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Bäumenheim-Hamlar

10.03.2015

Das Tierheim kämpft ums Überleben

Foto: Joshena Dießenbacher

Die Abgaben, die die Einrichtung in Hamlar von den Städten und Gemeinden in der Region erhalten, reichen nicht aus. Eine Schließung hätte weitreichende Folgen

von Manuel Wenzel

Das Tierheim Hamlar steht vor dem Aus. Die Einnahmen reichen nicht mehr, um den Betrieb in der bisherigen Form auch künftig gewährleisten zu können. Der Grund für die finanzielle Schieflage der Einrichtung, die vom Tierschutzverein Donauwörth und Umgebung betrieben wird, liegt in der sogenannten Fundtierpauschale, die die Kommunen entrichten müssen. „Wenn wir nicht mehr Mittel bekommen, dann ist Anfang 2016 Schluss“, bringt es Brigitte Scherb, ehrenamtliche Vorsitzende des Tierschutzvereins, auf den Punkt.

Seit 1999 liegt der jährliche Beitrag unverändert bei 19 Cent pro Einwohner. Von den 23 Kommunen im Altlandkreis Donauwörth – der Einzugsbereich des Tierheims Hamlar – hat diese Summe aber nur die Stadt Donauwörth vertraglich zugesichert. Einige Städte und Gemeinde hätten diesen Wert unverbindlich übernommen, berichtet Scherb. „Und manche kommen ihrer finanziellen Verpflichtung überhaupt nicht nach.“ Im Regelfall werde im Stadt- oder Gemeinderat jedes Jahr neu entschieden, ob und wie viel Geld nach Hamlar überwiesen werden soll.

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2013 habe man aus den Rathäusern in der Region einen Betrag von rund 10000 Euro erhalten. Scherb: „Das deckt nur einen Bruchteil unserer Kosten.“ Zwar konnte man bisher immer auf zahlreiche Spender bauen und auch Sammlungen sowie die Vermittlungen der Tiere spülen Geld in die Kasse, dennoch hat man laut Scherb in den vergangenen beiden Jahren jeweils rund 30 Prozent über die Rücklagen finanzieren müssen. Dringend benötigte Bauarbeiten und Infrastrukturmaßnahmen hätten deshalb nicht umgesetzt werden können. „Ein Tierheim kann man nicht über Schulden führen“, sagt die Donauwörtherin.

Für sie und ihre Mitstreiter ist eine Anhebung der Pauschale daher zwingend notwendig. In Bayern gibt es eine Verordnung, die die Kommunen verpflichtet, bei ihnen gefundene Tiere entgegenzunehmen und zu verwahren – alles unter Beachtung des Tierschutzgesetzes. Diese Aufgabe nimmt die Einrichtung in Hamlar den hiesigen Städten und Gemeinden quasi ab und verlangt im Gegenzug eine Aufwandsentschädigung. Dies sei am einfachsten über eine Pauschale abzurechnen. Alternativ ist auch eine Einzelfallabrechnung möglich. Dies wäre für das Tierheim sogar lukrativer, aber mit höherem Verwaltungsaufwand verbunden. „Dafür müssten wir dann fast eine eigene Kraft einstellen, die nur Einzelrechnungen schreibt.“

Und das wären nicht wenige: Mehr als 250 Tiere sind durchschnittlich in Hamlar untergebracht, der größte Teil davon Katzen. „Die sind das Hauptproblem, das geht aber nicht nur uns so“, weiß Scherb. Eine Katze beispielsweise schlägt pro Tag mit etwa sieben Euro für Futter und Unterkunft zu Buche, oft kommen auch noch Kosten für eine ärztliche Behandlung hinzu. Vier Wochen können einer Kommune dabei in Rechnung gestellt werden (wenn ein Tier bis dahin nicht abgeholt wurde, gilt es als „herrenlos“), sodass schnell ein Betrag von mehreren Hundert Euro für eine einzelne Fundkatze zusammenkommen kann. Freilich werden die Tiere auch nach dem ersten Monat weiter im Tierheim versorgt, „das passiert dann aber mit Geld aus den Spenden“, sagt Scherb.

Dem Tierschutzverein Donauwörth und Umgebung schwebt eine Erhöhung der Fundtierpauschale auf zunächst 50 Cent pro Jahr und Einwohner vor. Diese soll anschließend stufenweise jährlich um 25 Cent erhöht werden, bis ein Betrag von 1,50 Euro erreicht ist. „Dann könnten wir kostendeckend arbeiten.“ Diesen Vorschlag machte der Verein in der vergangenen Bürgermeister-Dienstbesprechung den Rathauschefs aus dem Altlandkreis. Deren erste Reaktionen seien überwiegend positiv gewesen, berichtet Scherb. Nun sollen die einzelnen kommunalpolitischen Gremien darüber beraten. Wenn das Tierheim in Hamlar tatsächlich schließen muss, sind die Kommunen in der Pflicht: Sie müssten dann selbst entsprechende Einrichtungen schaffen oder sich nach einem anderen Anbieter für diese Art von Dienstleistung umsehen. Letzteres dürfte nach Meinung von Brigitte Scherb jedoch schwierig werden: „Wir sind nicht die Einzigen. Viele Tierheime müssen kämpfen.“

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