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Bundeswehrreform

22.10.2011

Donauwörth bangt um Zukunft seiner Kaserne

Schilder in der Alfred-Delp-Kaserne auf dem Donauwörther Schellenberg weisen den Weg zu den einzelnen Dienstgebäuden des Bataillons für Elektronische Kampfführung 922. Sind sie bald überflüssig?
Bild: Foto: Widemann

Ein Damoklesschwert hängt über der Kaserne auf dem Donauwörther Schellenberg. Bleibt sie offen oder wird sie geschlossen? Eine Situationsbeschreibung.

In welche Richtung mag er sich wohl bewegen, der Finger von Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière? Eine Frage, die derzeit viele Bundeswehrstandorte beschäftigt. Geht der Daumen nach oben, wäre die absehbare Zukunft gesichert, weist er nach unten, so ist das gleichbedeutend mit dem Aus. Denn der Verteidigungsminister trifft die Entscheidung im Prozess der Bundeswehrreform allein. Er braucht die Zustimmung des Parlaments nicht. Allerdings wird er dieses am kommenden Mittwochmorgen über seine Festlegungen unterrichten, nachdem vorher von ihm das Kabinett und die Generalität informiert wurden.

Einer der Kandidaten, dessen Zukunft mit einem dicken Fragezeichen versehen ist, ist der Standort Donauwörth. Das Zittern war noch nie so groß, seit Soldaten auf dem Schellenberg beheimatet sind. Das Bataillon für Elektronische Kampfführung 922 (EloKaBtl 922) ist 1959 unter dem Namen Fernmeldeaufklärungsbataillon 220 gegründet worden und ist, wie erst jüngst wieder berichtet, seit über 42 Jahren in der Alfred-Delp-Kaserne untergebracht. Für die wäre eine Investition von rund 45 Millionen Euro nötig, um sie wieder in einen zeitgemäßen Zustand zu bringen.

Die elektronische Aufklärung, welche die rund 1000 Soldaten derzeit unter anderem im Dauereinsatz im Kosovo (seit 1999) und in Afghanistan (seit 2011) betreiben, ist zwar bei militärischen Aufträgen nicht mehr wegzudenken, trotzdem ist die Zukunft Donauwörths unsicher. Denn die Konkurrenz ist groß: Frankenberg, Daun und Nienburg heißen die Mitbewerber im Überleben. Und gerade im EloKa-Bereich hat auch die Technik sich verbessert – Schlagwort unbemannte Flugzeuge –, sodass künftig einfach weniger Soldaten gebraucht werden.

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Andere Aspekte werden die Entscheidung des Bundesverteidigungsministers ebenso beeinflussen. Nämlich jene, wie strukturschwach ist der Raum, in dem sich ein Standort befindet. Da hat nun Donauwörth glänzende Arbeitsmarktzahlen aufzuweisen. Weshalb es ein langjähriger Kenner der Szene jüngst gegenüber unserer Redaktion so formulierte: „Gegen Fakten helfen Emotionen wenig“.

Immer in Verliererrolle

Diese „Emotionen“ sind nicht mehr so, wie es sie schon mal gegeben hat: in der Zeit des sogenannten „Kalten Krieges“. Damals erlebten die Menschen in Nordschwaben hautnah die Präsenz des Militärs. Dies geschah etwa in Form der großen Manöver genauso durch Schützenpanzer, die durch Donauwörth rollten, um am Bahnhof verladen zu werden. Eine heute unvorstellbare Menge militärisches Potenzial lagerte auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs, allein 10000 Atomwaffen auf dem Gebiet der Bundesrepublik.

Schaut man etwas zurück, dann muss man registrieren, dass Donauwörth immer „Verlierer“ bei Bundeswehrreformen war beziehungsweise im Zuge des Vertrags zum Truppenabbau nach dem Fall der Mauer. 1993 wurde das hier stationierte Panzerartilleriebatallion 305 aufgelöst, ein Jahr zuvor schon das Kreiswehrersatzamt dichtgemacht. 2000 wurde das Verteidigungsbezirkskommando weggenommen, nachdem bereits das Verteidigungskreiskommando weggefallen war. Vervollständigt wurde die Negativliste 2003, als die Standortverwaltung (seit 1996 ohnehin nur noch eine Außenstelle) verschwand.

Auch Gespräch mit Seehofer

Und nun? Im Juli hatten Georg Schmid und Ulrich Lange (beide CSU) Christian Schmidt, den Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesverteidigungsminister, nach Donauwörth eingeladen, um die Lage zu sprechen. Gabriele Fograscher versuchte auf der SPD-Schiene etwas zu bewegen. Vor wenigen Tagen erst trafen sich in „geheimer Mission“ erneut Schmid sowie Landrat Stefan Rößle und OB Armin Neudert mit Horst Seehofer, um Unterstützung seitens des Ministerpräsidenten zu erbitten.

Bandbreite vergrößert

Zwischenzeitlich ist bekannt geworden, dass die Bandbreite der Entscheidungsfindung vergrößert worden ist. Nämlich dahin gehend, wo wehrtechnische Industrie angesiedelt ist, komme dies nahezu einem Bundeswehrstandort gleich. Da hat Donauwörth ebenfalls kein Defizit vorzuweisen. Obwohl, wie berichtet, die Firma Eurocopter Abstriche bei den Aufträgen für den Bau des Kampfhubschraubers Tiger und Transporthubschraubers NH 90 hinnehmen soll.

Über den Standort Donauwörth hängt unübersehbar ein Damoklesschwert. Nimmt es da Wunder, dass sich die Politiker vor Ort auf den „Super-GAU“ einstellen? Aber vielleicht kommt es ja doch noch anders, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Abgeschlossen sein soll die Umsetzung jedenfalls bis spätestens in den Jahren 2017/18.

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