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Feiertage

31.03.2018

Die Osterpredigt soll überzeugend sein

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Die Vorbereitung der Predigt gehört zu den wichtigsten Diensten an der Gemeinde, sagt Dekan Robert Neuner.
Bild: Izsó

Was ist das Geheimnis einer guten Predigt? Ein Gespräch mit zwei Pfarrern über die Kunst, Menschen mit Worten zu erreichen, was es bedeutet, wenn sich die Gläubigen oft räuspern und ob in diesem Beruf auch ein gewisses schauspielerisches Talent nötig ist.

Donauwörth Ostern ist für die Kirchen das höchste liturgische Fest – und für Pfarrer eine große Herausforderung. In diesen Tagen müssen sie besonders viele Predigten halten – und besonders viele Menschen hören ihnen zu. Wie kann man Menschen mit Worten erreichen? Darüber haben wir mit dem katholischen Donauwörther Stadtpfarrer, Dekan Robert Neuner, und seinem evangelischen Kollegen, Dekan Johannes Heidecker, gesprochen.

Herr Dekan Neuner, Herr Dekan Heidecker, was ist eine gute Predigt?

Neuner: Wenn die Predigthörer wenigstens einen Gedanken davon mitnehmen können, der sie bewegt.

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Heidecker: Aus einer guten Predigt können die Hörer ein Wort, eine Anregung, einen Impuls mindestens für die neue Woche mitnehmen.

Wie lang ist eine ideale Predigt?

Neuner: Eine gute Predigt wird vielleicht zu schnell vorbei sein. Eine weniger gute dauert immer zu lang.

Heidecker: Im Studium hieß es: „Der Pfarrer darf über alles predigen, aber nicht über 20 Minuten. 15 Minuten so zu predigen, dass die Gedanken der Hörer nicht abschweifen, ist schon eine Kunst. Wenn die Gemeindemitglieder denken „Schade, dass es schon vorbei ist“, war die Länge gut.

Wie bereiten Sie sich auf die Predigt vor?

Neuner: Zuerst lese ich die vorgesehenen Texte der Heiligen Schrift, über die gepredigt werden soll. Gebet und Betrachtung über die Schrifttexte sowie Studium wenigstens eines Kommentars schließen sich an. Berücksichtigen mag ich, was gerade aktuell los ist. Und immer wieder die betende Frage und das fragende Gebet: Jesus, was würdest du sagen? Papier und Stift liegen von Anfang an griffbereit. Ich habe noch nie eine Predigt im Amtszimmer des Pfarrbüros vorbereitet. Da brauche ich den Schreibtisch oder auch das Wohnzimmer in meiner Wohnung.

Heidecker: Jeder Predigt liegt ein Bibeltext zugrunde. Den übersetze ich als erstes aus der Originalsprache. Ich möchte wissen, was ursprünglich dasteht, denn jede Übersetzung ist auch schon Interpretation und Auslegung. Idealerweise geschieht das eine Woche vor dem Predigttermin, dann begleitet mich der Text durch die Woche und kommt so in Verbindung mit den Menschen, denen ich in dieser Woche begegne. Ich lese erklärende Fachliteratur und nehme mir Zeit für Stille und Gebet. Am Donnerstag oder Freitag schreibe ich dann einen ersten Entwurf. Die letzten Änderungen nehme ich manchmal erst am Sonntagmorgen vor.

Ist bei der Osterpredigt etwas anders als sonst?

Neuner: Die Osterpredigt gehört zum höchsten Fest, das wir Christen feiern. Erfahrungsgemäß ist die Gottesdienstgemeinde auch größer als sonst. An Ostern – vielleicht noch intensiver an Weihnachten – sind die Gemeindemitglieder da, die sonst eher nicht kommen. Da ist mir wichtig, dass jeder erfahren darf, dass er willkommen ist.

Heidecker: Ostern ist für mich der höchste Feiertag im Kirchenjahr. Die Botschaft von der Auferstehung Jesu steht an Ostern und damit auch bei der Predigt im Mittelpunkt.

Ist es nicht schwer, jedes Jahr eine neue Predigt zu machen?

Neuner: Was heißt jedes Jahr eine neue Predigt? Bei uns ist es üblich, zwar nicht an den Werktagen, aber an allen Sonntagen zu predigen. Bei immer größer werdenden Seelsorgeinheiten ist es oft so, dass für einen Sonntag mehrere Predigten vorzubereiten sind, weil die eine Gemeinde ganz normal den Sonntag feiert, in einer anderen Gemeinde ein Vereinsjubiläum oder Ähnliches gefeiert wird. Das ist schon oft eine Herausforderung. Aber die Vorbereitung der Predigt gehört für mich zu einem der wichtigsten Dienste an meiner Gemeinde. Das wird sich in der Predigt niederschlagen.

Heidecker: Jedes Jahr? Für viele Pfarrer jeden Sonntag. Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe. In der evangelischen Kirche haben wir sechs Reihen von Bibeltexten, wir stoßen also erst im siebten Jahr wieder auf denselben Text. Jeder Text hat seine Besonderheiten, im Alltag bewegt uns immer wieder anderes – so können immer wieder neue Predigten entstehen. Und ich stelle oft fest, wenn ich Predigten von vor sechs Jahren lese: Das würde ich heute anders sagen.

Merkt man beim Predigen, wie die Zuhörer auf einen Reagieren?

Neuner: Vom Ambo aus kann ich gut beobachten, ob die Zuhörer mitgehen oder nicht. Auffällig häufiges Husten, Räuspern oder Nase putzen können ein deutliches Zeichen sein: Jetzt reicht es allmählich.

Heidecker: Ja. Ich spüre, ob sie dabei sind oder nicht.

Haben Sie Angst, wenn einen so viele Menschen anstarren?

Neuner: Nein. Angst davor habe ich nicht, aber Respekt und Achtung vor der Gemeinde Jesu, die jetzt zuhört.

Heidecker: Nein. So lange sie mich anschauen, können sie mir folgen. Kritisch ist es für mich eher, wenn sie unruhig in der Gegend rumschauen. Dann merke ich, dass ich an ihnen vorbei predige.

Muss ein Prediger auch ein Schauspieler sein?

Neuner: Bei der Predigtausbildung im Priesterseminar hatten wir den bayerischen Staatsschauspieler Peter Pius als Sprecherzieher, der uns auch auf Mimik und Gestik aufmerksam machte. Das war sehr wertvoll und ist mir heute noch eine große Hilfe. Aber der Prediger schlüpft nicht in eine Rolle, wie es Schauspieler tun. Er muss mit seiner Person überzeugen können, so wie er ist. Wahrhaftigkeit ist gefragt.

Heidecker: Ja, wenn es um das „Handwerkszeug“, die Sprache geht, die sollte ausgebildet und deutlich sein. Nein, wenn es um den Inhalt, um die Botschaft geht. Ein Prediger ist ein Zeuge. Er steht für das ein, was er sagt.

Geht es darum, seinen Weg zu finden? Üben Sie das?

Neuner: Ja, in Weggemeinschaft mit der Gemeinde sucht der Prediger seinen Weg, Jesus nachzufolgen. Wir sind ja auch niemals fertig mit unserem Glauben – er mag sich weiter entwickeln. Darum merke ich, wenn ich manchmal eine vor Jahren gehaltene Predigt nochmals durchlese: Das müsste und wollte ich heute anders sagen als damals: Gott sei Dank, wenn wir nicht stehen bleiben, sondern unseren Weg weitergehen.

Heidecker: Jeder Prediger, jede Predigerin ist eine Persönlichkeit. Und deren Aufgabe ist es, als Person glaubwürdig Gottes Wort zum Klingen zu bringen. Letztlich ist jede Predigt eine Übung auf diesem Weg.

Haben Sie die Freiheit, zu sagen, was Sie denken?

Neuner: Wie die Feier der Liturgie niemals Privatsache des Zelebranten ist, so geschieht auch die Verkündigung des Wortes Gottes innerhalb der Gemeinschaft der Kirche. Das markiert einen gewissen Rahmen, bedeutet aber nicht, dass ich mein eigenes Denken aufgeben müsste. Ja, die Freiheit habe ich.

Heidecker: Grundsätzlich ja. Es gibt in der evangelischen Kirche kein Lehrmonopol. Meine Aufgabe auf der Kanzel ist es, die biblischen Texte in Einklang mit unseren Bekenntnissen auszulegen. Da können auch Fragen und Zweifel thematisiert werden.

Gibt es denn manchmal auch Beschwerden?

Neuner: Es gibt manchmal Rückmeldungen, dass ich jemand besonders ansprechen konnte. Beschwerden im eigentlichen Sinne eigentlich nicht. Manchmal gibt es Themen, die in den Medien bereits ausführlich behandelt werden und ohnehin schon an jeder Straßenecke diskutiert werden. Da höre ich schon auch: bitte jetzt nicht auch noch im Gottesdienst.

Heidecker: Es gibt manchmal Rückmeldungen, zustimmende oder auch kritische. Direkte Beschwerden habe ich noch nicht erlebt.

Wie erklären Sie Ihren Zuhörern die Auferstehung?

Neuner: Das geht nicht. Die Evangelien erzählen, dass die Freunde Jesu dem auferstandenen Christus begegnet sind. Von dieser Begegnung mit ihm haben sie sich packen lassen und sich auf den Weg gemacht, um von ihren Erfahrungen zu erzählen. Was anderes kann und will ich heute auch nicht tun.

Heidecker: Auferstehung kann ich nicht erklären. Sie ist kein Rätsel, dem ich auf die Spur kommen kann, sondern ein Wunder, ein Geheimnis. Ich kann das Zeugnis von der Auferstehung weitergeben. Die Jünger damals sind dem Auferstandenen begegnet. Dann konnten sie glauben, dass er auferstanden ist. Mir geht es nicht anders: Ich kann Christus nicht begegnen, ich erlebe, wie er mich begeistert – das kann ich bezeugen.

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