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Donauwörth

21.11.2020

Das Rätsel um den historischen Wasserturm in Donauwörth

Der Donauwörther Kreisheimatpfleger Erich Bäcker
Bild: Helmut Bissinger

Plus Rege Diskussionen darüber, ob es in Donauwörth einst ein Hebewerk gegeben hat. Kreisheimatpfleger Erich Bäcker widerlegt Recherchen des Augsburger Autors Martin Kluger. Wer von beiden liegt falsch?

Die Diskussion um den Wasserturm in Donauwörth kommt in historisch interessierten Kreisen nicht zur Ruhe. Der Augsburger Autor Martin Kluger, ein gebürtiger Donauwörther, war nach Recherchen zu dem Schluss gekommen, dass es in Donauwörth niemals ein Hebewerk gegeben hat. Diese Behauptung hat den Heimatkenner und -forscher Erich Bäcker auf den Plan gerufen. Er ist sicher: „Das Hebewerk hat es gegeben.“

Bäcker ist seit 50 Jahren ehrenamtlicher Mitarbeiter des Landesamts für Denkmalpflege, seit 40 Jahren gehört er dem Vorstand des Historischen Vereins Donauwörth an – war zwischenzeitlich auch dessen Vorsitzender – und ist seit 20 Jahren als Kreisheimatpfleger tätig. Schwerpunkt: Bodendenkmale. Zahlreiche Vorträge und Exkursionen hat der 80-Jährige dazu abgehalten – auch zum Thema Wasserturm, der laut Donauwörther Stadtchronik in der Regierungszeit König Albrechts I., also bereits bis 1308, entstanden sein soll.

Älter als der älteste Wasserturm in Augsburg?

Trinkwasser für die Reichsstadt Donauwörth soll mit einem Hebewerk auf einen ehemaligen Stadtmauerturm geleitet worden sein. Möglicherweise hat Donauwörth damit einen Wasserturm, der älter ist als selbst der älteste in der Bezirkshauptstadt Augsburg. Kluger trieb die Frage um, ob der Donauwörther Turm damit möglicherweise älter ist als die Anlagen in der Welterbe-Stadt. „Das Hebewerk hat es wohl nie gegeben“, sagt Kluger. Angesichts des großen Unterschieds des Geländeniveaus und der Entfernung zwischen der kanalisierten Wörnitz und einem Hochreservoir im Schalenturm an der Hadergasse hätte um 1300 wohl keine der damals probaten Hebetechniken funktioniert, ist sich Kluger sicher. „Übereinander gestellte Becherwerke oder archimedische Schrauben hätten den Höhenunterschied von etwa 30 Metern nicht oder falls doch, nur äußerst aufwendig überwunden“, ist sich Kluger sicher. Wasserradgetriebene Kolbenpumpen mit der an dieser Stelle benötigten Leistungsfähigkeit habe es noch nicht gegeben.

Warum Donauwörth ein Hebewerk benötigt haben soll, erschließt sich ohnehin nicht. Schon wahrscheinlicher ist eine Gefälleleitung. „Das Wasser für den Donauwörther Wasserturm kam mit Sicherheit nicht von unten, sondern vom Schellenberg, wo hoch über der Stadt an einigen Stellen Quellwasser austritt“, schließt Kluger mit einem Blick auf die Topografie der Großen Kreisstadt. In einem offenen Graben und vor allem durch hölzerne Deicheln sei es leicht gewesen, das Wasser in Richtung Stadt zu leiten.

Erich Bäcker sieht dies anders. Er verweist auf die Chronik des Abtes von Heilig Kreuz. Prior Georg Beck hatte in seiner Chronik, die er 1619 vollendete, von einem Hebewerk berichtet. Becks handschriftliche Chronik liegt heute, für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, im Archiv auf Schloss Harburg. Beck berichtete in seiner Chronik vom Wasserturm und seinem Hebewerk.

Seit dem 13. Jahrhundert habe es in Deutschland Wasserwerke gegeben

„Die Wörnitz wurde durch einen Graben bei Tingen (Donauwörther kennen den Straßennamen Tingengarten) in einen neuen, mit einem kunstreichen Hebwerke ausgerüsteten Thurm geleitet, und daraus die Bürgerschaft mit immer fließendem Wasser, diesem so wichtigen Bedürfnis in allseitiger Richtung versehen“, heißt es.

Albrecht I. sei es gewesen, der alles daran gesetzt habe, die Bürgerschaft mit fließendem Wasser zu versorgen. Das Wasser sei mit einem Hebewerk zum Wasserturm geleitet worden. Von dort gab es Abzweigungen zu Anwesen und zu städtischen Brunnen. Betrieben wurden ferner eine Sägemühle, zwei Walk-, eine Schleifmühle sowie eine Getreidemühle.

Seit dem 13. Jahrhundert habe es in Deutschland Wasserwerke gegeben. Mit einer rein mechanischen Hubvorrichtung sei das Wasser auf die Fördermenge gebracht worden, Bäcker: „Hierzu gehörten Trommel- und Schöpfräder und auch sogenannte Kettenpumpen, bei denen an einer über Rollen geführten und losen Kette eine große Anzahl von Schöpfrädern befestigt waren, die das Wasser am aufsteigenden Ast der Kette auf die gewünschte Förderhöhe brachten.“ Bäcker will nicht recht haben, legt aber doch Indizien vor, die für seine Theorie sprechen: Er verweist auf ein heute überwachsenes Bodendenkmal im Heilig-Kreuz-Garten, auf einen großen Röhrenbrunnen am Oberen Markt und Bleirohre in der Heilig-Kreuz-Straße, die bei Sanierungsarbeiten in den 1960er-Jahren gefunden worden seien. Er ist sicher: „In 450 Metern Höhe gibt es am Schellenberg keine ergiebigen Quellen.“

Donauwörther Wasserturm aus dem Jahr 1308 oder noch älter?

Der Wasserturm mit dem entsprechenden Wasserwerk in Donauwörth müsse man auf 1301-1308 datieren. Der Turm wäre damit 130 Jahre früher in Betrieb gewesen als das Wasserwerk am Roten Tor in Augsburg. Er, so gibt sich Bäcker verschmitzt, wolle aber nicht mit Superlativen protzen. Es gibt aber weitere Beweise: In den damaligen Besoldungslisten der Stadt finden sich demnach Auszahlungen an Brunnenmeister. Und es ist von einer Brunnenbehausung die Rede. Dass Wasserwerke seinerzeit nichts Außergewöhnliches waren, sieht Bäcker an einem Beispiel in Harburg gegeben. Vom Stadelhof sei mittels eines Hebewerks das Wasser mit einer Schöpfmaschine in die Stadt geleitet worden. Knebel, ein Donauwörther Stadtchronist, berichtet von „Wasserleuten“ aus der Fuggerstadt, die nach Donauwörth gekommen waren, um sich die Donaubrücke anzusehen.

Erst 1880, so Bäcker, sei mit dem jahrzehntelang geplanten Bau einer Wasserleitung begonnen worden. Die Erschließung ergiebiger Quellen habe sich als zu teuer erwiesen, daher habe man sich zunächst mit einer Nutzwasserleitung begnügt.

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