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Denkmal für Missbrauchsopfer ist angebracht

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Kommentar Von Thomas Hilgendorf
06.06.2019

Damit man sich diesen Fehlern und Verbrechen der Vergangenheit erinnert, um aus ihnen für die Zukunft zu lernen, erscheinen ein Denkmal sowie eine Ausstellung durchaus passend.

Es ist schier unglaublich, dass die Untaten, die im ehemaligen Kinderheim Heilig Kreuz in Donauwörth geschehen sind, so lange nicht ans Tageslicht kamen; und dass so etwas jemals – zu welcher Zeit auch immer – toleriert und akzeptiert werden konnte.

In den von der Bischöflichen Kommission im Wesentlichen bestätigten Schilderungen geht es nicht mehr nur um „a Watsch’n“ nach irgendwelchen Lausbubenstreichen – die Schilderungen aus dem Kinderheim Heilig Kreuz in Donauwörth beschreiben mitunter eine systematische und drakonische Gewalt, auch sexuellen Missbrauch, mit denen Kinderseelen geschunden und gebrochen wurden.

Erbärmlich, dass die Behörden damals zusahen, ja, dass das Treiben irgendwie sogar akzeptiert war. Macht und Einschüchterung waren teuflische Mittel eines Weiter-So. Man muss hoffen und beten, dass Einrichtungen, in denen Menschen so boshaft über andere herrschen, schalten und walten können, wie sie wollen, irgendwann der Vergangenheit angehören.

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Damit man sich diesen Fehlern und Verbrechen der Vergangenheit erinnert, um aus ihnen für die Zukunft zu lernen, erscheinen ein Denkmal sowie eine Ausstellung durchaus passend. Es ist nicht zuletzt eine Frage des Anstands und des Respekts vor den Opfern der Gewalt- und Missbrauchsexzesse.

Es ist damit zu rechnen, dass weitere schlimme Fälle offenkundig werden. Traumapsychologisch liegt es auf der Hand, dass furchtbare Erlebnisse Jahre und Jahrzehnte verdrängt werden können. Man sollte das als Nicht-Betroffener schlichtweg nicht beurteilen. Einige Zeitgenossen bilden sich dennoch recht schnell ihre Meinungen. Da ist von Trittbrettfahrerei die Rede, die man Opfern unterstellt. Auch nach den Berichten um die Missstände im Internat Heilig Kreuz klangen solche Töne an.

Diesen schnell urteilenden Menschen sei angeraten, sich doch einmal mit Opfern zu unterhalten und die Biografien auf sich wirken zu lassen. Selten sind seitens der Opfer Töne des Hasses oder der Rache zu hören. Das, was aber sehr wohl fast immer anklang, das ist die Suche nach Respekt, Achtung, Anerkennung nach all den Erniedrigungen. Diese Achtung ist wohl mehr als geboten. Vielleicht trägt ein Denkmal bald ein wenig dazu bei.

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