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Harburg

29.07.2020

Der Spielwarenladen auf dem Bauernhof schließt

Walter und Conny Beck im Spielwarenladen auf ihrem Hof bei Hoppingen. In der Hand hält der Inhaber ein Modell, dass seinem Traktor auf dem Hof vor dem Laden ziemlich ähnelt. Conny Beck führte das Geschäft für Modellbaufans.
Bild: Susanne Klöpfer

Plus Das Geschäft von Walter und Conny Beck war für viele Sammler ein Paradies. Warum die Betreiber nun aber Ende September, nach 16 Jahren, aufhören.

Der große orange Traktor steht auf dem Hof, die kleinen drinnen in der Verpackung in „Connys Spielwarenladen“. Ein Spielwarengeschäft auf einem Bauernhof – eine Kombination die fast einmalig sein mag. Mit Leidenschaft haben Walter und Conny Beck dort 16 Jahre lang landwirtschaftliches Spielzeug im Laden auf dem Kreishof in der Nähe von Hoppingen verkauft, repariert und sogar umgebaut. Zudem organisiert das Paar seit mehr als zehn Jahren die „Rieser Modellbörse“, eine Messe für Modellbaufreunde. Doch nun hat das Paar beschlossen: Wir schließen. Und das, obwohl hinter ihrem Geschäft vor allem eine besondere Leidenschaft für die landwirtschaftlichen Miniatur-Fahrtzeuge steckt.

Mit 16 Jahren bekam Walter Beck seinen ersten kleinen Traktor zu Weihnachten. Seitdem ist die Sammlung um einiges gewachsen. „Mittlerweile sind es 1244“, weiß seine Frau. Aus dieser Leidenschaft gründete das Paar den besonderen Spielwarenladen. Den ersten Laden eröffneten sie 2004 im Keller ihres Hofes. Nach der Geburt ihrer drei Töchter und die darauffolgende Babypause wollte Conny Beck wieder arbeiten. Doch ihr Arbeitgeber bot ihr nur einen Job im Drei-Schicht-Betrieb bei einer Sieben-Tage-Woche an. Also gründete sie lieber eine Ich-AG und bezog das Hobby ihres Mannes ein.

Anfänglich erwies es sich als schwierig, die Ware von den Spielwarenherstellern zu erhalten. Oft kam die Antwort: „Wir sind an Ihnen als Kunde nicht interessiert.“ Aber Conny Beck ließ nicht locker. Das Geschäft lief langsam an und die Kunden kamen vorbei. Es folgte ein Umzug vom Keller auf die selbst gebaute Geschäftsfläche auf dem Hof, die später sogar um einen zweiten Stock erweitert wurde. Paradiesisch für Liebhaber und Sammler, die in Walter Beck einen Gleichgesinnten fanden, mit dem sie über ihre Leidenschaft fachsimpeln konnten. Mit Conny Beck hatten sie eine Ansprechpartnerin, die sich beeindruckend immer mit allen Produktcodes und Informationen auskannte. „Wir hatten einfach Spaß dabei“, erinnert er sich an die vergangenen Jahre und fügt hinzu: „Es wird schon komisch sein, wenn ich hier wieder hereinkommen werde, wenn der Laden geschlossen ist“, sagt Walter Beck mit einem Blick auf die Regale im Geschäft. „Es war eine Entscheidung, die uns schwergefallen ist. Wir haben lange überlegt“, fügt Conny Beck hinzu, die seit kurzem einen neuen Job hat.

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Für das Ende des kleinen Ladens, in dem Liebhaber alles vom Heuballen über Modelltraktor mit Bluetooth-Steuerung zu Sondermodellen finden, gibt es mehrere Gründe. „Mittlerweile wird eben einfach viel im Internet und nicht mehr in den kleinen Geschäften gekauft“, sagt Walter Beck mit einem Schulterzucken. Auch gerade während der Corona-Pandemie sei das noch angestiegen, fügt seine Frau Conny hinzu.

Zwar gibt es noch einige Kunden, die ihren beschädigten Spielzeug-Traktor extra zum Reparieren vorbeibringen oder einschicken, aber das hat in den vergangenen Jahren stark abgenommen. „Wir leben eben in einer Wegwerfgesellschaft“, so Walter Beck. Dazu kommt, dass die großen Spielwarenketten die Traktoren und das Zubehör billiger anbieten können.

Ratlose Stammkunden

Als die Stammkunden von den der Schließung erfuhren, zeigten sich einige ratlos, wo sie denn nun ihre Sammlung erweitern und ihre Lieblingsteile reparieren lassen sollen. „Für Freunde kann ich schon noch Sachen reparieren“, sagt Walter Beck. „Aber nicht mehr“, mahnt seine Frau.

Besonders traurig: Auch die „Rieser Modellbörse“ wird es nicht mehr geben. Die Veranstaltung wurde bereits wegen zu großen Aufwands für die Hygienevorschriften abgesagt. Doch auch in der Zukunft wird es die Veranstaltung für Liebhaber in der Wörnitzhalle in Harburg nicht geben. Und das, obwohl knapp 2500 Besucher in den vergangenen Jahren auch sogar aus der Schweiz, Österreich und den Niederlanden extra nur für die Messe nach Harburg gereist sind.

Zum letzten Mal geöffnet

Ende September öffnet Conny Beck nun zum letzten Mal offiziell die Türen ihres Spielwarenladens. In den vergangenen Wochen haben sich die Regale schon langsam geleert. „Für den Endspurt haben sich auch schon einige Kunden angekündigt“, merkt Conny Beck an. Der restliche Bestand wird online oder an andere Händler verkauft. „Was dann noch übrig ist, kauft der Chef selbst“, sagt Conny Walter mit einem Blick auf ihrem Mann. „Dann bekomme ich aber schon 30 Prozent, oder?“, fragt dieser. „Du bekommst wie alle auch nur 20 Prozent“, erwidert sie grinsend und lacht zusammen mit ihrem Mann.

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