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Buchdorf

28.07.2019

Daran starb Barbara Linzi aus Buchdorf

Barbara Linzi aus Buchdorf starb im Dezember an einer zunächst rätselhaften Erkrankung. Jetzt ist nachgewiesen, dass sie sich mit dem sogenannten Bornavirus infiziert hatte. Feldspitzmäuse gelten als Überträger.
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Barbara Linzi aus Buchdorf starb im Dezember an einer zunächst rätselhaften Erkrankung. Jetzt ist nachgewiesen, dass sie sich mit dem sogenannten Bornavirus infiziert hatte. Feldspitzmäuse gelten als Überträger.
Bild: Linzi

Plus Die 13-Jährige hatte sich mit dem Bornavirus infiziert. Ihr Tod hilft der Wissenschaft, der noch relativ unerforschten Krankheit weiter auf die Spur zu kommen.

Die Trauer ist noch lange nicht bewältigt. In der Buchdorfer Familie Linzi klafft eine schmerzliche Lücke. Es fehlt die 13-jährige Barbara, die am 8. Dezember nach aggressiv fortschreitender Gehirnentzündung gestorben ist. Damals nahmen viele Menschen Anteil und stifteten in einer Gemeinschaftsaktion den Engel, den sich Barbara für ihr Grab gewünscht hatte.

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Spuren sind da. Erinnerungen an Barbara. Auch viele schöne gemeinsame Erlebnisse, die Eltern und Geschwister in ihrer Trauer zum Lachen bringen. „Im vergangenen Sommer sind wir beim Paddeln auf der Altmühl gekentert“, erzählt Barbaras Mama Ilona Linzi. „Als wir alle längst wieder im Boot gesessen sind, hat Barbara noch immer nach dem Limokasten gesucht. Wir haben ihn nie wieder gefunden. Wahrscheinlich entstauben ihn in tausend Jahren irgendwelche Forscher mit ihren Pinseln und wundern sich.“

Die quälende Ungewissheit ist vorbei

Solche liebevollen Gedanken sind es, die kleine Lichtblicke in den Alltag der Linzis zaubern. Und dann gibt es da nun auch noch ganz aktuell eine große Neuigkeit, die den Schmerz ein wenig leichter macht: Die quälende Ungewissheit, was zu Barbaras Tod geführt hat, ist vorbei. Wie Dr. Rainer Mainka, der Leiter des Gesundheitsamtes Donau-Ries mitteilt, hatte sich die 13-Jährige mit dem sogenannten Bornavirus infiziert. Diese ansteckende Gehirn- und Rückenmarksentzündung gilt eigentlich als meldepflichtige Tierseuche. Sie trifft vor allem Huftiere wie Pferde und Schafe. Das Virus ist verwandt mit den Erregern von Staupe, Tollwut und Masern. „Seit wenigen Jahren erst ist bekannt, dass sich auch Menschen mit dieser Krankheit anstecken können“, so Mainka.

Daran starb Barbara Linzi aus Buchdorf

Der Erreger wird vor allem über die Feldspitzmaus an Pferde oder Schafe übertragen. Untereinander – von Pferd zu Pferd, oder von Schaf zu Schaf – besteht wohl keine Gefahr. Ebenso wenig von Mensch zu Mensch. Mit einer Ausnahme: Es hat Fälle von Organspenden gegeben, bei denen die Krankheit vom infizierten Spender an Empfänger weitergegeben wurde.

Nur selten sind bisher Menschen betroffen – auch sie müssen von Feldspitzmäusen infiziert worden sein –, doch Rainer Mainka geht davon aus, dass es eine hohe Dunkelziffer an Todes- und Krankheitsfällen gibt, die bisher lediglich nicht diesem Erreger zugeordnet werden konnten. Noch ist es laut Gesundheitsamtsleiter schwer, verlässliche Zahlen zu nennen. Im Frühjahr 2018 waren in Deutschland erstmals Todesfälle bekannt geworden, bei denen das Bornavirus als Auslöser gilt.

Suche nach Antworten auf viele Fragen

Jetzt sind die Forschungen in vollem Gange. Das Schicksal Barbara Linzis hilft mit, den Medizinern neue Impulse zu geben bei der Suche nach Antworten auf viele Fragen. Wie ist der Übertragungsweg? Wie der Krankheitsverlauf? Und vor allem: Was kann man dagegen tun? Das Landesuntersuchungsamt für das Gesundheitswesen, die oberste bayerische Gesundheitsbehörde, hat sich eingeschaltet.

Die Familie Linzi hat sämtliche Krankenunterlagen ihrer Tochter zur Verfügung gestellt. Wissenschaftler waren in Buchdorf, um sich die Gegebenheiten vor Ort anzusehen. Und die Linzis sind mit den Gesundheitsbehörden in Kontakt. Außerdem hat es sich ergeben, dass Ilona Linzi am vergangenen Donnerstag zwei verendete Feldspitzmäuse auf ihrer Terrasse gefunden hat. Die Tiere wurden abgeholt und werden in einem Speziallabor auf das Bornavirus hin untersucht.

„Wir unterstützen die Mediziner, wo es uns möglich ist“, sagt Barbaras Mutter. „Es ist das Einzige, was wir in Barbaras Sinn noch tun können. Unsere Tochter war immer so hilfsbereit. Vielleicht kann ihr Schicksal dazu beitragen, dass einmal anderen Menschen das Leben gerettet werden kann.“

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