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03.04.2008

Den Worten sollen nun auch Taten folgen

Mehr Lehrer, kleinere Klassen - wer würde dazu schon "Nein" sagen? Doch in die Begeisterung für die Pläne der CSU-Landtagsfraktion mischen sich durchaus auch kritische Stimmen.

Als "hehre, lobenswerte Ziele" bezeichnet etwa Wolfgang Janson, Sprecher des Bayerischen Lehrerinnen und Lehrerverbandes (BLLV) und Rektor der Gebrüder-Lachner-Schule in Rain, die Ankündigungen der CSU. Schließlich sei jede Investition in die Bildung auch eine in die Zukunft und somit positiv zu sehen. "Aber ich traue der Sache in keiner Weise", gibt Janson offen zu. Immerhin sei der Bildungssektor zwei Jahrzehnte lang kaputt gespart worden. Dass das Thema Bildung nun so kurz vor der Landtagswahl angegangen werde, grenzt für ihn an Populismus.

Und auch Roland Matitschka, Leiter der Gebrüder-Röls-Volksschule Riedlingen, befürchtet, dass die CSU mit ihren Vorschlägen lediglich auf Stimmenfang gehen wolle: "Wenn die Wahlen vorbei sind, gibt es Finanzierungs- oder räumliche Probleme", befürchtet er. Etwas optimistischer ist hier der Leiter der Anton-Jaumann-Realschule Wemding, Dr. Heinz Sommerer: "Am Tag nach der Landtagswahl kann nicht alles ganz anders sein", glaubt er und warnt vor illusorischen Wünschen: "Ich kann mir natürlich doppelt so viele Lehrer wünschen, aber das ist einfach nicht realistisch."

Doch auch wenn es nicht gleich doppelt so viele Lehrer sein sollen, fragen sich viele Rektoren, wie das vorgesehene Mehr an Lehrern in die Praxis umgesetzt werden soll. Schon jetzt herrsche Janson zufolge im Bereich der Hauptschulen ein akuter Lehrerschwund, dem zunächst fachgerecht entgegengewirkt werden müsse. Und der Leiter des Gymnasiums Donauwörth, Jörg Eyrainer, fordert dazu auf, die Ankündigung von 300 Lehrerstellen für 400 bayerische Gymnasien "mit einem gewissen Realitätssinn zu sehen". Nicht einmal jedes Gymnasium bekomme auch nur einen Lehrer mehr: "Man darf sich nicht das Paradies erwarten von dieser Ankündigung", sagt er.

Den Worten sollen nun auch Taten folgen

Winfried Schiffelholz, Leiter Berufsschule Donauwörth, und Karl Rieger, Leiter der Hans-Leipelt-Schule Donauwörth (Fach- und Berufsoberschule), klagen ebenfalls über einen Mangel an Lehrkräften. Gleichwohl steht Rieger den Plänen der CSU optimistisch gegenüber: "Wir werden alles rekrutieren, was machbar ist", sagt er und denkt dabei an Teilzeitkräfte, aber auch Ingenieure, die stundenweise unterrichten könnten, um den Schülern mehr Fächer anbieten zu können.

Die angekündigte Reduzierung der Klassenstärken hält Matitschka zwar für "sehr öffentlichkeitswirksam", sie könne sich aufgrund des Schülerrückgangs jedoch schnell von selbst erledigen. Ohnehin stehen die meisten Schulen im Landkreis Donau-Ries was die Klassenstärken anbelangt laut Willy Leopold vom Schulamt Donauwörth "sehr gut da". Mit durchschnittlich 22,5 Schülern in den Klassen der Grund- und 21,3 Schülern in denen der Hauptschule "kann man davon ausgehen, dass die jungen Menschen im Landkreis sehr gut gefördert werden", sagt er.

Werner Freißler wiederum, Rektor der Ludwig-Auer-Volksschule Donauwörth, hätte schon im vergangenen Schuljahr aus seinen drei fünften Klassen "liebend gerne" eine vierte gemacht - was ihm jedoch nicht gestattet wurde. "Insofern wäre es ein Fortschritt, wenn sich das ändern würde", sagt er. Wie seine Kollegen ist auch er generell erfreut darüber, "wenn die Politiker die Bedeutung von Bildung erkannt haben". Während Janson und Eyrainer der Meinung sind, dass die Bildungsmaßnahmen - gemessen am Bedarf - nach wie vor gering seien, fürchtet er, dass das Geld eventuell an falscher Stelle eingesetzt wird. "Man muss an der Basis anfangen", ist er überzeugt und hielte es deshalb für am wirkungsvollsten, "wenn die Bildungslandschaft es schaffen würde, dass jedes Kind nach der vierten Klasse lesen kann". Alles andere seien Notoperationen.

Was alle befragten Schulleiter eint, ist die Hoffnung, dass es nicht bei Ankündigungen bleibt, sondern den Worten nun auch Taten folgen. Denn schließlich sei die Bildung unser wichtigster Rohstoff.

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