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Serie (2)

07.01.2019

Der kopflose Reiter von der Katzenstein-Mühle

Die Mühle bei Katzenstein steht schon lange nicht mehr. Die Familie des Müllers verließ nach dem Tod des Vaters den Ort. Doch der kopflose Reiter soll laut der Legende noch heute bei Nebel über die Felder und Wiesen reiten.

In der zweiten Folge unserer Sagen-Reihe geht es um einen wilden Ritter, der einen armen Müller mit seinem Schimmel niederritt. Noch heute soll der Übeltäter sein Unwesen treiben

Einen ganz besonderen Zauber haben die Nächte um das Neujahr. Sie werden auch Raunächte genannt. Nach altem Volksglauben eine Zeit, in der Geister und Dämonen ihr Unwesen treiben. Der ideale Zeitpunkt also, um alte Sagen wieder aufleben zu lassen. In der folgenden Serie präsentieren wir Erzählungen aus dem Kreis Donau-Ries, die drohen, in Vergessenheit zu geraten. Kreisheimatpfleger Herbert Dettweiler hat viele von ihnen gesammelt – und weiß, woher sie stammen. In unserer zweiten Sage geht es um einen wilden Ritter, der bei Herbststürmen noch immer sein Unwesen im beschaulichen Katzenstein treiben soll.

In einem abgeschiedenen Seitental der Wörnitz befand sich früher eine kleine Ritterburg auf dem „Hänslesbuck“. Unterhalb der Festung befand sich eine Mühle. Über viele Generationen lebten die Familien des Ritters und die Familien des Müllers friedlich nebeneinander. Der Ritter bot der Müller-Familie in Notzeiten Schutz in der Burg, dafür konnte sich die Familie des Ritters darauf verlassen, dass der Müller in Notzeiten immer etwas zum Essen hatte. Es war ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis. Bis der „Wilde Hans“ – wie er von Einheimischen genannt wurde – in der Ritterburg den Ton angab. Der junge Mann war nicht nur ein leidenschaftlicher, sondern vor allem rücksichtsloser und brutaler Jäger. Er jagte, wie es ihm passte, und machte nicht vor dem Eigentum der Nachbarn halt. Mit seinem Ross und einer Horde von Hunden preschte er durch die bestellten Felder des Müllers. Dass die Existenz der Familie von der Ernte abhing, interessierte den wilden Ritter nicht.

Eines Tages, als gerade die Kirchenglocken vom Nachbardorf Hoppingen zur heiligen Messe läuteten, ritt er wieder einmal zur Jagd. Vor ihm sprang ein erschrockener Hirsch auf und floh in Windeseile vor dem Jäger. Als das Tier im Mühlenfeld, wo das Korn schnittreif stand, verschwand, ließ der Ritter nicht von dem Hirsch ab. Mit seinem Pferd und einer Meute von Jagdhunden bretterte er über das Feld und zerstörte das Getreide. Das Tier entkam, ohne dass der Jäger es abschießen konnte. Erbost ritt er wieder zurück – und nahm erneut den Weg mitten durch das Feld. In diesem Moment kehrte der Müller vom Gottesdienst nach Hause. Mit Schrecken musste er feststellen, welchen Schaden der Ritter angerichtet hatte. Der Müller rannte auf ihn zu und wollte sich dem Reiter in den Weg stellen. Doch dieser ritt seinen Nachbarn nieder. Blutend lag der Müller am Boden. „Den Hals sollst du dir dafür brechen“, soll er vor Schmerzen geschrien haben. Der „Wilde Hans“ antwortete mit einem höhnischen Gelächter und ritt, ohne zu helfen, davon. Der Müller erholte sich nicht mehr von den Verletzungen. Er verstarb kurze Zeit später. Seine Familie zog weg und die Mühle verkam. Doch der letzte Wunsch des Müllers wurde erhört: Bei einer erneuten Hetzjagd übersah der Jäger im Nebel einen tief hängenden Ast. Der riss den Reiter von seinem Pferd und warf ihn zu Boden. Der „Wilde Hans“ brach sich den Hals. Er wurde ohne kirchlichen Segen begraben. Da der Ritter zu Lebzeiten nie für seine Sünden gebüßt hatte, fand er nach dem Tod keinen Frieden. Wie Legenden besagen, soll der „Wilde Hans“ noch heute bei herbstlichem Nebel ruhelos mit seinem Schimmel über die Äcker bei Katzenstein jagen. Seinen Kopf trägt der Reiter unter dem Arm. (dz)

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