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Landwirtschaft

12.08.2016

Die Geschlechter der Kartoffel

Kartoffeln haben Namen wie Linda oder Charlotte. Aber warum heißen sie nicht Wolfgang?
Bild: Foto: Harisson-Zehelein

Linda ist in Deutschland am beliebtesten. Auch Charlotte und Sieglinde mag man. Eine aktuelle Petition fordert: Kartoffeln sollen in Zukunft mehr männliche Namen tragen.

Das Streben nach einer umfassenden Gleichberechtigung beider Geschlechter führt mitunter zu fragwürdigen Forderungen. In der Vergangenheit waren es oft Frauen, die sich nicht genug repräsentiert fühlten. In diesem Fall ist es umgekehrt. Auf dem Online-Petitionsforum des Deutschen Bundestages findet sich gegenwärtig folgender Text: „Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass es ab sofort ein ausgewogenes Verhältnis zwischen männlichen als auch weiblichen Kartoffelnamen bei der Sortenbestimmung gibt.“

Der Verfasser der Petition stützt seine These, es gäbe sehr viel mehr weibliche Kartoffeln als männliche, auf den deutschen Wikipedia-Eintrag „Liste von Kartoffelsorten“. Über 90 Prozent davon seien weiblich, schreibt er in seiner Erläuterung zur Petition. Er wünsche sich für die Kartoffeln ein ähnlich faires Benennungsprinzip wie bei Hoch- und Tiefdruckgebieten, wo seit 1998 jährlich zwischen männlichen und weiblichen Namen abgewechselt wird.

Karl-Heinz Götz ist der Kreisobmann des Landkreises Donau-Ries im Bayerischen Bauernverband. Als aktiver Landwirt baut er selbst auf 20 Hektar Kartoffeln an. Mit der Ernte in diesem Jahr könne man zufrieden sein, sagt er. Durch den regelmäßigen Regen waren die Wachstumsbedingungen für die Pflanzen ideal. Eine Diskussion über Kartoffelnamen hält er für unnötig. Für ihn haben die Namen vorrangig einen praktischen Nutzen. Diese könne man sich einfach leichter merken, als die Nummern, mit denen zum Beispiel in der modernen Maiszüchtung gearbeitet würde. Und auch wenn es nach einer Binsenweisheit klingt: Am Ende sei es doch das Wichtigste, dass die Kartoffel gut schmecke.

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Manfred Schott, Mitglied der Geschäftsleitung des Kartoffel-Centrums Bayern in Rain am Lech, ist überrascht von der Forderung. Sie seien da jedoch völlig unvoreingenommen. Es dürften gern auch mehr männliche Namen sein. Er erklärt weiter: „Dass es fast nur weibliche Namen gibt, stimmt so nicht. Wir haben bei uns durchaus viele männliche oder gar Zwitter.“ Damit meint er Kartoffeln, deren Namen weder eindeutig feminin noch maskulin sind, zum Beispiel „Arcade“, „Fontane“ oder „Premiere“. Es seien vor allem die Speisekartoffeln, die weibliche Vornamen tragen. In der Regel seien diese Züchtungen mehrere Jahrzehnte alt und wurden von den Züchternzum Beispiel nach ihren Ehefrauen benannt. Speisekartoffeln sind die Sorten, die der Verbraucher auf dem Markt oder im Supermarkt kaufen kann. Bekannte Vertreterinnen sind „Linda“ und „Christa“.

Daneben gibt es die sogenannten Verarbeitungskartoffeln. Diese Sorten sind meist zwischen fünf und zehn Jahre alt und werden in Fabriken zu Chips, Pommes, Kartoffelbrei und weiteren Fertigprodukten verarbeitet. Eine weit verbreitete Sorte ist „Asterix“, ein eindeutig männlicher Name, wie Comicliebhaber sofort wissen werden. Auch „Challenger“ oder „Innovator“ klingen eher maskulin.

Für den Kartoffelanbau im Landkreis Donau-Ries rechnet Schott sogar eine einigermaßen gerechte Geschlechterverteilung vor. Auf rund 1450 Hektar werden im Landkreis Kartoffeln angebaut. Davon entfallen 130 Hektar auf Stärkekartoffeln. Diese dritte Gruppe an Kartoffeln können man vernachlässigen. Auf den übrigen circa 1300 Hektar würden etwa zu gleichen Teilen die „weiblichen“ Speise- und die „männlichen“ Verarbeitungskartoffeln wachsen.

Wer das Anliegen der Petition mit der Nummer 66662 unterstützen will, hat noch bis 17. August Zeit, sich einzutragen. 50000 Personen müssten die Petition mitzeichnen, damit sich der Petitionsausschuss des Bundestags damit beschäftigt. Weitere Mitzeichner werden dringend benötigt. Am Donnerstag waren es gerade einmal 96 Unterschriften.

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