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19.02.2015

Donauwörther leitet eine Provinz der Dominikaner

Die Dominikaner in Süddeutschland und Österreich haben Pater Thomas Gabriel Brogl zu ihrem Leiter gewählt. Der 37-Jährige stammt aus Donauwörth.
Bild: Orden

Thomas Brogl verließ mit 19 Jahren seine Heimat, um Theologie zu studieren. Nun hat er in seinem Orden ein hohes Amt inne.

Es ist eine steile Karriere, das muss Pater Thomas Gabriel Brogl selbst zugeben. Gerade einmal 37 Jahre ist er alt, als er Anfang der Woche in ein hohes Amt des Dominikanerordens gewählt wird. „Ich glaube, ich bin der jüngste Leiter in der Geschichte unserer Provinz“, sagt Brogl in einem fast entschuldigenden Tonfall. Der gebürtige Donauwörther, der aus der Neudegger Siedlung stammt und 1996 am hiesigen Gymnasium sein Abitur gemacht hat, ist neuer Provinzial für Süddeutschland und Österreich Brogl spricht von einer „großen Aufgabe und Verantwortung“, die dieses Amt mit sich bringt. Gewählt wurde er zunächst für die kommenden vier Jahre (eine weitere Amtszeit ist möglich), dabei setzte er sich gegen mehrere Gegenkandidaten durch. Die genau Zahl darf er nicht nennen, da dies dem Kapitelsgeheimnis unterworfen ist. Beworben habe er sich für das Amt nicht, so Brogl. Er wurde vorgeschlagen.

Dass ihm die Mitbrüder das Vertrauen schenkten, freut Brogl, der aber gleichzeitig betont, dass man sich als Priester nicht um Posten reiße. Als Provinzial ist er allen Klöstern und Ordensmitgliedern in seinem Zuständigkeitsbereich vorgesetzt. In einem vorgeschriebenen Rhythmus wird er künftig die einzelnen Niederlassungen besuchen. „Auf den Punkt gebracht: Ich muss schauen, dass es in den Klöstern läuft.“ Ein besonders wichtiger Punkt dabei ist für ihn die Sorge für die Mitbrüder.

Auch für die wirtschaftlichen Angelegenheiten ist er verantwortlich. „Geld gehört dazu“. In finanziellen Dingen kennt sich Brogl aus, denn seit Mitte 2012 war er neben seiner Funktion als Ausbildungsleiter auch Finanzverwalter der Dominikaner in Wien. „Das ist auf jeden Fall ein Vorteil“, findet Brogl. Nur zweieinhalb Jahre später wurde er nun zum Provinzial bestimmt. Als er seine Mutter – sie lebt wie die Brüder noch in der nordschwäbischen Heimat – darüber informierte, sei diese erst einmal „erschrocken“, berichtet der 37-Jährige. Geht es für ihn womöglich bald noch weiter nach oben innerhalb des Ordens? „Ich hoffe nicht“, sagt Brogl und lacht. Sein Hauptaugenmerk habe immer der Seelsorge gegolten. „Für die Leute da zu sein, ihnen den Weg zu Gott zu zeigen – das war immer das schönste für mich.“ Das muss angesichts des neuen Tätigkeitsfeldes und Verantwortungsbereichs künftig allerdings etwas zurückstehen.

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Der ursprüngliche Name der Dominikaner ist „Predigerorden“, wie Brogl erklärt. „Wir wollen den Menschen von der Frohen Botschaft Jesu erzählen, die uns Freiheit gibt und die uns die Liebe Gottes gezeigt hat.“ Als Bettelorden gegründet, leben die Dominikaner als Zeichen bewusst in Armut. Inhaltlich sind neben dem Studium auch Spiritualität und Mystik sowie der Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden besonders wichtig.

Die Frage, was er als neuer Leiter in seiner Provinz konkret umsetzten will, ist für Brogl derzeit schwer zu beantworten. „Darüber beraten wir gerade gemeinsam im sogenannten Kapitel, wo die verschiedenen Konvente vertreten sind. Das gibt sozusagen die Agenda und das Regierungsprogramm für die nächsten vier Jahre.“ Fest steht dagegen schon, dass er auch die neue „Schule christlicher Spiritualität“ im Wiener Dominikanerkloster leiten wird. Diese soll nicht nur Glaubensbrüdern oder Kirchengängern, sondern allen Menschen offenstehen. „Viele Leute stehen ständig unter Druck. Weil von ihnen so viel abverlangt wird, sind sie überlastet.“

Hier will die neue Einrichtung ansetzen. Innerhalb der 800 Jahre alten Klostermauern soll den Menschen ein Raum gegeben werden, in dem sie Impulse aus dem Spirituellen oder der Ruhe bekommen können. „Denn das Materielle allein macht nicht glücklich.“ Neben Meditationen sollen auch regelmäßige Vorträge gehalten werden sowie Veranstaltungen mit Kunst und Musik stattfinden. „Wir wollen den Menschen helfen, wieder mehr zu ihrem Inneren und wieder mehr zu Gott zu finden“, erklärt Brogl.

Er selbst hatte seine Anfänge auf dem Weg zum Priester als Ministrant in Heilig Kreuz. „Besonders beeindruckt hat mich als Junge Pater Aschenbrenner mit seiner gütigen und sehr spirituellen Ausstrahlung. Das stand sicher am Beginn meines Weges.“ Nach dem Abitur trat er in das Priesterseminar in Augsburg ein und nahm das Studium der Theologie an der Universität Augsburg auf. Nach einem Auslandsstudienjahr in Rom trat er im Jahr 2000 aus dem Priesterseminar aus und beendete zwei Jahre später sein Studium an der Universität Freiburg mit dem Diplom in Theologie. Danach trat er in den Dominikanerorden ein, 2004 legte er sein Gelübde ab. Im September 2007 wurde er in der Wiener Dominikanerkirche zum Diakon und am 5. April 2008 in Augsburg zum Priester geweiht.

Die Basis dabei sei für ihn die Spiritualität, „mich von Gott getragen zu wissen“. Als Priester könne er diese Nähe Gottes und dessen Liebe weitergeben – „im Wort und in Zeichen, den Sakramenten. Gott zu lieben, heißt für mich aber auch, für die Menschen da zu sein, weil sie das Herzensanliegen Gottes sind“, sagt Brogl.

Obwohl er bereits vor knapp 20 Jahren Donauwörth verlassen hat, ist er seiner Geburtsstadt und der Region noch immer eng verbunden. „Familie und Freunde sind ja noch da. Wenn immer es sich ergibt, schaue ich vorbei. Donauwörth ist schließlich meine Heimat.“ Künftig wird er dies als Chef der Dominikaner in Süddeutschland und Österreich tun.

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