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Landkreis Donau-Ries

28.03.2020

Corona: Wenn die Schnäppchenjäger los sind

Die Menschen hamstern und sind auf Schnäppchenjagd - offenbar ohne Angst vor Ansteckung durch das Coronavirus.
Bild: Frank Rumpenhorst/dpa

Plus Sie will in einem großen Verbrauchermarkt in Donauwörth nur kurz einkaufen. Doch was eine Hausärztin dort sieht, schockiert sie. Die Medizinerin appelliert an die Bürger.

Sie wollte am Donnerstag nur schnell zwei Artikel in einem großen Verbrauchermarkt in Donauwörth einkaufen. Doch was Dr. Stefanie Musaeus dort sah, schockierte sie: Massen von Kunden, dazwischen Personal und offensichtlich keine Spur von Vorsicht angesichts der Gefahr, sich mit dem Coronavirus anzustecken. „Ich war entsetzt“, fasst Musaeus ihre Eindrücke zusammen. Die Donauwörtherin hat aufgrund ihres Berufs einen besonderen Blick auf die Situation: Sie ist Hausärztin.

Die Menschen tummeln sich im Laden

Sie erlebt am Donnerstag Folgendes: „Ich staune schon auf dem Parkplatz: Alles voll, es ist kaum ein freier Platz zu bekommen. Am Eingang: Das Desinfektionsmittel ist aus. Und im Geschäft ist alles so, als wäre nichts geschehen und es gäbe keine Ausgangsbeschränkungen. Menschen tummeln sich im Laden. Scheinbar gibt es heute Schnäppchen. Keine Spur von Abstand, die Beschäftigten sortieren die Waren ins Regal und Hunderte von Einkaufenden gehen an ihnen vorbei, ohne Abstand zu halten. Die Beschäftigten haben keine Schutzmaßnahmen, eventuell hat mal eine Mitarbeiterin Handschuhe an, sonst nichts.“

Und weiter: „Die Kunden kaufen munter ein wie immer und laufen dicht an dicht aneinander vorbei. An der Kasse stehen sie von einer Seite bis auf die andere an, als ob es morgen nichts mehr gäbe. Darunter viele ältere Kunden, die eigentlich besondere Schutzmaßnahmen beachten sollten.“

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Verhalten der Menschen lässt der Ärztin keine Ruhe

Die Ärztin hat genug. Sie legt ihre beiden Artikel zurück und geht durch den Eingang auf schnellstem Wege raus aus dem Gedränge. Am Eingang kommt ihr ein älterer Patient entgegen, der durch Vorerkrankungen gesundheitlich belastet ist. Musaeus bittet ihn, wieder nach Hause zu gehen, „zu seinem Schutz“. Der Senior bedankt sich für den Hinweis und dreht um.

Die Medizinerin ist aufgewühlt: „Auf schnellstem Wege fahre ich heim und beruhige mich.“ Das Verhalten der vielen Menschen lässt ihr aber keine Ruhe: „Wir versuchen, mit allen Maßnahmen im medizinischen Bereich die Infektion einzudämmen. Meine Kollegen im Gesundheitsamt, in den Kliniken und im Besuchsdienst sind am Anschlag. Und im Verbrauchermarkt wird keinerlei Rücksicht genommen und es wird so getan, als wenn nichts wäre.

Musaeus: "Bleiben sie zu Hause"

Die Ärztin kommt ins Grübeln: „Ich verliere langsam den Glauben an die Solidarität der Menschheit. Geht es wirklich nur darum, dass ich meinen Spaß habe? Und irgendwo billig was kaufen kann? Und wo bleiben die Maßnahmen für die Beschäftigten?“ In anderen Bundesländern – zum Beispiel Hessen – dürfe nur eine bestimmte Anzahl von Käufern gleichzeitig ins Geschäft eintreten und zum Teil nur einzeln. Musaeus fragt: „Wie kann es sein, dass bei uns beim Einkaufen alles wie immer ist?“ Auf dem Heimweg sieht sie auf einem abgelegenen Spielplatz eine Familie einzeln dort spielen: „Was ist nun gefährlicher: auf dem Spielplatz einzeln oder im dichten Gedränge im Discounter?“

Stefanie Musaeus appelliert an die Bürger in der Region, ihr Kaufverhalten zu ändern: „Kaufen Sie in ruhigen Zeiten. Meiden Sie Gedränge. Bleiben Sie zu Hause.“

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