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Münster

15.05.2020

Corona lässt die Hochzeit platzen

Nicole und Reinhold Heider haben alles für ihre Hochzeit vorbereitet. Sie hätte am heutigen Samstag stattfinden sollen. Doch der Traum ist geplatzt. Wie so viele andere Brautpaare müssen sie ihre Trauung in Corona-Zeiten verschieben.
Bild: Barbara Würmseher

Plus Viele Brautpaare haben derzeit gar keine Wahl: Sie müssen ihre lange geplanten Feiern absagen. Nicole und Reinhold Heider erzählen, wie es ihnen ergangen ist. Für sie hätte der 16. Mai eigentlich ganz anders verlaufen sollen.

In einem Abstellraum der Familienwohnung stapeln sich Kisten und Kartons voller liebevoll ausgedachter Accessoires, die geeignet sind, eine Hochzeitsfeier perfekt abzurunden. Nicole Heider zieht sie heraus, öffnet Deckel und zeigt die Inhalte: Gastgeschenktüten und Malbücher für die Kinder der Hochzeitsgesellschaft, Programme für den Traugottesdienst, „Hang-over Kits“ als Vorsorge für den Kater am Tag danach und, und, und. Dazu – fein säuberlich verpackt – die Hochzeitskerze mit der Datumsgravur: 16. Mai 2020. Es ist der heutige Samstag, an dem Nicole und Reinhold Heider vor den Traualtar hätten treten wollten. Doch dann kam Corona.

Eineinhalb Jahre intensive Vorbereitung

Alles zur Hochzeit ist natürlich längst vorbereitet. Von der Kirche über Lokal, Band, Menü bis hin zum Notfallkörbchen auf der Toilette. Nichts haben die beiden dem Zufall überlassen. In eineinhalb Jahren intensiver Vorbereitung auf diesen einen Tag hin, haben sie nicht die kleinste Kleinigkeit außer Acht gelassen, um ihn so schön wie möglich zu machen. „Ich bin eine leidenschaftliche Planerin“, sagt Nicole Heider augenzwinkernd. Der 36-jährigen Grundschullehrerin hat es Spaß gemacht, sich die vielen kleinen und großen Details auszudenken und sie umzusetzen.

Doch auf der letzten Etappe hin zum Hochzeitstag hat Corona immer mehr von dieser akribischen Planung zunichtegemacht. Am Ende mussten die Heiders – wie so viele andere Brautpaare in diesen Tagen – einsehen: „Was jetzt noch übrig bleibt, ist nicht mehr die Feier, die wir eigentlich gewollt haben.“ Eine Hochzeit mit 140 Gästen auf Abstand? Undenkbar! Und wo denn auch feiern, da doch die Lokale geschlossen haben? Ihr Wirt musste ihnen aus seiner Warte ja ebenfalls eine Absage erteilen. Und wie viele Gäste können eigentlich noch kommen oder werden von Staatsgrenzen und Vorsichtsmaßnahmen abgehalten? Die Trauzeugin lebt in Frankreich, der Bruder in den USA, andere Gäste kommen aus Italien, Österreich und Kanada. Auf sie alle, die ihnen wichtig sind, hätten die Heiders verzichten müssen.

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Paar aus Münster entschließt sich die Hochzeit zu verschieben

Nach einigem Hin und Her, nach reiflichem Abwägen, nach der vergeblichen Suche nach akzeptablen Alternativen hat sich das Brautpaar deshalb entschlossen, den Termin abzusagen und zu verschieben. „Jeder hätte Angst gehabt, auf unsere Feier zu gehen“, ist Nicole Heider überzeugt.

Seit sie und ihr Mann die Entscheidung getroffen haben, geht es ihnen besser. Jetzt können sie erneut optimistisch in die Planung einsteigen. Und sie wissen zudem, dass sie mit ihrem Problem nicht alleine dastehen: „So bitter es auch ist – wir sind nicht die Einzigen. Vielen Brautpaaren geht es gerade so wie uns.“ Ein schwacher Trost, aber immerhin.

Standesamtliche Eheschließungen können im kleinen Kreis stattfinden

Heiraten in Zeiten von Corona – da bleibt nicht viel Spielraum. Da sind so gut wie keine Alternativen möglich, außer das Brautpaar entschließt sich, nahezu alleine zu heiraten mit höchstens einer Handvoll Angehörigen.

Während kirchliche Trauungen mit allem Drumherum, wie sie in unserem Kulturkreis oft üblich sind, für viele Heiratswillige meist zum Scheitern verurteilt sind, können standesamtliche Eheschließungen unter bestimmten Voraussetzungen stattfinden. Carmen Pelzl, Standesbeamtin der Stadt Rain, schildert: „Nach einer ganz aktuellen Mitteilung des Landratsamts sind wir gehalten, die Anzahl der Teilnehmer der Größe des Raums anzupassen.“ Sie legt derzeit alle Hochzeiten in den Schlosssaal, wo maximal 20 Gäste dabei sein dürfen. „Es darf nur der engste Familienkreis kommen“, sagt Carmen Pelzl, „bevorzugt aus dem direkten Haushalt des Brautpaars.“ Standesamtliche Trauungen fallen nicht unter das aktuelle Versammlungsverbot, sondern sind ihrem rechtlichen Status nach „Amtshandlungen im staatlichen Aufgabenbereich“.

Emotionale Tage für die Familie Heider

Für die Heiders aus Münster wäre eine kleine Feier diesmal keine Option gewesen. Schon am 1. August 2018, als sie sich vor dem Gesetz das Jawort gegeben haben, waren ausschließlich Trauzeugen, Eltern und Schwiegereltern dabei. Damals war Nicole Heider hochschwanger mit dem kleinen Josef, und es stand für sie und ihren Mann fest, dass kirchliche Trauung und das große „Remmidemmi“ zu einem späteren Zeitpunkt folgen werden.

Nun also erst einmal die Terminverschiebung. Die vergangenen Tage waren trotz aller Vernunftsgründe ein wenig emotional. Denn schließlich erinnerten zahlreiche Einträge im Kalender daran, was hätte sein sollen: Kosmetik- und Friseurtermin, Probe-Make-up und neue blonde Strähnen, das Brautkleid abholen. „Das nagt schon ein bisschen“, verrät Nicole Heider. Erst recht ist der heutige Samstag anders als andere Samstage. Bei vielen Dingen gelingt es dem Brautpaar, pragmatisch zu bleiben. Hie und da allerdings versetzt es doch kleine Stiche. „Als ich meiner Floristin abgesagt habe und sie zurückgeschrieben hat: Mach dir keine Sorgen, da war ich doch ein bisschen den Tränen nahe“, sagt die Braut.

Vorfreude auf den neuen Hochzeitstermin

Lichtblick ist in solchen Momenten der neue Termin: Am 13. März 2021 soll die Hochzeit nachgeholt werden. „Und alle haben uns zugesagt“, freuen sich die Heiders. „Das macht uns deutlich, worauf es bei einer Hochzeit ankommt: Dass die uns wichtigen Menschen dabei sind.“ Die Blumendeko wird dann eine andere sein, die Kerze muss geändert werden, und bei den bereits gedruckten Programmen für die Kirche setzt die Braut den Rotstift an. Ganz Lehrerin wird Nicole Heider das Datum einfach durchstreichen und korrigieren. Bei dieser Vorstellung – der Tipp kam von einer Freundin – muss sie lachen.

Die Heiders drängen einen letzten kleinen Rest an Wehmut zurück und schauen nach vorne. Der kleine Josef hilft ihnen dabei, denn der muntere „Bazi“, wie er sich selber auch nennt, lenkt viel Aufmerksamkeit auf sich. Jetzt hat das Paar allen Grund, sich auf den 13. März 2021 zu freuen.

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