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Landkreis Donau-Ries

10.10.2019

Das Beispiel Wemding: Wenn nichts mehr funktioniert

Eine gespenstische Atmosphäre herrschte am Abend des 27. März 2019 in Wemding: Für rund sechs Stunden war der Strom in der Stadt weg.
Bild: Birzele

Plus Kreisbrandrat warnt die Bürgermeister vor der Möglichkeit eines größeren Stromausfalls im Donau-Ries-Kreis. Warum die Kommunen darauf vorbereitet sein sollten.

Wemding stand Ende März für sechs Stunden weitgehend still. Durch einen Brand fiel bis in die Nacht hinein in der ganzen Stadt der Strom aus. In den Häusern und auf den Straßen wurde es dunkel, die Heizungen und alle Arten von Telefonen funktionierten nicht mehr, Geschäfte schlossen vorzeitig und die Firma Valeo musste die Produktion einstellen.

Dieses Ereignis, das in den vergangenen Jahrzehnten im Donau-Ries-Kreis einmalig war, beschäftigt noch immer viele Betroffene, Behörden, Institutionen – und Kreisbrandrat Rudolf Mieling. Der rechnet damit, dass es solche Stromausfälle in Zukunft öfters gibt – und nicht nur auf einen Ort beschränkt bleiben. Deshalb hat Mieling bei einer Zusammenkunft im Landratsamt nun an die Bürgermeister aus dem Landkreis appelliert, sich Gedanken über ein solches Szenario zu machen und Vorkehrungen zu treffen.

Man muss vorbereitet sein

Landrat Stefan Rößle räumte ein, auch ihm sei nicht bewusst gewesen, welche Folgen es hat, wenn die Elektrizität weg ist. Handys gingen nicht mehr, es komme kein Wasser mehr aus dem Hahn und junge Mütter könnten nicht mehr die Milch für ihr Baby erwärmen: „Es wird fast schon unheimlich.“ Deshalb stellte Kreisbrandrat Mieling klar: „Die Thematik muss angesprochen werden.“

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Die Bundesrepublik sei bislang ein „stromsicheres Land“, der Ausstieg aus der Atomenergie und der Umstieg auf Elektroautos bergen nach seiner Ansicht das Risiko vermehrter Stromausfälle. Darauf müsse man vorbereitet sein.

In Wemding habe man gesehen: „Da geht gar nichts mehr.“ Die Stadtverwaltung sei „mit einem Knipser aus“ gewesen, verdeutlichte Mieling den versammelten Bürgermeistern. Neben den bereits beschriebenen Folgen funktionierten auch die Ampeln nicht mehr. In anderen Orten wären es auch die Bahnschranken.

Auch kein Trinkwasser mehr

Wäre der Strom länger weg, gäbe es auch kein Trinkwasser mehr, da dieses nicht mehr in die Höchbehälter gepumpt werden könnte. Mieling dazu: „Nichts ist schlechter als wenn das Trinkwasser fehlt.“ Andererseits funktioniere auch die Kläranlage nicht mehr, denn auch dort würden beispielsweise Pumpen und Hebewerke mit Elektrizität betrieben.

Kindergärten und Schulen ließen sich ebenfalls nicht mehr betreiben: „Kinder müssten versorgt werden.“ Alten- und Pflegeheime sowie Kliniken hätten zwar eine Notstromversorgung, irgendwann gehe den Aggregaten aber der Treibstoff aus. Nachschub sei ab einem gewissen Punkt nur schwer zu beschaffen, denn: Auch Tankstellen wären lahmgelegt. Der Kreisbrandrat kennt im Donau-Ries-Kreis nur eine Tankstelle, die im Ernstfall mit Notstrom betrieben werden kann.

Auch Geld ist ein Thema

Der Bevölkerung könnte es rasch auch an Geld fehlen: Weder ein Bankautomat noch eine EC-Karte wären nutzbar. Mieling warb dafür, dass sich die Städte und Gemeinden Gedanken über mögliche Notunterkünfte machen. Stromausfälle kämen vor allem im Winter vor, sodass gerade Familien mit Kleinkindern ein beheiztes Dach über dem Kopf bräuchten.

Daher wäre es sinnvoll, beispielsweise an Mehrzweckhallen die technischen Voraussetzungen für eine Notstromeinspeisung zu schaffen. Dafür müsste dann freilich auch ein entsprechendes Notstromaggregat zur Verfügung stehen.

Die Kapazitäten von Verleihfirmen und von Hilfsorganisationen wären da rasch erschöpft. Die Kommunen sollten daher selbst investieren. Zudem überlege – auch aus der Erfahrung in Wemding – der Freistaat derzeit, mit Notstromaggregaten bestückte Feuerwehrfahrzeuge (Gerätewagen Stromausfall) zu finanzieren. Ein Fahrzeug für jeweils einen oder zwei Landkreise reiche aber bei weitem nicht aus.

Fahrbare Aggregate

Mieling selbst reichte zwischenzeitlich beim Landkreis den Antrag ein, für jeden der drei Inspektionsbereiche im Donau-Ries-Kreis jeweils ein fahrbares Aggregat anzuschaffen. Landrat Rößle zeigte sich optimistisch, dass dies passiert.

Ein weiteres Problem, das in Wemding offensichtlich wurde: Es gibt pflegebedürftige Menschen, die im Heim oder zu Hause auf elektrisch betriebene Geräte (zum Beispiel zur Beatmung) angewiesen sind. Sei kein Strom mehr da, müssten diese Leute in Kliniken verlegt werden. Deshalb: „Man sollte sich einen Überblick verschaffen. wo solche Leute wohnen.“ Empfehlenswert seien bei einem großflächigen Stromausfall auch Informationspunkte in jedem Ortsteil.

Eigenverantwortung der Bürger

Eine Kommune sollte in der Lage sein, „das Nötigste aufrecht zu erhalten“, so das Fazit von Rudolf Mieling. Der Wemdinger Bürgermeister Martin Drexler bestätigte aus eigener Erfahrung: „Es sind extreme Herausforderungen. Das ist wirklich ein wichtiges Thema.“

Wolfgang Kilian (Harburg) appellierte an die Eigenverantwortung der Bürger. Jeder sollte Vorsorge für einen Stromausfall treffen, also zum Beispiel Trinkwasser vorrätig haben. Robert Ruttmann (Holzheim) erinnerte daran, dass seit der Wiedervereinigung Deutschlands viele Zivilschutzmaßnahmen aufgelöst worden seien. Daher sei es die Aufgabe der Kommunen, „wesentlich mehr in diese Richtung nachzudenken“.

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