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02.07.2010

Dieses Gesicht war schon in der Vogue

... das Model macht stets eine gute Figur.
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... das Model macht stets eine gute Figur.

Donauwörth Ihr Gesicht erschien bereits in der Vogue und der Elle, zwei der renommiertesten Mode-Zeitschriften Deutschlands. Sie machte Werbung für BMW und Porsche, sie hatte einen Auftrag für die hochwertige Dessous-Marke Triumph, Jobs in Athen und Kapstadt und bald soll in Frankreich ein Werbespot mir ihr im TV für den Kosmetik-Giganten L'Oreal anlaufen. Die Rede ist hier nicht von einem berühmten Topmodel aus Paris, sondern von Susanne Hertle aus Donauwörth.

Die 25-Jährige, die in Mauren aufgewachsen ist, arbeitet seit sieben Jahren nebenberuflich als Model. Sie ist auf dem Boden geblieben. Mit ihrem Freund lebt sie in Donauwörth, vor wenigen Monaten hat sie sich als Mediengestalterin selbstständig gemacht und sie selbst bezeichnet ihre Model-Tätigkeit als "ganz normal, so wie jeder andere Job halt auch".

Sie ist hübsch, sie ist schlank und sie ist groß. Deshalb kam von Freunden oft der Vorschlag, ob sie nicht modeln wolle. Also hat sie 2003 in Dillingen bei einem Mode-Wettbewerb mitgemacht. Hier gewann sie ein Lauftraining. Bei der "Miss Augsburg"-Wahl schaffte sie zwar nur den fünften Platz, dafür hat sie dort den Chef ihrer ersten Modelagentur kennengelernt. Für ihre Sedcard - also die Bewerbungsunterlage, die bei Agenturen, Magazinen oder Fotografen vorgezeigt wird - benötigte sie professionelle Aufnahmen. Ein Fotografie-Student hat das erledigt. "Das war zwar mein erstes Shooting, musste aber Hand und Fuß haben", erzählt sie: "Am Anfang war das ganz schön ungewohnt."

Oft tun sich Anfänger zusammen, um sich gegenseitig zu helfen: Ein junges Model braucht für die Agentur gute Aufnahmen, der Fotograf und die Visagistin brauchen ebenfalls Referenzen. So muss keiner der Beteiligten dem anderen ein Honorar zahlen, da schließlich alle von der gemeinsamen Arbeit profitieren. Doch bereits Hertles zweiter Fototermin (Shooting) war bei einem Profi. Dann hatte sie viele weitere Aufnahmen in ganz Deutschland - schließlich braucht man als Model möglichst viele, möglichst unterschiedliche professionelle Aufnahmen von sich, um sich damit bei eventuellen Auftraggebern zu bewerben. "Irgendwie wächst man in die Sache dann hinein, man lernt immer mehr Fotografen kennen." Ein Selbstläufer sei das Modeln dennoch nicht - es bedarf laut dem Model viel Ausdauer und Willensstärke, um Erfolg zu haben. Jahrelang hatte sie keinen Urlaub; schließlich hat sie während ihrer Ausbildung nur an Urlaubstagen als Model arbeiten können.

Dieses Gesicht war schon in der Vogue

Auch an den sprichwörtlichen schwarzen Schafen kommt man nicht vorbei. Eine schlechte Erfahrung machte Susanne Hertle 2005. Der Auftrag hörte sich toll an: Sie durfte bei einer Modenschau in Berlin laufen, auf dem längsten Laufsteg Europas. Ein Fernsehsender hat das Spektakel gefilmt, versprochen wurden Shootings, Kontakte in der Branche und ein hohes Gehalt. Die Wahrheit sah ganz anders aus: Dreimal musste die junge Frau von Donauwörth nach Berlin reisen, einmal zum Casting, einmal zur Anprobe und einmal zur Show. Von dem versprochenen Gehalt hat sie bis heute keinen Cent erhalten. "Die Enttäuschung war natürlich groß, aber solch eine Erfahrung muss man wohl mal gemacht haben. So etwas passiert mir heute nicht mehr."

Sie stellt klar: "Modeln ist ein knallharter Job." Deswegen brauche man nicht nur eine gute Agentur hinter sich, die unseriöse Angebote von vornherein blockiert, "man muss sich auch trauen, was zu sagen." Zum Beispiel, wenn der Fotograf plötzlich Oben-ohne-Aufnahmen möchte, obwohl das nicht vereinbart war. Da seien Standfestigkeit und Selbstbewusstsein nötig. Deswegen sagt sie auch: "Für eine 14-Jährige ist diese Branche das falsche Milieu."

Sie selbst ist durch Agenturen in ganz Deutschland vertreten. Ihre Hauptagentur ist Tune Model Management aus München, eine kleine exklusive Agentur mit nur wenigen Models unter Vertrag. Diese Agentur hat der 1,78 Meter großen Blondine schon viele Aufträge vermittelt. Ende 2009 war sie für zwei Wochen in Athen. Hier hatte sie insgesamt 30 Vorstellungstermine absolviert und am Ende vier Aufträge erhalten. Ende März kam sie nach drei Monaten aus Kapstadt zurück. Hier wurde sie für vier Zeitschriften-Titelblätter fotografiert und für einen TV-Werbespot gebucht sowie für die Werbung für eine Brauerei.

Diese tollen Erlebnisse, die sie hat, lässt sie an ihrem Traumberuf festhalten - auch die Tatsache, dass sie in Athen und in Kapstadt alles ganz alleine gemeistert hat, macht sie stolz. Und die Erfahrungen seien in der Regel positiv: "Die Teams, mit denen ich bisher zusammengearbeitet habe, waren meistens total nett." Kürzlich bekam sie eine E-Mail von einem Kofferhersteller. Die Firma verzeichnet eine Umsatzsteigerung, seitdem Susanne Hertle das Gesicht der Marke ist.

Ein Supermodel will die 25-Jährige dennoch nicht unbedingt werden. Ihre Wünsche klingen bodenständiger. Sie träumt davon, für den Katalog eines großen Versandhauses zu werben. Hertle ist an einem Punkt angekommen, an dem sie Jobs ablehnen kann. "Einmal sollte ich Kampfspielzeug für Kinder bewerben", erzählt sie. "Das habe ich abgelehnt."

Auch andere Dinge lehnt sie ab, zum Beispiel das Magerdiktat der Modebranche. Das Model hält seine schlanke Figur mit den Maßen 87-63-93 dank gesunder Ernährung und Sport: "Das ist gut machbar. Aber zu dünn ist schrecklich." Sie weiß auch von manchen Kolleginnen, die Druck bekommen, abzunehmen. Gerade in Frankreich seien die sogenannten Magermodels gefragt. Susanne Hertle hat ihre Grenzen gezogen und will diese nicht überschreiten. Deswegen nehme sie nicht ab, mache keine Akt-Aufnahmen und gebe sich nicht für jeden Job her. Wegen dieser Einstellung ist sie für Werbeanzeigen gefragt.

Mit Werbung kennt sie sich auch hauptberuflich aus. Die guten Beziehungen zu Fotografen weltweit und das Trendgespür helfen ihr, in ihrem Beruf als Mediengestalterin zu arbeiten. Sie möchte auch nicht in eine Mode-Metropole umziehen. In Donauwörth halten sie Freund und Familie. Und auch der ein oder andere Job: Kürzlich hatte sie einen Auftrag auf der Harburg. Der Fotograf Marcus Carlson setzte sie ins rechte Licht - dabei wurden Geräte eines Blitzherstellers beworben. Im Schnitt hat Susanne Hertle pro Woche einen Job. Aber wenn sie daheim ist, dann ist sie nicht das Model, das bereits in der Vogue zu sehen war. Daheim ist sie einfach nur die Susi.

Im Internet gibt es mehr Infos

www.susannehertle.de

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