1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. „Die schönsten Rinder der Welt“

Tiere

18.11.2014

„Die schönsten Rinder der Welt“

Andreas Wild streichelt seine Lieblingskuh Pia. Der 20-Jährige züchtet in Wittesheim zusammen mit Vater Wolfgang und Bruder Jonas Pinzgauer Rinder.
Bild: Claudia Hamburger

Familie Wild aus Wittesheim züchtet Pinzgauer. Sie ist im Landkreis die einzige, die diese seltenen Tiere besitzt

Die Rinder genießen ihre für dieses Jahr letzten Tage auf der Weide. Sie haben sich in die hinterste Ecke der Koppel verzogen. Um sie zu entdecken, muss der Besucher erst einmal hinter dem Hof der Familie Wild in Wittesheim über die Wiese stapfen, im Zickzack an den Hinterlassenschaften der besonderen Tiere vorbei.

Nahe des elektrischen Zauns stehen sie und schauen neugierig auf: die einzigen Pinzgauer Rinder im ganzen Landkreis. Sie werden von Wolfgang Wild und seinen beiden Söhnen Jonas und Andreas seit rund vier Jahren gezüchtet. Die aus Österreich stammenden Pinzgauer Rinder sind recht selten und gehören deshalb zu den gefährdeten Nutztierrassen.

„Typischerweise sind diese Rinder kastanienbraun gefärbt“, erklärt Andreas Wild. An Rücken und Bauch haben sie weiße Stellen. Ebenso an den Unterbeinen und -schenkeln – dort nennt man diese „Fatschen“. In der kleinen Herde auf der Koppel stechen aber auch einige wenige schwarze Exemplare ins Auge. „Die sind besonders selten“, so der 20-Jährige nicht ohne Stolz. „Eine schwarze Pinzgauer Kuh, so sagt man, ist eine Glückskuh.“ Andreas Wilds Glückskuh heißt Helene und hat bereits einige weitere schwarze Tiere zur Welt gebracht. Dabei habe sie eine besondere Vererbung: Manche der Kälber werden zwar rotbräunlich geboren, ändern nach einigen Monaten ihre Fellfarbe aber in Schwarz.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die kleine Zucht in Wittesheim begannen die drei männlichen Familienmitglieder 2010. „Ich wollte schon immer Pinzgauer haben“, sagt Andreas Wild, „die haben mir imponiert. Sie sind einfach die schönsten Rinder der Welt.“

Mittlerweile sind 16 Tiere dieser Rasse auf dem Hof zu Hause, zehn wurden dort auch geboren. Fast alle sind genetisch hornlos, obwohl das Pinzgauer Rind in seiner ursprünglichen Art Hörner besitzt. Die sind aber zu gefährlich. So mussten einer hinzugekauften Kuh mit Hörnern diese entfernt werden. „Sie hat vorher die anderen Rinder immer aus dem Weg getrieben und sich dann das beste Futter geholt“, erinnert sich Wolfgang Wild.

Im Februar oder März bekommen die Tiere meist Nachwuchs. Der kommt mit 40 bis 60 Kilogramm auf die Welt. Ausgewachsen bringen die Kühe dann rund 800 Kilo auf die Waage, Stiere sogar bis zu einer Tonne. Ab April verbringen die Rinder die meiste Zeit auf der Weide, bekommen aber jeden Abend Futter im Stall. „Damit sie den Bezug zu uns nicht verlieren“, erklärt Wolfgang Wild. Ab Mitte November, also in den nächsten Tagen, dürfen sie den Stall dann wegen Nässe und Rutschgefahr nicht mehr verlassen. Zu diesem Zeitpunkt sind die Kühe im besten Falle wieder trächtig. Sie pflanzen sich mit dem Zuchtbullen Hugo auf natürliche Weise fort.

Die gezüchteten weiblichen Tiere behalten die Wilds in der Regel. Männliche hingegen verkaufen sie entweder an andere Zuchten weiter oder lassen sie schlachten. Sie halten ihre Pinzgauer Rinder nämlich als Fleischvieh. „Das Fleisch dieser Tiere ist besser als argentinisches Rindfleisch“, sagt Wolfgang Wild. „Es ist weich und feinfaserig. Das Fett ist sehr gleichmäßig verteilt.“ Die Fleischzucht habe einen großen Vorteil zur Milchviehhaltung: Sie sei weniger arbeitsintensiv. Für Familie Wild perfekt, schließlich dient der landwirtschaftliche Hof nur dem Nebenerwerb.

Die drei Wilds kennen ihre Haustiere ganz genau. In einem sogenannten Herdbuch, das vom Fleischrinderverband Bayern geleitet wird, halten sie die Daten der Rinder zusammen. Jedes hat darin eine eigene Seite, auf der Name, Geburtsdatum und Ahnen bis zum Ururgroßvater festgehalten werden. Ebenso sind dort die Bewertungen notiert, die die Rinder von Spezialisten erhalten haben. Nach der ersten Kalbung kann ein Tier nämlich in den Kategorien Typ, Bemuskelung und Skelett Punkte erhalten. Die am besten bewerteten Rinder präsentieren die Wilds auf verschiedenen Schauen.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Bild_Brand_Auchsesheim(1).jpg
Donauwörth-Auchsesheim

Ursache für Brand an Wohnhaus unklar

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden