Kunst

06.08.2013

Der Wert des Werks

Alt und Jung schauen aufeinander, respektieren sich. Den Respekt, den Walter auf dem Geburtstagsteller der Bundes-SPD als allgemeingültige Weise zeichnerisch darstellte, ihn vermisst er manchmal im gesellschaftlichen Umgang mit Künstlern.
Bild: Thomas Hilgendorf

Ob Bilder, Zeichnungen oder Teller. „Dumpingpreise“ gehen auf Kosten der Hersteller und kaum ein Künstler könne heute von seiner Hände Arbeit leben, kritisiert Helmut C. Walter

Kaisheim-Gunzenheim Er hat etwas zu sagen – und Menschen, die so sind, die ecken von Zeit zu Zeit an. Helmut C. Walter war lange Lehrer, doch im Herzen eigentlich stets Künstler. Man sieht das an allen Wänden in Walters Haus auf dem Dorf. Die Kunst, sie ist seine Aufgabe, seine Berufung. „Kunst soll sich mit etwas auseinandersetzen“, sagt Walter. Er selbst tut das. Seit 2011 mit der Stadt Rain.

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Dass man an Rains Gartenschaugelände sein Stahlobjekt damals einfach „abgesägt“ habe, wie Walter sagt, das habe ihn aufgeregt. Er empfand das als respektlos. Auch wenn Künstler jene vermeintlichen Respektlosigkeiten ja gewohnt sein müssten: Der Künstler an sich, er stehe in der Gesellschaft entweder ganz oben („die Wenigsten“) oder ganz unten („die Masse“). Ein „Dazwischen“, das gebe es kaum. Und so würde auch die Kunst, das Werk, all zu oft nur wenig geachtet.

Walters weitläufiges Haus im Kaisheimer Ortsteil Gunzenheim zeugt jedoch nicht von materiell armen Verhältnissen. Bunt und fantasievoll sind die weißen Wände ausstaffiert, mit Walters Bildern. Gleich ob Leinwände in Pastellfarben oder Comics, es gibt immer was zu entdecken. Im Dachgeschoss: die Werkstatt, genau wie in der Garage. Die Sonne scheint durch die großen Glastüren herein, im Garten sattes, helles Grün. Ein Kleinod, das sich Walter jedoch mit dem Gehalt als Pädagoge finanzierte. Die Kunst, sie habe stets wenig abgeworfen, resümiert Walter. Das war der Grund dafür, Kunsterzieher zu werden.

Der Wert des Werks

Kunst solle halt nichts kosten

Kunst dürfe eben nichts kosten. Dies, so Walter, sei bei all zu vielen die Einstellung und letztlich auch der Grund dafür, dass die Masse derjenigen, die sie betreiben, sich kaum oder gar nicht über Wasser halten könnten. Walter liefert ein Beispiel aus eigener Erfahrung: Für eine große Hilfsorganisation habe er in den späten Siebzigerjahren ein Plakat kreiert. Eine stilisierte Taube. Weiß, mit Ölzweig, von kräftigen Farben umrahmt. Nicht geschniegelt, aber äußerst werbewirksam. Hieraus entwarf man in der Folge Aufkleber, erklärt Walter, welche verkauft worden seien. Viele dürften das Bild kennen, etwa von den Heckscheiben an den Autos der Spender. Etwa 1000 Mark habe er dafür bekommen, soweit sich Walter erinnert. Zu wenig, wie er meint – zumal viel Geld mit seinem Logo umgesetzt worden sei. Walter meint, er wolle ja nicht jammern – er bemängelt jedoch die Dumping-Mentalität in Verbindung mit Massenkonsum. Das Wertvolle, die Arbeitsleistung des Einzelnen würde seiner Meinung nach zu wenig respektiert. Und wenn sie mal geachtet würde – bei den wenigen Künstlern, die horrende Summen einstrichen –, dann übertreibe man. Übermaß oder Geiz statt Angemessenheit. Das gesunde Maß fehle schlichtweg.

Beispiel Nummer zwei liefert Walter ebenfalls aus der eigenen Geschichte. Eigentlich sei jener Anruf ja zunächst eine Anerkennung für den überregional bekannten Walter gewesen. Ein Anruf aus der Parteizentrale der SPD: „Ich hab erst mal aufgelegt“. Walter fühlte sich veräppelt. Doch dann ließen die Spezial-Beauftragten des Willy-Brandt-Hauses nicht locker. Weitere Anrufe, kein Aufgeben. Nein, man wolle ihn nicht aufs Korn nehmen. Walter sollte sich nur überlegen, ob er nicht den Jubiläumsteller zum 150. Geburtstag der SPD entwerfen wolle – „keine Ahnung, wie die auf mich gekommen sind“. Er sagte zu. Ein kleiner Kreis prominenter Gratulanten sollte den Teller ausgehändigt bekommen, wie Walter berichtet: Helmut Schmidt, die Kanzlerin, ... Herausgekommen ist ein tiefroter, eckig-geschwungener Teller mit einer filigranen Zeichnung. Keine politische, sondern eine allgemeingültige Weise ist darauf abgebildet: Die Politik, in diesem Falle „die alte Tante SPD“, sie müsse sich verantwortungsvoll auf die Belange der Jungen konzentrieren. Ein schönes Bild, ein schöner Auftrag: Alt unterstützt und hilft Jung lautet die Botschaft. Doch ganz glücklich ist der Künstler trotzdem nicht. Was Walter wurmt, ist etwas anderes. Im Internet fand der pensionierte Lehrer seinen Teller in einem Online-Shop. „Auflage: 1000 Stück“ stand dort geschrieben. Ein kleiner Kreis, wie man ihm versichert hätte? Nun ja, er sehe das anders. Er hätte dann auch etwas mehr verlangt als jene 1500 Euro. Auch weil der Teller im Verkauf knapp 80 Euro koste.

1500 Euro für den Künstler von einem potenziellen Gesamtumsatz von 80000 Euro. Das mag juristisch zwar alles sauber sein mit der Bezahlerei – fein findet es Walter dennoch nicht. Ob der Künstlerlohn zu wenig ist, das sei aber zumindest eine Diskussion wert. Die Kunst, sie lebe ja schließlich von der Auseinandersetzung, meint Walter.

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