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Landkreis Donau-Ries

22.02.2021

Donau-Ries-Kreis: Jäger erklären, warum Lebendfallen sinnvoll sind

Hans-Jörg Sautter an einer sogenannten Lebendfalle. Diese hat der Jäger im Raum Tapfheim installiert, um Raubwild zu fangen. Dazu gehört in erster Linie der Fuchs. Läuft ein Tier in die Röhre, löst es einen Mechanismus aus und Schieber gehen nach unten.
Bild: Wolfgang Widemann

Plus Ein Teil der Jäger im Donau-Ries-Kreis setzt auf sogenannte Lebendfallen. Damit stellen sie bestimmten Tieren nach. Aber immer wieder sind Vandalen am Werk.

Wenn Hans-Jörg Sautter sieht, dass ein Feldhase über die Wiese hoppelt oder Rebhühner auf einem Acker nach Nahrung suchen, dann freut er sich – nicht weil er als Jäger die Tiere vor der Flinte habe, sondern weil er bestaunen könne, dass sich diese Geschöpfe in der Natur tummeln. Das sei nicht immer so gewesen. Vor einigen Jahren habe man kaum noch Niederwild oder Bodenbrüter im Donautal beobachten können. Ein wesentlicher Grund dafür seien die Füchse gewesen, die sich stark vermehrt hätten. Um das sogenannte Raubwild – dazu gehören auch Marder, Dachse und neuerdings zunehmend eingewanderte Waschbären und Marderhunde – kurz zu halten, besann sich Sautter auf diese Methode: die Jagd mit Lebendfallen.

Sautter bezeichnet sich diesbezüglich als Vorreiter in der Region. Inzwischen hat er zahlreiche solche Fallen in Wald und Flur platziert. Hauptsächlich sind es mehrere Betonröhren, die aneinandergelegt, mit einem Köder bestückt und auf beiden Seiten mit Metallschiebern versehen werden, die – wenn ein Tier in die Röhre geht und einen Mechanismus auslöst – nach unten fallen. Die Technik sei einfach, „aber es funktioniert“.

Erst kürzlich wurde nahe Flotzheim eine Lebendfalle demoliert

Manchem Zeitgenossen, der in der Landschaft spazieren geht, sind diese Fallen, die inzwischen ein Teil der Jäger in Nordschwaben verwendet, offenbar ein Dorn im Auge. Erst kürzlich erwischte ein Weidmann nahe Flotzheim zwei Männer, 64 und 58 Jahre alt, die eine Lebendfalle demolierten. Der Polizei gegenüber gab das Duo an, es sei der Meinung, dass diese Fallen so nicht aufgestellt und betrieben werden dürften.

Solche Sachbeschädigungen hätten schon viele Jäger im Donau-Ries-Kreis erlebt, berichtet Robert Oberfrank, Vorsitzender der Jäger-Kreisgruppe Donauwörth. Die Weidmänner würden sogar persönlich sowie am Telefon anonym beleidigt und unter anderem beschuldigt, „aus purer Mordlust zu handeln“. Oberfrank bringt dies beinahe aus der Fassung.

Anwendung von Lebendfallen "so alt wie die Jagd selbst"

Die Jagd mit Lebendfallen sei völlig legal und „so alt wie die Jagd selbst“. In der hiesigen Gegend diene sie dem Schutz von Bodenbrütern (beispielsweise Rebhuh, Brachvogel, Kiebitz, Wachtelkönig) und des sogenannten Niederwilds. Zu dem gehören vor allem Hasen. Hauptfressfeinde dieser Tiere seien die genannten Raubtiere. Gerade die Bestände des Fuchses seien derart gewachsen, dass er zu einer Bedrohung für viele Tierarten geworden sei. Hinzu komme, dass Füchse zahlreiche Krankheiten übertragen können, die für Menschen und Haustiere gefährlich sind.

Um den Bruterfolg der selten gewordenen Bodenbrüter zu sichern, haben sich Oberfrank zufolge Jäger, Behörden und Umweltverbände darauf geeinigt, die Jagd mit den Röhrenfallen zu verstärken. Erfolgsmeldungen aus Revieren bestätigten, dass man hier auf dem richtigen Weg sei.

Jäger: Wertvoller Beitrag für den Artenschutz

Die Fallenjagd unterliege strengen Auflagen, betont der Jäger-Vorsitzende. Um solche Fallen einzusetzen, bedürfe es einer besonderen Ausbildung. Die Fallen müssten regelmäßig kontrolliert werden – mindestens einmal am Tag. Durch den Zeitaufwand sei es nicht jedem Weidmann möglich, die Fallen zu verwenden. Hans-Jörg Sautter hat so viele Fallen im Einsatz, dass er täglich an die zwei Stunden unterwegs sein müsste. Der Rettinger hat die Röhren deshalb mit elektronischen Meldern ausgestattet. Sobald sich Schieber schließen, erhält der Jäger eine Nachricht auf sein Handy. Trotzdem schaue er ein- bis zweimal pro Woche persönlich nach den Fallen.

Die Entnahme der gefangenen Raubtiere müsse „sorgsam, zügig und konzentriert“ erfolgen, erklärt Robert Oberfrank. Dem Tier dürften keine unnötigen Leiden oder Schmerzen zugefügt werden.

Insgesamt, so betonen Oberfrank und Sautter, leisteten die Lebendfallen einen wertvollen Beitrag für den Artenschutz. Schade sei, dass in der heutigen Zeit die Felle der Raubtiere – beispielsweise der „Winterbalg“ des Fuchses – nicht mehr sinnvoll verwertet werden könnten: „Dies wäre eigentlich nachhaltig und hätte eine optimale Ökobilanz.“

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21.02.2021

Wieder einmal ein sehr einseitiger Artikel zum Thema Jagd. Nun haben also die Jäger ihre Liebe zur Fallenjagd wiederentdeckt - und sind fassungslos, weil ein Großteil der Bevölkerung diese Begeisterung nicht teilen mag. Fallenjagd ist grausam. Auch eine sog. Lebendfalle verlässt kein Tier lebend. Die Zeit vor ihrem Tod verbringen die Tiere in Panik, in Todesangst versuchen sie, zu entkommen. Wieder einmal wird die grausame Fallenjagd mit der Prädatorenbejagung gerechtfertigt. Hauptsächlich trifft es den Fuchs, der den Jägern von jeher als Beutekonkurrent verhasst ist. Dass die Jagd keinen Einfluss auf die Population der Füchse hat, dass die Bestände dort, wo sie nicht bejagt werden, stabiler sind - und das auf einem niedrigeren Niveau - wird nicht erwähnt. In Luxemburg ist die Fuchsjagd seit Jahren verboten - ohne negative Auswirkungen. Für den Rückgang der Bodenbrüter sind vielmehr unsere Agrarsteppe, fehlende Lebensräume, der Einsatz von Pestiziden und fehlendes Nahrungsangebot verantwortlich. Der Fuchs ernährt sich überwiegend von Mäusen und Aas. Die Notwendigkeit der Fallenjagd ausgerechnet mit der unnötigen Fuchsbejagung begründen zu wollen, zeigt, dass sich große Teile der Jägerschaft wissenschaftlichen Erkenntnissen standhaft widersetzen. Allerdings muss die Not groß sein, wenn ich jetzt fast wöchentlich ganzseitige Jagdpropaganda in diversen Tageszeitungen lesen muss. Ich werte das eher als gutes Zeichen: die Jagd gerät unter Druck und muss sich zunehmend rechtfertigen. Dennoch würde ich mir eine etwas ausgewogenere Berichterstattung zu dem Thema wünschen. So sollten in einem solchen Beitrag schon auch Tierschützer, Wildbiologen oder andere Experten außerhalb der Jägerschaft zu Wort kommen.

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