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Tapfheim-Erlingshofen

22.02.2021

Das Traditionslokal Kartäuser-Klause in Erlingshofen ist verkauft

Die Kartäuser-Klause in Erlingshofen ist verkauft. Im Privathaus des früheren Besitzers sollen Hotelzimmer entstehen.
Bild: Helmut Bissinger

Plus Die Kartäuser-Klause in Tapfheim-Erlingshofen hat den Besitzer gewechselt. Wer der neue Eigentümer ist und was er plant.

Still und ohne Aufsehen ist in Erlingshofen eine Ära zu Ende gegangen: Die Kartäuser-Klause direkt an der Ortsdurchfahrt an der B 16 gibt es in der bisherigen Form jedenfalls nicht mehr. Inhaber Josef Minder hat die Gaststätte verkauft.

Dem Vernehmen nach will der neue Besitzer , ein Feinkosthändler aus der Region, das Haus als Restaurant weiterführen. Die Räume im bisherigen Privathaus von Josef Minder sollen zu Hotelzimmern umgebaut werden. Minder selbst verbringt seinen Ruhestand in Ebermergen.

Kartäuser-Klause in Erlingshofen: 46 Jahre hat Sepp Minder das Haus geführt

46 Jahre sind eine lange Zeit. Deshalb könnte Josef „Sepp“ Minder stundenlang über sein Lokal, die bewegte Historie und ganz besondere Begegnungen erzählen: Fußballer, Boxer, Sänger und Rennfahrer haben sich die Klinke in die Hand gegeben. Angesichts der vielen Erlebnisse war es nicht verwunderlich, dass Minder eine Träne verdrücken musste, als er die Räume letztmals absperrte. Es hieß Abschied nehmen aus Tapfheim-Erlingshofen.

Fasching, Kartlerrunden, Treffen von Vereinen, Theateraufführungen – die Kartäuser-Klause war über Jahre „der“ Treffpunkt. „Es sind schöne Erinnerungen“, sagt Minder, der die Kartäuser-Klause 1974 von den Eltern übernahm, die ursprünglich das Café Minder betrieben. „Bei meiner Übernahme wurden die Gaststätte, der Saal (für 200 Gäste) und die Küche komplett renoviert.“ Das sei ein Kraftakt gewesen. Dass die Geschichte nun am Silvestertag 2020 endete, hat einen einfachen Grund: Minder hat keinen Nachfolger in der Familie, will als Ruheständler „noch einige Jahre ohne Belastung“ verbringen.

In der Kartäuser-Klause setzte man auf einheimische Küche

Als Koch wollte Josef Minder immer Signalzeichen setzen. Schon zu Zeiten, als die regionale Küche noch kaum ein Thema war, kochte er mit heimischen Produkten. Aber auch „international“ versuchte sich der Koch erfolgreich: Es gab Spezialitäten aus Russland, Kanada, Ungarn, Spanien und Frankreich, ebenso wie Froschschenkel oder „Piri-Piri“. Ein junger Koch aus dem Elsass brachte „Besonderes“ auf die Karte wie die Traumnachspeise „Fruit de Gratin“. In all den Jahren gab es, so nennt es Minder, „absolute Renner“ wie in den 1980er-Jahren die Ritteressen oder auch Gerichte vom heißen Stein. Legendär allerdings waren die Jumbo-Schnitzelvariationen zu lediglich fünf Euro.

Enttäuschte und überraschte Reaktionen auf den Verkauf

Die Stammgäste haben auf die Nachricht vom „Aus für die Kartäuser-Klause“ enttäuscht und überrascht reagiert, andere hätten Verständnis geäußert. „Mittlerweile wird meine Entscheidung aber akzeptiert“, erzählt Minder, dem auf seinem 2500 Quadratmeter großen neuen Areal in Ebermergen die Arbeit nicht ausgehen sollte. Die Hochzeiten, Familienfeste und Taufen, die in seinem Lokal gefeiert wurden, aber auch der „Hoigarta“, Faschingsbälle, Galaabende und Theater werde er wohl vermissen. „Unvergesslich sind die Silvesterfeiern mit einem 14-Gänge-Menü und Tanz mit Kapelle“, schwärmt Minder.

Dazu hätten sich manchmal berühmte Gäste gesellt wie der Schlagersänger Andy Borg oder Motorsportler Hans-Joachim „Strietzel“ Stuck junior. Auch Jos Verstappen, Ex-Kollege von Michael Schumacher und Vater des heutigen Formel-1-Rennfahrers Max Verstappen, Mitglieder der deutschen Fußball-Nationalmannschaft wie Manfred Kaltz, Hansi Müller oder der „Macho-Man“-Boxer René Weller waren immer wieder mal Gast in der Kartäuser-Klause.

Bittere Stunden waren es, als es ein Feuer im Gasthof gab

Über die bitteren Stunden seines Lebens berichtet niemand gern. Auch Josef Minder nicht. Davon habe es aber doch etliche gegeben. Ein Jahr nach einem neuerlichen Umbau loderte ein Feuer im Gebäude. Knapp eine Million Euro entstand damals als Schaden.

Minder ist zu einem Zeitzeugen für den gesellschaftlichen Wandel in der Gastronomie geworden. Früher, so erinnert er sich, hätten die Vereine in seinem Lokal eine Heimstätte gehabt. Mittlerweile haben die meisten Vereine selbst eigene Heime mit gastronomischem Betrieb aufgebaut. „So wird es die Gastronomie auf dem Land schwer haben, sich zu behaupten“, sagt Minder. Nur einige wenige Gastronomiebetriebe würden überleben können, „aber nicht in jedem Ort“.

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