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Kreis Donau-Ries

23.01.2019

Donau-Ries: Der Fachkräftemangel ist jetzt sichtbar

Ein Handwerker kann sich heutzutage sicher sein: er wird gebraucht.
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Ein Handwerker kann sich heutzutage sicher sein: er wird gebraucht.
Bild: Monika Skolimowska, dpa

Plus Eine Metzgerei schließt ihre Zweigstelle vorübergehend. Die erfolglose Personal-Suche ist kein Einzelfall. Was Firmen versuchen, um Mitarbeiter zu gewinnen.

In der Metzgerei Böhm in Nördlingen gibt es gegenwärtig kein Fleisch und keine Wurst zu kaufen. An der Ladentüre hängt ein Schild: „Aus personellen Gründen bleibt unser Geschäft derzeit geschlossen.“ Seit Wochen sucht der Handwerksbetrieb nach einer Fachkraft, die in einer Vollzeitstelle die Filiale in der Hallgasse leitet. Stellenanzeigen auf der eigenen Internetseite oder Inserate blieben bislang erfolglos. Das ist kein Einzelfall in der Region.

Andrea Griese ist die Tochter des Chefs der Metzgerei Werner Böhm. Gegenüber unserer Zeitung sagt sie, dass es derzeit schwierig sei, Fachkräfte in dem Beruf zu finden. Nachwuchs könne seit Jahren nicht mehr ausgebildet werden, da keiner Metzger werden wolle. Griese sagt, dass das Berufsbild des Metzgers zu unattraktiv sei, denn das Problem der fehlenden qualifizierten Arbeitnehmer gebe es auch in anderen Filialen. Findet sie in den kommenden Wochen niemanden für den Job, dann wird das Geschäft in Nördlingen dauerhaft geschlossen, sagt Griese.

Arbeitsmarkt sieht eigentlich gut aus

Der Fachkräftemangel in der Region betrifft allerdings nicht nur Metzgereien, und das, obwohl der Arbeitsmarkt eigentlich gut aussieht. Oder gerade deshalb?

Die Arbeitslosenquote im Landkreis lag im Dezember mit 1,4 Prozent auf einem der niedrigsten Stände seit Beginn der Aufzeichnungen. In realen Zahlen sind derzeit 1112 Menschen in der Region arbeitslos. Diese Zahlen teilt die Agentur für Arbeit Donauwörth mit. Laut Pressesprecherin Christine Jung haben Arbeitnehmer in der aktuellen Situation Vorteile auf dem Markt. Eine Fachkraft, die sich arbeitslos meldet, müsse nicht lange auf ein Berufsangebot warten. Betriebe hingegen, die nach solchen Arbeitern suchen, fänden oft mehrere Monate niemanden.

Diese Erfahrung hat auch Stefan Kirchner gemacht. Er leitet einen Farben-Groß- und Einzelhandel in Nördlingen und sucht seit September nach einer Vollzeitkraft für seinen Betrieb. Er kann sich nicht erklären, warum er niemanden findet. Er passe die Bezahlung ständig an und zahle sogar übertariflich. Außerdem sagt er, dass auch das Betriebsklima gut sei und das Umfeld.

Lösen kann das Kirchners Problem allerdings nicht. Laut dem Geschäftsführer des Farben-Groß- und Einzelhandels würden viele mögliche Fachkräfte in die Industrie gehen, da sie dort besser bezahlt werden, unabhängig vom Wohnort. Deshalb bemüht sich Kirchner um eigenen Nachwuchs. Das sei für den Betrieb zwar mühsam, da der Auszubildende an vielen Tagen wegen der Schule fehle, aber so könne er das Geschäft für die Zukunft gut aufstellen. Und dafür finde er auch Interessenten.

Unbeliebt sind die Logistikbranche und die Gastronomie

Ein Blick in die beliebtesten Berufe bei Auszubildenden der Industrie und Handelskammer Schwaben zeigt, dass die Vermutung Kirchners, viele würden lieber in der Industrie arbeiten, nicht unbegründet ist. Auf Platz eins steht der Industriekaufmann. In den Top-Fünf kommt auch noch der Industriemechaniker vor. Mangelware seien hingegen künftige Fachkräfte in der Logistikbranche, etwa Berufskraftfahrer oder Auszubildende in der Gastronomie.

Im Handwerk blickt man immerhin auf stabile Zahlen bei den Auszubildenden. Im Jahr 2013 gab es 297 neue Verträge, 2017 rund 30 mehr. Das teilt die Handwerkskammer Schwaben mit.

Auch beim Bauunternehmen Münsinger in Blossenau ist man sich seit einigen Jahren bewusst, dass man als Arbeitgeber etwas tun muss, um neue Fachkräfte zu finden und das bestehende Team zu halten. „Hilfsarbeiter findet man an jeder Ecke, aber wirkliche Facharbeiter wie Baugeräteführer oder Elektroanlagenbauer – da tun wir uns schwer“, sagt Eva Münsinger von der Geschäftsführung. Aktuell könnte sie etwa vier bis fünf Stellen besetzen. Seit etwa drei Jahren arbeiten ihr Mann und sie gezielt am öffentlichen Image der Firma. „Wir wollen uns bekannt machen, moderner und besser vermarkten und klar kommunizieren, was wir bieten“, sagt Münsinger. Das funktioniere. Die Firma hat ihr Logo, den Online-Auftritt modernisiert und die Werbung in den Medien verstärkt. Die Firma geht auf Schulen zu und bildet nun selbst mehr aus – mittlerweile sieben verschiedene Berufe.

Wertschätzung für Mitarbeiter

Wer mal dabei sei, solle auch davon profitieren: Das Unternehmen zahle Urlaubs- und Weihnachtsgeld, stelle ein Firmenfahrzeug und biete Coaching für die Mitarbeiter. „Dabei geht es nicht nur ums Geld, sondern um die Wertschätzung, die dahinter steckt“, sagt Münzinger. Außerdem sei man beispielsweise flexibel, wenn Angestellte am heimischen Hof Erntezeit haben oder familiär belastet sind. Aktuell arbeiten in Blossenau 60 Mitarbeiter.

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