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09.06.2009

Das Maß an Schlägereien ist heuer schon voll

Nördlingen/Donauwörth (hum/wwi) - "Die Atmosphäre in der Disco ist im Vergleich zu früher deutlich angespannter und aufgeladener", äußert sich ein Prozessbeteiligter gegenüber unserer Zeitung. Die Bilanz des Jugendschöffengerichts Nördlingen, das für den Donau-Ries-Kreis zuständig ist, zeigt die Folgen dieser allgemeinen Anspannung, die offenbar des öfteren in Diskotheken, bei Plattenpartys und auf Volksfesten zwischen jungen Menschen in der Luft liegt: Heuer musste das Gericht unter Vorsitz von Gerhard Schamann schon rund 15 große Schlägereien verhandeln. Es handelte sich um Prozesse, in denen es jeweils mehrere Angeklagte gab und mindestens zehn Zeugen zu hören waren. Damit befasste sich das Gericht 2009 bereits mit so vielen Fällen dieser Art wie im gesamten vorigen Jahr.

Das Opfer zieht sich mehrere Schädelbrüche zu

Ein "ganz normaler" Fall vor dem Jugendschöffengericht zeigt auf, wie die sprunghaft gestiegenen Gewaltausbrüche ablaufen: Es ist Sonntagmorgen im Januar dieses Jahres, 5.30 Uhr, in Nördlingen. Zwei miteinander verwandte Russlanddeutsche stehen vor der Disco und beratschlagen auf Russisch, ob sie sich ein Taxi bestellen sollen; einige Meter weiter sitzt ein Freund (19), mit dem sie feierten, auf einer Mauer. Ein 23-jähriger Mann, den keiner von ihnen kennt, kommt heraus. Eine Minute später liegt er leblos auf dem Asphalt, mit mehreren Schädelbrüchen.

Was war passiert? Sicher ist zunächst, dass sich der junge Mann - er war wie alle anderen Beteiligten mäßig alkoholisiert - provoziert fühlte und die russischen Worte als Lästereien auf sich bezog. Daraus entwickelte sich eine handfeste Auseinandersetzung mit bösen Folgen.

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Für das Schöffengericht stellt sich der Ablauf letztendlich folgendermaßen dar: Der 23-Jährige spricht die Russlanddeutschen an, worauf ihn der Erste von ihnen wegstößt, sich selbst abwendet und geht. Daraufhin führt der 23-Jährige das Streitgespräch mit dem Zweiten fort. Der 19-Jährige steht von der Mauer auf, kommt dazu und schlägt zu, worauf das Opfer in die Knie geht. Es rappelt sich auf und geht nun auf den 17-Jährigen zu. Dieser führt den entscheidenden Schlag, der so schwer ist, dass das Opfer mit dem Kopf auf dem Boden aufschlägt und sich die schweren Verletzungen zuzieht.

Acht Monate auf Bewährung

"Notwehr gegen einen eindeutig Betrunkenen ist nicht in dieser Heftigkeit notwendig", begründet Richter Schamann, warum er und die Schöffen bei den Verurteilungen stark differenzieren und den letzten Schlag hart ahnden: Acht Monate Jugendstrafe auf Bewährung lautet das Urteil, als Auflage muss der 17-Jährige 160 Stunden Hilfsdienste verrichten. Derjenige, der herbeikam und den ersten Schlag führte, wird zu zwei Wochenendarresten und 100 Stunden Hilfsdienste verurteilt. Der Mann, der das Opfer wegstieß, bleibt ohne Strafe, muss aber 500 Euro an die Staatskasse plus die Anwaltskosten des Opfers bezahlen.

Alle Taten nach Mitternacht

Der Häufung derartiger Gewaltdelikte gibt Richter Schamann auf Anfrage unserer Zeitung dem Alkohol die Schuld: "Der war immer im Spiel. Es wird deutlich mehr getrunken als früher. Bei den Verhandlungen fällt auf, dass Alkohol die Hemmschwelle, zuzuschlagen, drastisch heruntersetzt." Was dem Richter noch auffällt: "Alle Taten fanden nach Mitternacht statt."

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