, Corona-App oder eine Online-Abfrage). Allerdings: Für das Gesundheitsamt braucht das Labor eigens ein Dokument, aus dem „weitere medizinische Informationen“ und Daten zur Person (Name und Geburtsdatum) hervorgehen. Deshalb könne es sein, dass der Hausarzt und im Weiteren dann die Behörde erst Tage nach dem Patienten informiert werden. Weitere Verzögerungen lägen, so die Amtsärztin, mitunter in dazwischenliegenden Wochenenden sowie den Öffnungszeiten der Praxen begründet. Erst nach jener formellen Meldung könne das Gesundheitsamt überhaupt tätig werden.

Hesse: „Aufgrund der deutschlandweit vorliegenden Überlastung der Gesundheitsämter kann es auch in diesen passieren, dass mehr zu bearbeitende Fälle beim Gesundheitsamt ankommen als bewältigt werden können.“ Deswegen sei es wichtig, wie Hesse weiter erklärt, dass sich die engsten, im selben Hausstand lebenden Angehörigen zunächst eigenverantwortlich in Quarantäne begeben.

Im zweiten Fall geht die Medizinerin dezidiert auf Fragen ein, die sich aus Arbeitnehmersicht ergeben. Hier sei ebenfalls ein Verfahren wie im zuvor beschriebenen Beispiel erforderlich. Der Arbeitgeber muss einen infizierten Mitarbeiter sofort nach Hause schicken. Die Quarantäne dort dauere je nach Schwere der Erkrankung mindestens zehn Tage. Mitarbeiter, die engen Kontakt hatten, müssen sich ebenfalls nach Hause begeben und isolieren.

Enger Kontakt bedeutet: mindestens 15 Minuten Kontakt ohne Mundschutz und mit geringerem Abstand als 1,5 Meter – oder Aufenthalt in einem Gemeinschaftsbüro ohne Mundschutz am Platz. Ein dringender Hinweis der Amtsärztin: Meldungen an das Gesundheitsamt sollen per E-Mail erfolgen. An die Arbeitgeber appelliert Hesse indessen, Hygieneschutzkonzepte für die Mitarbeiter in deren Interesse sehr ernst zu nehmen.

Ist ein Schulkind positiv, geht die ganze Klasse in Quarantäne

Bei einem Schulkind, das positiv getestet wurde, wird nun die ganze Klasse in Quarantäne geschickt. Die Eltern jener Kinder, die zunächst als bloße Kontaktpersonen gelten, dürften weiterhin zur Arbeit gehen – es sei denn, die Kinder entwickelten als Kontaktpersonen des infizierten Mitschülers selbst Symptome einer Covid-19-Erkrankung.

Auf der Internetseite des Landratsamtes (www.donau-ries.de) werde in den kommenden Tagen, wie Pressesprecher Simon Kapfer mitteilt, ein Online-Formular zur Covid-Meldung eingestellt, um Datenlücken zu vermeiden, die bei bloßen E-Mail-Meldungen entstehen können. Landrat Rößle appelliert derweil an die Bevölkerung, Kontakte unbedingt einzuschränken.

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