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Donau-Ries-Kreis

29.11.2016

Der Biber ärgert die Waldbauern

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Der Unmut einiger Waldbesitzer aus Nordschwaben ist groß. Sie wollen dem Biber den Kampf ansagen. Auf einer Versammlung der Bäume- und Forstbesitzer gerieten einige verantwortliche Politiker deshalb unter Druck.
Bild: Kaya (Symbolbild)

Bäume und Forstbesitzer sind angefressen. Der Vorsitzende der nordschwäbischen Vereinigung findet harsche Worte und verlangt von Politikern Taten.

Der Biber nervt die Waldbesitzer in Nordschwaben – „immer mehr!“ Für Alois Michel, den Vorsitzenden der Waldbesitzervereinigung, ist das Maß voll. Bei der Jahresversammlung der Organisation in Wemding zog er heftig vom Leder. Seine Kritik richtete sich an die Vertreter der Politik. Von ihnen fordert er Taten, weil die Schäden in den Wäldern, verursacht von dem Nager, „nicht mehr länger hinnehmbar sind“.

Der Naturschutz sei so stark, meinte Michel. „Da sind die Politiker Marionetten.“ Mehr als 250 Waldbesitzer applaudierten kräftig, als er sich in Rage wetterte. „Ich bin CSUler“, bekannte er, „aber diese Partei kann man nicht mehr wählen.“ Es gehe so wie bisher nicht mehr weiter. Die Waldbesitzer würden es sich nicht mehr länger gefallen lassen, dass man gegen die immer stärkere Vermehrung des streng geschützten Bibers nichts unternehmen könne. Mancherorts stehe die existenzielle Zukunft auf dem Spiel. „Wer ein Grundstück in der Nähe eines Gewässers hat, muss um die Grundlagen seiner Arbeit fürchten“, schimpfte Michel.

Schäden sollen gemeldet werden

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Angesichts solcher Worte gerieten die Politiker, die eigentlich nur ein Grußwort sprechen wollten, in die Defensive. Wemdings Vize-Bürgermeister Johann Roßkopf wählte den Weg nach vorne und unterstützte Michel. Landrat-Stellvertreter Reinhold Bittner (CSU) forderte die Waldbauern auf, die Schäden zu melden. „Im Vorjahr wurden über 80 Prozent der Schäden erstattet“, erklärte Bittner. Allein in diesem Jahr seien im Landkreis bislang bereits deutlich mehr als 31000 Euro an Schadensausgleich geflossen.

Landtagsabgeordneter Wolfgang Fackler (CSU) versprach, „auch künftig für die Belange der Waldbesitzer ein offenes Ohr zu haben“. Ohne konkret auf Michels harsche Ausführungen einzugehen, appellierte er ans gegenseitige Verständnis: „Da müssen alle zusammenspielen.“

Der Biber ist aber nicht das einzige Problem der Forstleute. Der Borkenkäfer macht ihnen weiterhin zu schaffen, wenngleich die regenreichen Monate im ersten Halbjahr 2016 die Population des Schädlings gehemmt haben, wie der Vorsitzende ausführte. „Aber es ist ein Wettlauf gegen die Zeit“, pflichtete Geschäftsführer Stefan Wurst bei. Sobald der Waldbauer die Löcher des Borkenkäfers entdecke, müsse alles daran gesetzt werden, um das Schadholz aus dem Wald zu bringen. Wurst: „Es bleiben manchmal nur sechs Wochen, um eine weitere Vermehrung zu verhindern.“

Wenn es im kommenden Frühjahr wenig Niederschlag geben sollte, dann kommt nach Ansicht der Experten jede Menge Arbeit mit dem Holzeinschlag auf die Waldbesitzer zu, denn – so Wurst – „dann wird uns der Borkenkäfer noch mehr Probleme bereiten“. Bereits jetzt seien 20000 Festmeter des Holzeinschlags, also rund ein Drittel, durch den Borkenkäfer verursacht. Die Auswirkungen des Klimawandels seien bereits deutlich in den Wäldern zu sehen, machte Ralf Petercord von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft klar. Einige Baumarten kämen mit den geringen Niederschlägen kaum zurecht. Deshalb riet er in seinem Fachvortrag zu einer stärkeren Mischung bei den Baumsorten. Besonders anfällig, so ergänzte Alois Michel, sei ein Baum, der in Nordschwaben weit verbreitet ist: die Fichte. Aber gerade sie benötige eben viel Wasser. Der Nadelbaum ist übrigens, wie Direktor Manfred Faber vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten einwarf, „Baum des Jahres 2017“.

4,3 Millionen Euro Umsatz

Geschäftsführer Stefan Wurst durfte Zahlen präsentieren: Demnach erwirtschafte die Vereinigung einen Umsatz von 4,3 Millionen Euro. „Ein leicht überdurchschnittliches Jahr“ sei es gewesen, bilanzierte Wurst. Erzielt wurde er durch die Vermarktung von 64000 Festmetern Holz. Besonders hoch, so Wurst, sei die Nachfrage nach Nadelrundholz gewesen (83 Prozent). Eine eher untergeordnete Rolle spielten Faser- (elf Prozent) und Laubholz (sechs Prozent). „Die Preise sind durchschnittlich“, war der Tenor. Im Durchschnitt aller Holzarten wechselte der Festmeter für 67,48 Euro den Besitzer. Auf einen anderen Aspekt wies Wurst hin: Bei Verarbeitern türmt sich Sägerestholz. „Es gibt viel zu viel Holzschnitzel.“ Mittlerweile sind für die Vereinigung drei Förster im Einsatz, weil sich die Nachfrage der Waldbesitzer ständig erhöhe. Die Zahl der Waldpflegeverträge jedenfalls ist im Steigen. Bereits 1150 Hektar an Waldfläche in Nordschwaben werden aktuell von Förstern betreut.

Aus dem Jahresabschluss, von Karl Kißlinger vorgetragen, ging hervor, dass der Organisation am Ende etwas mehr als 19000 Euro als Überschuss blieben. Und noch eine Zahl: Die Waldbesitzervereinigung Nordschwaben zählt 1969 Mitglieder. Nur zu gerne würden die Verantwortlichen 2017 die 2000er-Marke knacken.

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