Zeitpyramide

01.07.2013

Denkmal oder Utopie?

Am Samstag wurde in Wemding der dritte Stein der Zeitpyramide gesetzt. Das Kunstwerk soll in fertigem Zustand aus 120 Steinen – jeder von ihnen wiegt 6,5 Tonnen – bestehen.
Bild: Helmut Bissinger

Der dritte Dekadenstein auf der Wemdinger Robertshöhe ist gesetzt

Wemding Er führte selbst das Kommando und war „so aufgeregt wie beim ersten Mal“: Manfred Seiler gab dem Kranfahrer und seinen Helfern die Anweisungen. Um 16.14 Uhr war es dann so weit: Der dritten Dekadenstein der Wemdinger Zeitpyramide auf der Robertshöhe saß auf seinem vorgesehenen Platz. Applaus der mehr als 200 Zuschauer brandete auf – und der Künstler Manfred Laber strahlte.

Es war von höchster Stelle wie im Theater inszeniert: Just, als der Kranfahrer zu seinem Werk ansetzte, riss über dem Riesrand, hoch über der Stadt Wemding, am Horizont die Wolkendecke auf und Petrus schloss seine Schleusen. Und dann ging es blitzschnell: Routiniert setzten die Handwerker den 6,5-Tonnen-Koloss an seinen Platz.

1993 wurde das Projekt begonnen

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Der Künstler, der in Berlin, Bayern und Barcelona zu Hause ist, fieberte dem Moment ebenso entgegen wie die Verantwortlichen der Stiftung, die mit Engagement das Projekt am Leben erhält. Der erste Stein wurde 1993 gesetzt zum 1200-jährigen Jubiläum von Wemding. Die projektierte Pyramide besteht aus 120 Blöcken und im Rhythmus von zehn Jahren wird ein neuer hinzugefügt hinzugefügt.

Nun stand also der dritte dieser 120 mal 120 mal 180 Zentimeter messenden schweren Betonblöcke parat. Die Hofmarkmusikanten begrüßten die zahlreichen Besucher, die unter einem Zelt Schutz vor dem unentwegten Nieselregen suchten, mit Rhythmen aus aller Welt.

Heide Dietrich, die Vorsitzende der Stiftung Wemdinger Zeitpyramide, sprach von einem „außergewöhnlichen und mutigen Projekt“, von dem niemand wisse, ob es jemals vollendet werde. Gerade die schnelllebige Zeit lasse immer wieder Zweifel aufkommen, doch sie habe die Hoffnung, dass es immer Menschen geben werde, die Stein zu Stein fügen, um die Idee zu verwirklichen. Dietrich: „Das Kunstprojekt soll uns zum Nachdenken über die Zeit anregen.“

Die mystische Stimmung am Standort „auf der Platte“ nahm Bürgermeister Martin Drexler zum Anlass, um die Frage aufzuwerfen: „Woher kommen wir, wohin gehen wir?“ Es sei auch der Moment darüber nachzudenken, „was wirklich wichtig ist in diesem Leben“.

Landrat Stefan Rößle äußerte sich vieldeutig. Zunächst erinnerte er an die letzte Steinsetzung vor zehn Jahren, an das in dieser Dekade Geleistete und stellte ebenfalls eine Frage. „Wir haben den Wohlstand gemehrt“, meinte der Landkreis-Chef, „aber sind wir wirklich reicher geworden?“

Er komme immer mehr zu der Erkenntnis, „dass weniger manchmal besser als mehr“ sei, so Stefan Rößle. Er wünsche sich mehr Menschlichkeit und Dankbarkeit für die nächsten zehn Jahre, sagte der Landrat.

Vergleich mit den Mayas

Spannende Gedanken zum Phänomen Zeit steuerte auch die Theaterautorin Kerstin Specht (München) bei. Die Zeitpyramide, angesiedelt zwischen Himmel und Erde, verglich sie mit den Pyramiden der Mayas in Mittelamerika, brachte aber auch die Cheops-Pyramide in Kairo als einziges noch erhaltene Weltwunder ins Gespräch.

„Dieses Kunstobjekt wird einmal in die Landschaft eintätowiert sein“, mutmaßte die Autorin, die aber auch die Haltbarkeit des Betons als Ungewissheit nannte, „von Erosion, Schimmelpilz und Erdbewegungen bedroht.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren