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Kaisheim-Bergstetten

16.09.2020

Dorferneuerung: Bergstetten hat wieder Perspektive

Feierten auf dem neu gestalteten Dorfplatz in Bergstetten den Abschluss der Dorferneuerung: (von links) Landtagsabgeordneter Wolfgang Fackler, Bürgermeister Martin Scharr, Pfarrer Wieslaw Bujak, Dritter Bürgermeister Manfred Blaschek und Martin Braun vom Amt für ländliche Entwicklung.
Bild: Wolfgang Widemann

Plus Vor ein paar Jahren herrschte im Kaisheimer Ortsteil Bergstetten noch Endzeitstimmung. Warum sich das inzwischen geändert hat.

Es ist noch nicht lange her, da herrschte in Bergstetten so etwas wie Endzeitstimmung. Obwohl direkt an der B2 gelegen, schien das Dorf hinter der Lärmschutzwand vergessen. Die Straßen holprig, teilweise Kopfsteinpflaster, viele halb verfallene gewerbliche Bauten, ein historischer Gutshof, der seine besten Tage schon lange hinter sich hat und als heimliche Attraktion eine hinter Büschen versteckte Kläranlage aus den 1930er Jahren, die im weiten Umkreis einmalig sein dürfte. Die Menschen hielt wenig in Bergstetten. Innerhalb von zehn Jahren – von 2008 bis 2018 – sank die Zahl der Einwohner um über 20 Prozent.

Gemeinde Kaisheim steckt über drei Millionen Euro in die Dorferneuerung von Bergstetten

Ein ehemaliger Bürger des Orts brachte es laut Manfred Blaschek so auf den Punkt: „Er hat gesagt, er würde nicht mehr hierher ziehen.“ Dies traf Blaschek nach eigenen Angaben doch ziemlich. Als Mitglied des Gemeinderats und als Dritter Bürgermeister in Kaisheim ist er so etwas wie der Ortsvorsteher der knapp 180 Einwohner zählenden Siedlung. Nun steht Blaschek auf dem weitläufigen Platz vor dem Gutshof, den die Einheimischen wegen seiner Ausmaße als „Schloss“ bezeichnen, und ist rundum glücklich. „Unser Ort ist wieder attraktiv und für unsere Jugend eine Perspektive“, verkündet er stolz. Insgesamt mehr als drei Millionen Euro hat die Kommune in die Bergstettener Dorferneuerung gesteckt – und offenbar eine Aufbruchstimmung erzeugt.

Manfred Blaschek blickt bei dem Festakt kurz auf die ungewöhnliche Geschichte des Juradorfs. Dies sei nötig, „um zu verstehen, was die Dorferneuerung für uns bedeutet“. Einst stand dort nur der prächtige Gutshof, der zum mächten Kloster in Kaisheim gehörte. Vor gut 200 Jahren ging das Anwesen als königliches Hofgestüt in den Besitz des Staates über. Von 1936 an züchtete die Wehrmacht in dem Komplex Pferde. Wohngebäude kamen hinzu, der Ort erhielt sein heutiges Aussehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden Gewerbebetriebe, die über Deutschland hinaus Geschäfte machten. In Bergstetten fanden Blaschek zufolge sogar internationale Tontaubenschießen statt. In dem kleinen Dorf gab es zwei Lebensmittelgeschäfte und von den 1950er Jahren an eine Schule.

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Gemeinde verhindert lange Zeit Neuansiedlungen in Bergstetten

Als die zwei Brüder, denen die beiden großen Betriebe in Bergstetten gehörten, aber kurz nacheinander starben, waren in den Siebzigern „die goldenen Zeiten wieder vorbei“, so Blaschek. Eine falsch ausgerichtete Gemeindepolitik habe Neuansiedlungen von Gewerbe und neue Baugebiete verhindert. Es begann der bereits geschilderte Abwärtstrend – bis die Idee der Dorferneuerung aufgegriffen wurde. Der Prozess startete 2016. Bürger diskutierten in Arbeitsgruppen, wie man dem Ort ein neues Gesicht geben könnte.

Vor nicht einmal zwei Jahren starteten die Bauarbeiten. Aus dem EU-Förderprogramm „Eler“ gab es eine Finanzspritze von 620000 Euro für die Neugestaltung der Ortsstraßen und des Platzes zwischen dem „Schloss“ und der Siedlung. Doch es geschah noch viel mehr. Die Gemeinde ließ auch die Trinkwasserleitungen und die Abwasserkanäle erneuern. Hinzu kamen eine neue Straßenbeleuchtung und der Breitbandanschluss. Die Stromanschlüsse der Häuser wurden (bis auf eine Ausnahme) von den Dächern in den Boden verlegt. Das Abwasser wird über eine Leitung künftig nach Kaisheim in die dortige Kläranlage gepumpt.

Auf dem Dorfplatz ist eine Blumenwieser ein Blickfang. Drumherum stehen Bewegungsgeräte, Sitzbänke und ein stattliches „Insektenhotel“.

Die Bürger in Bergstetten bleiben von hohen Kosten verschont

Die anfänglichen Ängste der Bürger vor zu hohen Kosten, die sie selber tragen müssen, haben sich nicht bestätigt. Im Gegenteil: Straßenausbaubeiträge gibt es in Bayern nicht mehr und der Freistaat griff der Gemeinde Kaisheim mit hohen Zuschüssen unter die Arme. Das „Mammutprojekt“ sei nach seiner Ansicht „bestens gelungen“, bilanziert Blaschek – und bekommt von den Zuhörern Applaus.

Mit einem Festakt auf dem neu gestalteten Platz zwischen Gutshof Schloss und Siedlung in Bergstetten wurde der Abschluss der Dorferneuerung gefeiert.
Bild: Wolfgang Widemann

Die anderen Redner bestätigen die Einschätzung. Bergstetten sei „schöner und moderner geworden“, stellt der Landtagsabgeordnete Wolfgang Fackler fest. Martin Braun vom Amt für ländliche Entwicklung Krumbach hat als Projektleiter die Dorferneuerung begleitet. Er kommt zu dem Ergebnis: „Hier wurde was Tolles geschaffen.“ Stellvertretende Landrätin Claudia Marb gratuliert den Bergstettenern ebenfalls.

Bürgermeister Martin Scharr erinnert daran, dass viele Gespräche nötig gewesen seinen, um das Projekt auf die Beine zu stellen. Was am Ende herausgekommen sei, sei „jede Mühe wert gewesen“.

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