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Soziales

29.11.2018

Die Armut ist in Donauwörth nicht immer weit weg

Die neue Ausgabestelle der Donauwörther Tafel an der Zirgesheimer Straße. Gut 600 Personen werden von der Einrichtung der Caritas mitversorgt.
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Die neue Ausgabestelle der Donauwörther Tafel an der Zirgesheimer Straße. Gut 600 Personen werden von der Einrichtung der Caritas mitversorgt.
Bild: Thomas Hilgendorf

Plus Die Tafel der Caritas in Donauwörth wird von vielen Menschen in Anspruch genommen. Darunter finden sich Menschen, die schwere Schicksalsschläge verkraften müssen.

Die Räume sind größer geworden, hier an der Zirgesheimer Straße. Und die Menschen müssen nicht mehr wie auf dem Präsentierteller anstehen, um nach dem zu fragen, was für das Leben notwendig ist. Die Donauwörther Tafel ist seit dem Juli vergangenen Jahres nicht nur räumlich gewachsen, sie bietet den Kunden durch die abgeschiedenere Lage auch einen größeren Schutzraum. Der Bedarf indes ist unzweifelhaft da für die Einrichtung der Caritas – auch in einer wirtschaftlich prosperierenden Region.

Manche schaffen es einfach nicht mit dem Wenigen, was sie haben, über die Runden zu kommen. Ihr Weg führt dann zu Hilfseinrichtungen wie der Donauwörther Tafel, die von der katholischen Caritas getragen wird. Man handelt hier im Sinne der christlichen Nächstenliebe: „Bei uns wird keiner abgewiesen“, betont Branko Schäpers, der Geschäftsführer der Caritas. Wenn jemand kommt mit leerem Geldbeutel und leerem Bauch, dann soll er hier etwas bekommen. Damit er dauerhaft über die Tafel mitversorgt werden kann, braucht der Kunde allerdings einen Ausweis, den er erst nach einem Sozialberatungsgespräch bei der Caritas bekommt. Das ist nötig, damit es nicht zu einem Missbrauch der Lebensmittelspenden kommt. Die Tafel in Donauwörth und deren Außenstelle in Bäumenheim werden indessen rege in Anspruch genommen, erklärt Schäpers: 295 Ausweise habe die Caritas ausgestellt, gut 600 Menschen würden damit regelmäßig versorgt. Diese Zahl sei in den vergangenen zwei Jahren ziemlich konstant geblieben – mit einer leichten Tendenz nach oben, wie Schäpers anmerkt.

Viele Asylbewerber nehmen Angebot in Anspruch

Die Zusammensetzung der Klienten habe sich jedoch, so der Caritas-Geschäftsführer, seit der Asylkrise des Jahres 2015 merklich verändert. Das Verhältnis Einheimische-Migranten stehe inzwischen in einem Verhältnis 50:50. Bei den Migranten handle es sich hauptsächlich um anerkannte oder geduldete Asylbewerber, die außerhalb des Donauwörther Ankerzentrums leben. Am Anfang habe es in Bezug auf einige Asylbewerber durchaus Schwierigkeiten gegeben, sagt Schäpers. Das habe sich allerdings „inzwischen eingependelt“ : Die Caritas hat mehrsprachige Infozettel ausgegeben, aus denen hervorgeht, was Sinn und Zweck der Tafel ist – und dass die Einrichtung eben kein Supermarkt ist, sondern eine maßgeblich von Ehrenamtlichen betriebene und auf Spenden basierende karitative Einrichtung. Seitdem laufe es besser.

Gut 20 Prozent der einheimischen Kunden sind derweil Rentner. Schäpers prognostiziert, dass deren Anteil in den kommenden Jahren steigen werde: „Hier zeigen sich auch die Auswirkungen des Niedriglohnsektors. Das wird uns wohl mehr und mehr beschäftigen.“ Auch das Thema „arm trotz Arbeit“ sei in diesem Zusammenhang inzwischen spürbar an der neuen Ausgabestelle an der Zirgesheimer Straße, die sich direkt gegenüber der Arbeitsagentur befindet. Zehn Prozent der Klienten seien normal berufstätig, verdienen jedoch so wenig, dass sie die Tafel in Anspruch nehmen müssen. Wer die beengten Verhältnisse aus der Pflegstraße noch kennt, der schätzt die neuen Räume an der Zirgesheimer Straße, die im Juli 2017 eingeweiht wurden, umso mehr. Heller ist es, und weniger Menschen müssen draußen warten bis sie an der Reihe sind. Über eine Rampe ist der Ausgaberaum auch mit dem Rollstuhl zu erreichen. Gut 70 Freiwillige engagieren sich insgesamt für die Einrichtung.

40-Jähriger bricht in Tränen aus

Philomena Ferber aus Bäumenheim arbeitet seit mittlerweile 14 Jahren ehrenamtlich bei der Tafel. Sie hat einige Schicksale erlebt – wie jenes eines gut 40 Jahre alten Mannes, der eines Tages plötzlich da stand. Verdruckst in der Ecke, nah dran, wieder kehrtzumachen. Als Ferber ihn ansprach, brach er prompt in Tränen aus. Seine Frau sei einige Zeit vorher bei einem Unfall ums Leben gekommen, er müsse sich nun um die drei kleinen Kinder kümmern – er wisse nicht, wie er seiner Arbeit als Metzger noch nachkommen könne. Ferber hörte zu, die Tafel half sofort bei der Versorgung. Einige Zeit verstrich, er stand wieder da. Und überreichte selbst eine Lebensmittelspende. Die Dinge konnte er ordnen. Die Tafel sei eine Art Anker gewesen in der schwierigen Zeit. Diese Geschichten, sie seien Motivation für ihr Engagement, sagt Ferber.

Sie kennt ebenso wie Schäpers die Vorbehalte, mit denen sich die Tafelmitarbeiter teils auseinadersetzen müssen – dass die Leute halt selbst Schuld seien, dass sie eben härter arbeiten müssten ... Schäpers ist es schier leid geworden, dazu etwas zu sagen. Er kennt die Biografien, die Schicksale. Ein Kopfschütteln über die rasch geäußerten Vorurteile, das könne helfen, wertvolle Energie zu sparen. Energie, die die Menschen, die hier jeden Donnerstagvormittag ab 9 Uhr anstehen, wohl etwas mehr zu schätzen wissen.

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