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Harburg-Heroldingen

25.03.2020

Coronavirus: Heroldingen wird zum Krisenherd im Landkreis

In Heroldingen stehen derzeit die Familien und deren Kontaktpersonen unter Quarantäne, deren Kinder den Kindergarten besuchen. 
Bild: Widemann

Über die Kindertagesstätte hat sich das Virus dort weit verbreitet. Wie die Lage vor Ort ist und wie es jetzt weitergeht: Eine Familie in Quarantäne berichtet.

Wer im Kalten Krieg groß geworden ist, der kennt dieses Szenario aus Katastrophenschutzübungen: Lautsprecherwagen fahren durch die Straßen und geben Anweisungen an die Bewohner, wie das Leben in der Krise weiter gelingen soll. So war es am Dienstag auch in Heroldingen. Hier hatte bereits im Vorfeld eine behördliche Nachricht zahlreiche Familien verunsichert: In der Kindertagesstätte wurde ein positiver Corona-Fall festgestellt. Die Folge: Die Familien der Kinder mussten allesamt in Quarantäne.

Sophia M. (Name geändert) muss noch bis einschließlich Sonntag mit ihrem Kind und dem Ehemann in ihrer Wohnung ausharren. Am Telefon berichtet sie unserer Zeitung, dass die Situation beileibe keine einfache sei: Mit im Haus lebten die Großeltern – und denen dürften sie derzeit nicht begegnen. Auch in den Garten dürfte die Familie auf Weisung der Behörden nicht. „Es ist nicht leicht, wir sind eben eingesperrt“, sagt die Mutter.

Bisher zeigt niemand aus der Familie Symptome

Sie sei jedoch momentan optimistisch, dass ihre Familie nicht mit dem neuartigen Coronavirus infiziert wurde, denn bisher zeigte niemand im Haushalt irgendwelche Symptome. Anderen Familien im Dorf – das wisse sie aus der entsprechenden Whatsapp-Gruppe der Kita – gehe es da mitunter anders: Ein Teil der unter Quarantäne Stehenden zeige Symptome wie Husten, Schnupfen, Gliederschmerzen, „eben typische Grippesymptome“, berichtet M. Das Landratsamt teilt zu den gesundheitlichen Auswirkungen der infizierten Heroldinger mit: „Über die Symptomatik bei den Erkrankten wird uns keine Meldung erstattet. Die meisten Fälle können ambulant im Rahmen der häuslichen Quarantäne beherrscht werden.“

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Der kleine Ort Heroldingen sei derzeit „ein einmaliger Krisenherd“ im Landkreis Donau-Ries, berichtet Landrat Stefan Rößle. Bisher gebe es alleine dort 19 positiv auf Covid-19 Getestete (Stand: Mittwochnachmittag). Von daher habe man den Namen des Ortes jetzt auch dezidiert öffentlich nennen müssen, erklärt Rößle weiter: „Bei Einzelfällen bringt das nicht viel, aber bei einer solchen Häufung ist es notwendig.“ Unter den Betroffenen seien auch Kinder, die aber bisher seines Wissens nach kaum oder gar keine Symptome zeigten, sagt Rößle.

„Hier herrscht Chaos“, sagt ein Einwohner am Dienstag

Zuletzt fühlten sich zahlreiche Eltern in dem Harburger Ortsteil recht unterschiedlich durch die Behörden informiert. Nicht alle hätten im gleichen Umfang Informationen bekommen. Ein Bewohner berichtete am Dienstagabend: „Hier herrscht ein Chaos – einfach aus der Unsicherheit heraus.“ Von einem Mitarbeiter des Landratsamtes sei er selbst dann am Telefon auch noch recht rüde zurechtgewiesen worden.

Rößle erklärt, dass die Behörde derzeit unter Hochdruck und teils auch am Anschlag arbeite. Ferner informiert Rößle, dass es eben nach der Erstabfrage an die Eltern durch das Gesundheitsamt unterschiedliche Fallkonstellationen gab: Jene, die einen engeren Kontakt zu Dritten hatten und jene, die einen eher distanzierten Kontakt zu anderen gehabt hätten. Die Zahl der von Quarantänemaßnahme Betroffenen (nicht die der Infizierten) beziffert das Landratsamt auf 120 Personen.

Die Amtsärztin hat mit allen persönlich gesprochen

Demnach werde unterschieden, wie genau die Quarantäne ausgestaltet werden sollte. Die Amtsärztin habe allerdings „mit allen persönlich gesprochen“. Der Einsatz des Lautsprecherwagens mit dem dringenden Appell an die Heroldinger, in den Häusern zu bleiben, sei am Dienstag vonnöten gewesen, weil sich einige der Bewohner der Ernsthaftigkeit der Lage augenscheinlich nicht bewusst gewesen waren, erläutert der Landkreischef hierzu.

Die Lage in Heroldingen sei für die Behörde inzwischen zu einer „besonderen Herausforderung“ geworden. Die Situation an sich rund um die Corona-Pandemie sei eine bis dato hierzulande weithin unbekannte – derzeit lerne auch die Kreisbehörde mit jedem Tag „aus all unseren Schritten dazu“. Sophia M. muss derweil weiter ausharren, beten und hoffen. Sie habe zunächst genügend Vorräte, falls diese zur Neige gehen sollten, werde das Umfeld einspringen: „Wir haben eine gute Nachbarschaft.“ Die müsste dann Lebensmittel vor der Türe platzieren – doch das alles würde klappen, ist sich M. sicher.

Amtshilfe durch die Bundeswehr ist aktuell kein Thema

Aus ihrer Familie sei bisher niemand getestet worden, ihr sei auch nicht angekündigt worden, ob noch ein Corona-Test durchgeführt werde. Jedoch sei ihr mitgeteilt worden, dass ihre Familie ab Montag wieder hinausgehen dürfe, sofern sie denn symptomfrei bliebe. Andernfalls müsse sie mit dem Gesundheitsamt Kontakt aufnehmen und die Quarantäne verlängerte sich.

Indes sind die Hilfsorganisationen des Katastrophenschutzes wie THW, BRK und Johanniter zwar in die generellen Lagebesprechungen involviert, aber bislang noch nicht alarmiert worden, so Rößle. Auch eine Amtshilfe durch die Bundeswehr im Kreis sei aktuell noch nicht im Gespräch, sagt der Landrat. Amtshilfeersuchen kämen im gegebenen Fall vom Bayerischen Innenministerium. Freilich könnte sich die Lage tagtäglich ändern. Ausschließen möchte derzeit wohl niemand etwas.

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