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Vertriebene

18.04.2015

Die Landsmannschaft löst sich auf

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Dieses Gedenkkreuz der Heimatvertriebenen steht auf dem Friedhof in Wemding. Es soll weiter gepflegt werden.

Die Ortsgruppe der Sudetendeutschen in Wemding gibt es jetzt nicht mehr. Warum ein Kapitel der Heimatgeschichte zu Ende geht und wie es im Landkreis aussieht

Als der Zweite Weltkrieg zu Ende war, mussten die Sudetendeutschen ihre Heimat im heutigen Tschechien verlassen. Schätzungsweise 12000 Angehörige der Volksgruppe landeten im Raum Donauwörth und Nördlingen, viele von ihnen ließen sich hier dauerhaft nieder. Die Vertriebenen schlossen sich in Ortsgruppen der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) zusammen – um sich laut Kreisobmann Erwin Hofmann (Donauwörth) „zu trösten und zu stärken“ und sich für „die Wiedergewinnung der Heimat“ einzusetzen. 70 Jahre nach dem Ende des Kriegs ist von der SL im Donau-Ries-Kreis nicht mehr viel übrig. In Wemding hat sich nun der größte noch verbliebene Ortsverband aufgelöst.

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„Wir mussten aufhören“, sagt Friedrich Herold. Er war zuletzt Vorsitzender, hatte jedoch aus persönlichen Gründen für dieses Amt keine Zeit mehr. Trotz intensiver Suche fand er keinen Nachfolger. Einst habe die Ortsgruppe bis zu 150 Mitglieder gehabt, zuletzt seien es noch gut 40 gewesen. Tendenz sinkend. Mit seinen 75 Jahren sei er einer der „Jüngeren“ gewesen, berichtet der Vorsitzende. Die nachfolgende Generation habe keinen Bezug mehr zur Landsmannschaft gehabt, erklärt Herold.

Dadurch sei das Ende der 1952 gegründeten Ortsgruppe unausweichlich gewesen. Die elf anwesenden Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung fassten den entsprechenden Beschluss. Bürgermeister Martin Drexler dankte für die großartige Leistung, welche die überwiegend sudetendeutschen Heimatvertriebenen seit Kriegsende gesellschaftlich und wirtschaftlich in Wemding und Umgebung vollbracht haben. Drexler sagte, er sei überzeugt, dass auch das Interesse der jüngeren Generation an der Vergangenheit wieder wachsen werde.

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Das angesparte Geld bleibt in der Stadt

„Wir halten uns, so lange wir uns noch organisieren können“, merkt Kreisobmann Erwin Hofmann an. Er vertritt jetzt nur noch die Ortsgruppen Donauwörth (deren Vorsitzender er selbst ist; 35 Mitglieder) und Riedlingen (15). Einige Wemdinger Mitglieder werden wohl in die Donauwörther Ortsgruppe wechseln. Diejenigen, die nicht in der Versammlung waren, werden schriftlich informiert und gebeten, sich zu entscheiden.

Hofmann erklärt, ihm sei klar, dass man die alte Heimat nicht zurückfordern könne, aus der die Sudetendeutschen nach 800 Jahren unschuldig vertrieben worden seien. Auf was der Kreisobmann hofft: „Das tschechische Parlament könnte sich dafür mal entschuldigen.“ Friedrich Herold blickt angesichts der eigenen Vergangenheit derzeit gespannt auf die aktuelle Flüchtlingsproblematik. „Die Welt kommt nicht zur Ruhe“, so seine Erkenntnis.

Das Geld, das die Wemdinger Ortsgruppe angespart hat, soll nach dem Willen der Mitglieder für die Pflege und den Erhalt der Gedenkstätte auf dem Friedhof verwendet werden.

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