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Donauwörth

27.01.2020

Die neue Stadtarchivarin ist Geheimnissen auf der Spur

Cathrin Hermann ist die Hüterin der historischen Archive der Stadt Donauwörth. Vieles sei noch unerforscht, sagt die promovierte Historikerin.
Foto: Foto. Thomas Hilgendorf

Plus Cathrin Hermann betont die Wichtigkeit der Stadtgeschichte. Warum man die Erinnerung stets pflegen sollte

Eigentlich sollte man als Kind den Berufswunsch „Detektiv“ gehabt haben – jedenfalls wenn man Archivar einer Stadt sein möchte. Denn irgendwie ist man ja Hüter verborgener Schätze oder gar Geheimnisse. Und ohne Spürnase würde dieser Job aller Wahrscheinlichkeit nach keinen Spaß machen. Das meint jedenfalls Cathrin Hermann, die im Sommer die Nachfolge von Ottmar Seuffert im Donauwörther Stadtarchiv angetreten hat. Inzwischen hat sie sich schon ein wenig eingearbeitet – und ist überzeugt, dass in den vielen Regalmetern noch etliche Schätze der Vergangenheit schlummern.

Es sei faszinierend, wie sich aus kleinen und teils kleinsten Hinweisen, die vor Jahrhunderten aufgeschrieben wurden, nach und nach ganze Geschichten erschlössen, schildert die aus der Nähe von Stuttgart stammende promovierte Historikerin.

Vieles istnoch unbekannt

So geben beispielsweise Rechnungen der Armenkasse nachhaltig Aufschluss über die Gesellschafts- und Sozialgeschichte in früheren Zeiten. Daraus ließen sich dann unter Umständen sogar einzelne Schicksale nachverfolgen. Vieles in der Historie sei noch unbekannt, sagt Hermann, wenngleich die großen Wegmarken der Geschichte gesetzt seien: Herrscher und ihre Häuser, größere Konflikte, eben diese prägnanten Daten. Das sei in der Tat weithin bekannt. Doch das Alltagsleben der Menschen anno dazumal, darüber liege oftmals ein Schleier. „Früher war Papier ganz einfach sehr wertvoll und nur das Nötigste und Wichtigste wurde aufgeschrieben“, erklärt Hermann. Von daher müsse man eben auch Quellen wie Rechnungsschriften und ähnliches interpretieren.

Die vorhandenen Quellen zu bewahren, das sei – mit der Auswertung der Inhalte – eigentlich die wichtigste Aufgabe als Archivarin. Es ist eine Art Pflege der Wurzeln, damit die Nachwelt stets noch weiß, wo sie herkommt – damit die Entwicklung der Kultur vor Ort nachverfolgt werden kann. Es ist die Verbindung zum Schaffen der Vorfahren, die eben nicht abreißen sollte. Und es ist eben die Hoffnung, stets etwas Neues, Interessantes zu entdecken im Fundus der lokalen Historie.

Das Dritte Reichist nur grob erschlossen

Wie in jedem Archiv, in das über Jahrhunderte Akten über Akten abgelegt worden sind, liege auch in Donauwörth viel Unerforschtes, sagt Hermann. Sie gehe beispielsweise davon aus, dass auch zum Themenkomplex „Drittes Reich“, bei dem die Bestände „nur grob erschlossen“ seien, noch einiges auszuwerten wäre – das ist eines der zahlreichen Vorhaben der kommenden Monate und Jahre.

Neben der Kernaufgabe – Bewahrung, beziehungsweise Konservierung des Bestands – sind im laufenden Jahr Vorträge und Ausstellungen in Donauwörth geplant. Hermann hofft, dass man sich noch enger vernetzen kann in der Stadt, dass es Kooperationen gibt bei der Organisation und Umsetzung von geschichtlich-kulturellen Veranstaltungen. Die Volkshochschule Donauwörth etwa sei dabei ein wichtiger Ansprechpartner. Veranstaltungen auch mit populärwissenschaftlichem Anspruch seien immens wichtig, meint Hermann: „Die Geschichte ist wichtig für die lokale Identität, Menschen brauchen diese Informationen darüber, was früher war, wo sie herkommen.“ Auch für Geschichtsprojekte an den Schulen sei sie deswegen stets offen.

Ferner spiele auch die Digitalisierung eine nicht unerhebliche Rolle. Mithin illusorisch sei es allerdings, alle Dokumente selbst zu digitalisieren.

Digitalisierungist wichtig

Jedoch arbeiten Hermann und ihre Kollegen bereits aktuell daran, eine Bestandsübersicht digital und für jeden einsichtig im Internet zu präsentieren. „Bisher rufen Interessierte von außerhalb oft an und fragen: ’Habt ihr etwas?’ zu einem bestimmten Thema. Künftig sollen sich die Menschen schon über die Bestände vorinformieren können.“

Die Relevanz der Geschichte müsse fortwährend betont werden, sagt die Historikern, die in Tübingen und Wien studiert hatte, bevor sie am Linzer Stadtarchiv und zuletzt am Institut für Zeitgeschichte in München arbeitete: Neue Recherchen führten zu neuen Erkenntnissen. Und so sei Geschichte auch heute nichts Abgeschlossenes, über das ausreichend erzählt worden sei.

Jahresfeiern oder Jubiläen böten stets einen guten Anlass, an gewichtige Wegmarken der Historie zu erinnern. Und so stehe heuer im Herbst (4. November) eine Veranstaltung zum Thema „600 Jahre Spitalstiftung Donauwörth“ auf dem Programm. Im kommenden April gedenkt die Stadt der Bombardierung im Jahre 1945.

Des weiteren ist eine Beteiligung des Archivs an der Lichternacht geplant. Und wer das Stadtarchiv einmal ganz grundsätzlich kennenlernen möchte, der hat am Tag der Archive im März dazu Gelegenheit (genaues Datum wird noch angekündigt).

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