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Stromausfall 

28.03.2019

Der „Schwarze Mittwoch“ in Wemding und seine Folgen

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In der Schaltzentrale des Elektrizitätswerks Wennenmühle Schörger KG in Wemding begann am Donnerstag die Ursachenforschung für den Brand.
Bild: Wolfgang  Widemann

Noch in der Nacht auf Donnerstag ist es gelungen, die Stadt Wemding wieder mit Strom zu versorgen. Warum die Schulen und Kindertagesstätten geschlossen blieben.

Auch am Tag nach dem „Schwarzen Mittwoch“ war der Stromausfall in Wemding und Umgebung ein großes Thema. Rund sieben Stunden lang war fast die komplette Wallfahrtsstadt ohne Elektrizität – eine im Landkreis Donau-Ries in den vergangenen Jahrzehnten einmalige Situation, so Kreisbrandrat Rudolf Mieling.

Kurz nach 17 Uhr war in Wemding, Heidmersbrunn, Nußbühl und zunächst auch in Alerheim, Rudelstetten und ein paar weiteren Orten im östlichen Ries der Strom weg. Die Ursache war bekanntlich ein Feuer in der Schaltzentrale des Elektrizitätswerks Wennenmühle Schörger KG in der Bürgermeister-Epple-Straße in Wemding.

Provisorische Reparatur

Nach Auskunft von Geschäftsführer Martin Schörger gelang es, die Anlage bis um etwa 23 Uhr provisorisch zu reparieren. Dann sei die Versorgung nach und nach hochgefahren worden: „Kurz nach Mitternacht hatten wieder alle Gebäude Strom.“

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Schörger und einige seiner Mitarbeiter hatten eine kurze Nacht. Schon am Donnerstagmorgen begann die Ursachenforschung. Laut Polizei war ein technischer Defekt der Auslöser. Schörger zufolge brach der Brand im Keller des Bauwerks aus. Dort laufen die Erdkabel ein, über welche die Stadt versorgt wird.

Enorme Größenordnung

Die Firma beliefert Wemding seit 1909 mit Strom, einen Ausfall in dieser Größenordnung habe es noch nie gegeben, berichtet Martin Schörger. Der Schaden hätte dem Geschäftsführer zufolge grundsätzlich schneller behoben werden können, hätte es nicht gebrannt. So habe die Schaltzentrale zunächst gar nicht betreten werden können, dann nur mit schwerem Atemschutz. In Absprache mit der Feuerwehr habe man sich dazu entschieden, den Brand nicht mit Wasser zu löschen, sondern mit Kohlenstoffdioxid zu ersticken.

Dies sei richtig gewesen, habe man dadurch doch zusätzliche Beschädigungen vermieden. Durch den Rauch und die Dämpfe in den Räumen konnten die Monteure in den ersten zwei bis drei Stunden ebenfalls nur mit Atemschutz arbeiten. Sowohl die Mitarbeiter als auch die rund 150 Einsatzkräfte blieben bis gegen 1 Uhr in der Stadt. Erst als sicher war, dass das Netz stabil ist, rückten die Helfer ab.

Sachverständiger vor Ort

Am Donnerstag war ein Sachverständiger vor Ort. Unter anderem galt es zu klären, welche Bauteile der Schaltzentrale weiter benutzt werden können. Der Schaden liegt nach ersten Schätzungen im sechsstelligen Bereich, also bei mehreren hunderttausend Euro.

Der Stromausfall hatte enorme Auswirkungen auf das Leben und Arbeiten in Wemding. Es begann im kleinen, privaten Bereich. In den Wohnungen wurde es in den Abendstunden kühl. 16 Grad waren es dem Vernehmen nach in den Räumen, in denen eine Familie mit einem Kleinkind lebt. In vielen Wohnungen verbrachten die Bewohner die Zeit bis zum Schlafengehen bei Kerzenschein. „Ich fand es romantisch“, sagt Rosi Fackler am Donnerstag.

Frieren musste sie nicht: „Wir haben einen Holzofen.“ Ein Mann hatte sein Auto gerade in der Waschanlage an der Tankstelle der Firma Leinfelder. Weil sich die Anlage nicht mehr bewegte, öffnete der Fahrer die Heckklappe „und stieg durch den Kofferraum ein“, schildert Uli Leinfelder.

In Geschäften geht nichts mehr

In den Geschäften und Firmen ging durch dem Stromausfall nichts mehr. Läden, Tankstellen und Supermärkte schlossen vorzeitig. In der Edeka-Filiale wurde am Donnerstag die komplette Ware aus dem Kühlregal entfernt, denn sie war am Abend zu warm geworden.

Beim Autozulieferer Valeo, dem größten Arbeitgeber in Wemding, stand die Produktion rund zwölf Stunden lang still. Hunderte von Beschäftigten waren davon betroffen. Die Mitarbeiter der Spätschicht gingen nach Hause, die Kollegen der Nachtschicht brauchten erst gar nicht anzufangen. Als nach Informationen unserer Zeitung die Stromversorgung in der Fabrik um etwa 0.30 Uhr wieder stabil war, dauerte es noch Stunden, bis die Anlagen mit ihrer empfindlichen Elektronik wieder hochgefahren waren.

Druckerei Appl hat Glück

Der einzige Wemdinger Betrieb, der nur einen kurzzeitigen Stromausfall hatte, war die Druckerei Appl. Grund: Sie wird über eine andere Leitung direkt vom Versorger EnBW-ODR beliefert.

Im Verlauf des Mittwochabend besprachen sich – wie gemeldet – auch die Verantwortlichen der Schulen und Kindertagesstätten in Wemding mit der Einsatzleitung. Man einigte sich darauf, am Donnerstag den Unterricht ausfallen zu lassen und die Kitas geschlossen zu halten. Heinz Sommerer, Leiter der Anton-Jaumann-Realschule, erklärt, diese Entscheidung sei auf Grundlage der Prognose getroffen worden, dass der Strom möglicherweise bis Donnerstagmorgen weg sein würde. In dieser Zeit ohne Heizung wären die Gebäude ausgekühlt.

Zudem wäre unklar gewesen, ob der Brandschutz gewährleistet werden kann. So seien beispielsweise Brandschutztüren nur mit Elektrizität funktionsfähig. Wären die Telefone weiterhin nicht gegangen, hätten Schüler nicht entschuldigt werden können. Durchsagen wären ebenfalls nicht möglich gewesen.

Nur ein Kind in der Schule

Über die Medien bekamen offenbar die meisten Eltern mit, dass die Schule ausfällt. In der Realschule und in der Leonhart-Fuchs-Volksschule erschien am Morgen jeweils nur ein Kind. Andere hatten Sommerer zufolge vom Busfahrer erfahren, dass sie nicht einzusteigen brauchen.

In der am Abend eingerichteten Versorgungszentrale in der Stadthalle stand Betreuungspersonal für Kinder bereit, die alleine dagestanden wären. Dieses Angebot musste niemand in Anspruch nehmen.

Bürgermeister Martin Drexler zeigt sich beeindruckt von der Arbeit der Einsatzkräfte: „Das war schon sehr professionell.“ Ebenso lobt der Rathauschef die Hilfsbereitschaft vieler Bürger: „Wemding hat sich solidarisch gezeigt.“

Nachdenklicher Kreisbrandrat

Die Vorkommnisse in Wemding machen Kreisbrandrat Mieling nachdenklich. Er befürchtet, dass so etwas in Zukunft öfters vorkommen wird. Der Stromverbrauch werde immer höher, in Deutschland setze man auf Elektroautos und gleichzeitig würden Stromkraftwerke geschlossen. Das Risiko steige auch durch die zunehmende Zahl an Orkanen, bei denen Hochspannungsleitungen zerstört werden. „Die Gefahren summieren sich“, so Mieling.

Der spricht sich dafür aus, wichtige Gebäude mit einer separaten Noteinspeisung auszustatten. Bislang hätten dieses nur wenige Bauwerke.

Lesen Sie hierzu auch: Blackout in Wemding: So rüstet man sich für einen längeren Stromausfall Wemding hat wieder Strom - Brandursache geklärt

Der Brand eines Stromaggregats hat in Wemding einen totalen Stromausfall verursacht. Bereitschaftspolizei, Rotes Kreuz und Feuerwehr sind vor Ort.
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Wemding und Umgebung nach Brand komplett ohne Strom
Bild: Alexander Millauer

Dauert der Stromausfall bis in die Morgenstunden?

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