1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Der Täter hat eine gespaltene Persönlichkeit

Monheim

11.10.2019

Der Täter hat eine gespaltene Persönlichkeit

Beim Angeklagten, der mit einer Machete auf seine Eltern losgegangen ist, liegt Schizophrenie vor.
Bild: Foto: Barbara Würmseher

Plus Der 39-Jährige, der seine Eltern fast getötet hätte, leidet unter paranoider Schizophrenie. Muss er deswegen dauerhaft in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden? Ein Forensiker schätzt die Situation ein.

Wer den Angeklagten so im Gerichtssaal erlebe käme gar nicht auf die Idee, dass er psychisch krank sei. Dieser Satz des Gutachters, gefallen im Prozess vor dem Landgericht, bleibt haften. Immerhin wird der Mann des zweifach versuchten Mordes beschuldigt. Im Januar Jahres hat er in Monheim seine Eltern in ihrem Haus mit einer Machete angegriffen und lebensgefährlich verletzt.

Ohne Zweifel ist der 39-Jährige seelisch krank. Das verrät schon seine lange Krankengeschichte. Doch wie kann es sein, dass der Angeklagte, den Zeugen auch als friedlich, freundlich und hilfsbereit schildern, offenbar eine gespaltene Persönlichkeit mit zwei Gesichtern ist. Der psychiatrische Sachverständige Oliver Kistner lieferte am vierten Verhandlungstag dafür Anhaltspunkte. Der Forensiker kommt in seinem Gutachten zum Ergebnis, dass der Angeklagte an einer sich verstärkenden paranoiden Schizophrenie leidet. Doch muss er deswegen, weil er für seine Mitmenschen eine Gefahr darstellt, auf Dauer in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden?

Nicht unbedingt, wie der Sachverständige erläutert. Medikamentös lasse sich die Erkrankung gut behandeln, falls die Tabletten regelmäßig eingenommen würden. Und wenn nicht? Der Arzt kann auch den Wirkstoff spritzen, die dann vier bis sechs Wochen wirken. In Blutproben lasse sich, so Kistner, die Einnahme viel besser kontrollieren. Dies hat der Angeklagte, wie im Prozess zur Sprache kam, ab dem Sommer immer häufiger versäumt. Schon im Alter von 17 Jahren ist er das erste Mal in die Psychiatrie eingewiesen worden. Vier Jahre später abermals. Er hatte versucht an seiner Arbeitsstelle Feuer zu legen. Zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, kam er stationär nach Günzburg. Vom Gericht mit einem Gutachten beauftragt hatte der bekannte Forensiker Norbert Nedopil festgestellt, dass der 21-Jährige an einer schweren Psychose leidet.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Ist der Angeklagte schuldunfähig?

Eine zentrale Rolle im Prozess spielt die Frage, ob der Angeklagte schuldunfähig oder zu bestrafen ist. Der Forensiker wies auf Indizien hin, die seiner Ansicht nach dafürsprechen, dass der 39-Jährige schuldfähig ist, wenn auch eingeschränkt. Nach dem Angriff auf seine Eltern war der Sohn zunächst in den Wald geflohen, drei Stunden später jedoch nach Monheim zurückgekehrt. Polizisten einer Funkstreife beobachteten, wie er sich vor ihnen in einer Hofeinfahrt versteckte. Als sie auf ihn zukamen begrüßte er sie mit den Worten „Ja, ich bins“. Die Machete hatte er vorher noch unter einem Schneehaufen versteckt. Alles Anhaltspunkte, die für ein zielgerichtetes Handeln sprechen.

Die Schwurgerichtskammer hörte am vierten Verhandlungstag auch die Betreuerin des Angeklagten. Die 57-Jährige, 2012 vom Gericht als Betreuerin bestellt, schilderte wie ihr Schützling seit dem Spätsommer 2018 immer aggressiver wurde, sie in Mails vulgär beschimpfte, drohte sie „plattzumachen“. Wenige Wochen vor der Tat erreichte sie ein Anruf des Angeklagten aus Teneriffa. Dieser habe gedroht: „Ich mache Dich tot“. Der Angeklagte soll seiner Betreuerin Vorwürfe gemacht haben, weil sie sein Bankkonto hatte sperren lassen.

„Er hätte jeden Tag vor der Tür stehen können“

Die 57-Jährige aus Donauwörth nahm die Drohungen sehr ernst, schaltete die Polizei ein und informierte die Stadtverwaltung. Vor Weihnachten hatte sie beim Betreuungsgericht darauf gedrungen, dass ihr Schützling in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen wird. Wegen, wie es in in dem Antrag heißt, Fremd- und Eigengefährdung. Die Zeugin sagte, sie habe Panik gehabt und Beruhigungsmittel geschluckt. „Er hätte jeden Tag vor der Tür stehen können.“

Lesen Sie hierzu auch:

Versuchter Mord: Täter war wie eine tickende Zeitbombe

Hätten Behörden den blutigen Macheten-Angriff verhindern können?

Eltern mit Machete attackiert: Monheimer steht vor Gericht

Versuchter Doppelmord: Sohn schlägt mit Machete auf Eltern ein

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren