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Donauwörth

21.01.2020

Donauwörth wächst gegen den Trend: Das sind die Folgen

Donauwörth könnte am Ende dieses Jahrzehnts bereits 23000 Einwohner haben. Das zumindest ist das Ergebnis einer neuen Studie.

Plus Die neueste Sozialraumanalyse bedeutet für die Stadt Donauwörth: Vor allem durch Zuzüge und Zuwanderung nimmt die Zahl der jüngeren und jüngsten Bürger zu. 

Noch vor wenigen Jahren herrschte miese Stimmung, wenn Sozialwissenschaftler ihre Statistiken an die Wand projizierten. Die Balken auf den Diagrammen zur Einwohnerzahl in der Region nahmen mit jedem Jahr ab – im besten Fall könnte die Zahl stagnieren. Soweit die Annahmen damals.

Das Bild hat sich in den vergangenen zehn Jahren für Donauwörth wie auch weite Teile der Region rund um die Große Kreisstadt allerdings schier gänzlich gewandelt. Das zeigt eine neue Studie, die im Auftrag der Stadt ausgearbeitet und nun im städtischen Hauptausschuss präsentiert wurde.

Zukunftsrelevante Planungen

Warum jene Analysen zur demografischen und wirtschaftlichen Entwicklung wichtig sind, betonte Oberbürgermeister Armin Neudert gleich zu Beginn der Sitzung im Rathaus: Es gehe letztlich um zukunftsrelevante Planungen, etwa darum, mit wie vielen Kitaplätzen und Klassen in den einzelnen Schularten zu rechnen haben.

Auf der anderen Seite geht es auch darum, zu sehen, wie viele ältere Bürger in den kommenden zehn Jahren in der Stadt leben werden. Unter dem Strich, so führte Herbert Tekles vom Büro Demosplan aus, werde es – wie allerorts in der Republik – mehr ältere und damit auch mehr pflegebedürftige Personen geben, aber, und das ist eine Entwicklung gegen den deutschlandweiten Trend, eben auch mehr Jüngere und Jüngste.

Großes Angebot an Jobs

Grund dafür, so Tekles, seien Zuzüge aus anderen deutschen und bayerischen Regionen aufgrund des großen Angebots an Arbeitsplätzen, aber auch die Zuwanderung aus dem Ausland. Maßgeblich seien hier Migranten aus östlichen EU-Staaten (aktuell: 1414 von 20492 Einwohnern), weiteren osteuropäischen Nationen (1001) sowie 506 Migranten mit Fluchthintergrund.

Deren Zahl habe zuletzt um zehn Prozent abgenommen, wohl auch aufgrund der Schließung des Donauwörther Ankerzentrums für Asylbewerber. Bei den deutschen Staatsbürgern schlage dagegen der sogenannte „Pillenknick“ durch, die Zahl stagniert bestenfalls. Rund ein Drittel der Belegschaft der Donauwörther Betriebe könnte in den kommenden fünf bis zehn Jahren in den Ruhestand gehen, von daher seien Zuzüge und auch Zuwanderung ökonomisch durchaus relevant, meinte Tekles.

Die Statistiker gehen insgesamt davon aus, dass die Stadt Donauwörth bis 2029 um gut 3000 Personen auf 23000 Einwohner anwachsen wird. Für den ländlichen Raum erscheint dies, vor allem im Deutschlandvergleich, außergewöhnlich.

Tekles führte weiter aus, dass in Donauwörth sowohl Kita- beziehungsweise Krippenplätze als auch Kindergartenplätze flächendeckend aufgebaut werden müssten. Und zwar möglichst rasch, denn die Jüngeren kämen schon „demnächst“, wie Tekles vorsichtig aber eindringlich formulierte, in die Einrichtungen.

Mittelschule verstärkt im Fokus

Ebenfalls gegen den allgemeinen Trend (auch im Freistaat): Die Mittelschule würde, so Tekles, verstärkt gebraucht, da davon auszugehen sei, das gerade viele der jungen Ausländer über diesen Schultyp ihren Abschluss machten. Ebenso seien steigende Zahlen in den Grundschulen zu erwarten – freilich auch, weil in der Parkstadt mit dem Alfred-Delp-Quartier auf dem vormaligen Bundeswehr-Areal ein ganz neues Siedlungsgebiet mit bis zu 2000 Einwohnern entsteht.

Diese Bauplätze (und auch weitere) würden im Stadtgebiet weiter dringend benötigt, betonte der Wissenschaftler – denn die Zahl der Einpendler sei in Donauwörth weiterhin höher als die der Auspendler. Dieses Pendlersaldo sei zuletzt sogar „rasant angestiegen“. Auf der anderen Seite bedeutet diese positive Entwicklung, dass die Zahl der Erwerbslosen erfreulicherweise von 600 Personen im Zeitraum 2005/ 06 auf aktuell knapp 200 gefallen ist. Nur 20 Arbeitslose sind unter 25 Jahre alt, was einem deutschen Spitzenwert entspricht.

Weitere Wohnungen benötigt

Summa summarum brauche es in der Stadt unbedingt weiteren Siedlungsraum, 1200 bis 1400 Wohneinheiten würden in dem nächsten zehn Jahren benötigt. Davon sollten 50 Prozent größere Wohnungen sein, doch gerade bei den Wohnungen für Einzelne habe die Stadt „Nachholbedarf“. „Ohne Neubaugebiete wird die Einwohnerzahl sinken“, mahnte Tekles. Im Bereich des sozialen Wohnungsbaus müssten 87 Wohnungen entstehen, die unbedingt nicht geballt, sondern gemischt mit anderen Wohnungsarten gebaut werden sollten um soziale Brennpunkte zu verhindern.

Ebenfalls interessant: Die Zahl der Straftaten, gemessen nach dem sogenannten „Tatortprinzip“, liege mit 5,4 pro 100 Einwohnern auf „niedrigem Niveau“. Laut der Analysten von Demosplan sei die Sicherheitslage damit sehr stabil.

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