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29.01.2015

„Der Polder wird kommen“

Zwischen Bertoldsheim und Marxheim ist ein großer Flutpolder geplant.
Bild: Foto: Michael Geyer

Bürgermeister Georg Hirschbeck möchte heute Abend Antworten auf Bürgerfragen. Zur Infoveranstaltung um 19 Uhr kommt Umweltministerin Scharf nach Rennertshofen

Von Norbert Eibel

Georg Hirschbeck rechnet hoch. „Mindestens 300 Leute, vielleicht auch 500. So viele haben in der Schulturnhalle Platz. Ich rechne mit großem Interesse, nicht nur in Rennertshofen, auch die Marxheimer werden kommen“, blickt der Rennertshofener Bürgermeister voraus auf die Infoveranstaltung heute Abend um 19 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr) zum geplanten Flutpolder Bertoldsheim. Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf und Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes Ingolstadt wollen den Bürgern Rede und Antwort stehen. „Der Polder wird kommen“, hegt Hirschbeck keine Zweifel. Es gehe nicht ums Verhindern, sondern um die Größenordnung des Projekts und wie man die Grundwasserproblematik in den Griff bekommen wolle.

Kaum ein Thema – die Gleichstromtrasse einmal ausgenommen – hat in den vergangenen Jahren die Rennertshofener so bewegt wie der Bau eines zweiten Flutpolders in ihrer Gemeinde. Mit 470 Hektar ist die „Riesenbadwanne“ an der Landkreisgrenze das größte Becken im Rückhaltekonzept der Staatsregierung an der Donau. Ein vier bis fünf Meter hoher Damm, weiß Hirschbeck aus Gesprächen mit dem Wasserwirtschaftsamt, soll die Polderflächen südlich der Kreisstraße von der restlichen Flur abgrenzen. „Es darf keine Verschlechterung geben“, hat der Bürgermeister als Botschaft aus einem Treffen im Umweltministerium mitgenommen. Das Projekt stehe und falle damit, wie man die Grundwasserproblematik technisch in den Griff bekomme.

Bereits abgeschlossen ist das Raumordnungsverfahren für die 220 Hektar große Staufläche bei Riedensheim. Baubeginn für das 30-Millionen-Euro-Projekt, das 2019 fertiggestellt sein soll, war vergangenen Herbst. Der mehr als doppelt so große Polder zwischen Bertoldsheim und Marxheim soll einmal ein Volumen von 18 Millionen Kubikmeter Wasser fassen. Mit einer Infoveranstaltung vor Ort geht das Umweltministerium jetzt in die Offensive.

Wie das Thema vergangenen Herbst in der Öffentlichkeit kommuniziert wurde, war bei Betroffenen und Kommunalpolitikern auf Unverständnis gestoßen. Man werde ohne Dialog vor vollendete Tatsachen gestellt, lautete die Kritik. Nun ist man in München bemüht, dem Projekt die nötige politische Durchsetzungskraft zu verschaffen. Heute Abend wird Ulrike Scharf deshalb den Menschen in Rennertshofen das Riesenbecken erläutern, das der Freistaat an der Donau unmittelbar nach der Lechmündung plant.

Rückhaltevolumen von 136 Millionen Kubikmeter

Grundlage für das „Generationenprojekt gesteuerte Flutpolder“ längs der Donau, wie es die Umweltministerin formuliert, ist eine Studie der TU München. Damit soll die Welle der Donau bei Extremhochwassern, sogenannten HQ 100 (hundertjährlicher Abfluss), um mehr als zehn Prozent gekappt werden. Dafür wurden zwölf Standorte identifiziert. Das Rückhaltevolumen beträgt insgesamt 136 Millionen Kubikmeter. Schäden wie etwa 1999 und 2013 sollen so künftig vermieden werden. Ein weiterer Aspekt ist die Entschädigungsregel, um die Grundstücksbesitzer zufriedenzustellen. Nur so, das weiß man im Umweltministerium, kann ein Konsens mit den Betroffenen erreicht werden.

„Mir ist wichtig, dass heute die Bürger zu Wort kommen. Ich hoffe, die Leute stellen viele Fragen und wissen am Ende, worauf es ankommt“, sagt Georg Hirschbeck. Solidarität mit den Unterliegern sei ein wichtiger Aspekt beim Hochwasserschutz. Er respektiere aber auch die Vorbehalte von Anwohnern, „die die Aussicht haben, einmal hinter einem Damm zu wohnen, der im Extremfall Millionen von Kubikmeter Wasser zurückhalten muss“. Keiner wisse, wann und wie oft das der Fall sein werde. „Es ist trotzdem nicht unbedingt ein beruhigender Gedanke.“

Es könne somit sein, schränkt Hirschbeck ein, dass es heute nicht auf alle Fragen eine zufriedenstellende Antwort geben werde. „Wichtig ist es, im Dialog zu bleiben. Nur so können wir in Arbeitskreise gehen und zu einem Ergebnis kommen.“

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