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Donauwörth

16.07.2020

Drama um Jungstörche: Ihnen fehlen wichtige Federn

Auf der Wiese vor Heilig Kreuz hat sich die Storchenfamilie versammelt. Doch die Jungtiere sind echte Sorgenkinder. Denn zwei können nicht fliegen und mussten im Tierheim versorgt werden.
Bild: Barbara Wild

Plus Vor einer Woche ging es den fünf Jungtieren noch bestens. Doch das hat sich geändert. Einer hat die Regenphase nicht überstanden. Zwei haben ein grundlegendes Problem.

In Donauwörth bahnt sich ein Drama um die Jungstörche an. Noch vergangene Woche sah es für die fünf Nachkommen im Horst über Heilig Kreuz bestens aus. Alle schienen gesund und munter. Doch innerhalb einer Woche hat sich die Lage verändert. Nur ein Storch ist flügge und hat sich gut entwickelt. Ein Zweiter ist im Nest verendet. Eine längere Regenperiode hat ihm wohl zu sehr zugesetzt. Er liegt nach wie vor im Horst. Ein anderer Jungstorch ist „verschwunden“ – wo er sich aufhält oder was genau mit ihm passiert ist, kann der Donauwörther Storchenbeauftragte Georg Schnizer nicht sagen. Im besten Fall ist er einfach flügge geworden. Die beiden übrigen Tiere haben augenscheinlich ein wahrlich existenzielles Problem für einen Storch: Sie können nicht fliegen.

Schnizer hat schon öfters die unbeholfenen Flugversuche bemerkt. Zwar sind die Tiere kräftig genug, doch das Gefieder hat wichtige Federn nicht ausgebildet. „In der entsprechenden Wachstumsphase könnte das Wetter schlecht und daher die Ernährung nicht ideal gewesen sein“, vermutete Schnizer als Ursache für die Missbildung.

Flugversuche der Donauwörther Jungstörche von Heilig Kreuz

Als die betroffenen zwei Jungstörche dann aber doch den Sprung aus dem Nest wagten, stürzten sie ab. Einer landete unsanft im Innenhof von Heilig Kreuz und verletzte sich am Handgelenk. Der andere war ebenso wenig erfolgreich in seinem Flugversuch und wurde mit einer Fußverletzung am Boden gefunden. Beide Jungstörche wurden dann ins Tierheim des Donauwörther Tierschutzvereins nach Hamlar gebracht.

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Dort konnten sie von der Leiterin des Tierheims, Sonja Hoffmeister, und ihrem Team gepflegt werden. Sie wurden mit Hühnerschenkeln und gekochtem Schinken gefüttert und auch die Verletzungen sind versorgt worden. „Der Fuß wurde wohl wieder eingerenkt“, sagt Georg Schnizer, der mit der Pflege sehr zufrieden war. Er selbst war nämlich während der dramatischen Ereignisse rund um den Horst gar nicht in Donauwörth und hat von der Lage erst am Montag erfahren. Nach wie vor kann einer der beiden Jungstörche nur humpelnd voranschreiten.

Appell an die Hundebesitzer

Das tut er nun gemeinsam mit seinen Artgenossen auf der Wiese vor Heilig Kreuz. Denn um die Trennung von den Altstörchen nicht zu lange werden zu lassen, holte Schnizer die jungen Vögel wieder ab. „Mehr als zehn Tage dürfen die Tiere nicht getrennt sein, sonst kümmern sich die Storcheneltern nicht mehr um ihren Nachwuchs“, erklärt der Storchenbeauftragte. Störche im Auto zu transportieren, ist wohl keine problematische Angelegenheit, wie Schnizer verrät. Er nutzt dafür die Eigenschaft der Tiere, bei Dunkelheit ruhig zu verharren. Dazu steckt er den Kopf des Storches in den Ärmel eines Arbeitskittels und wickelt den Vogel ein. „Die Störche liegen dann ganz ruhig“, berichtet Schnizer.

Nun also staksen sie auf der Heilig Kreuz Wiese ihre Runden und picken im Gras. Die Altvögel haben ihren Nachwuchs im Blick und kümmern sich. Sollten die Jungtiere ihre noch dunklen Schnäbel aufreißen ist das ein klares Signal für die Eltern zu füttern. Schnizer hat angesichts der besonderen Situation der Storchenfamilie eine eindringliche Bitte an alle Spaziergänger und vor allem an die Hundebesitzer: „Bitte halten Sie Abstand und sorgen Sie dafür, dass ihre Hunde die Störche nicht jagen oder ihnen zu nahe kommen.“ In den kommenden Tagen will Schnizer noch Schilder aufstellen: „Achtung flugunfähige Störche – Hunde bitte an die Leine“.

Droht der Weg in die Auffangstation?

Der Tierarzt will alles tun, damit die Jungstörche nicht anderen Tieren zum Opfer fallen. Denn es besteht die Chance, dass sich das Gefieder noch ausbildet und die so nötigen Federn nachwachsen. Sollte allerdings alles beim jetzigen Status bleiben, muss Schnizer die Jungstörche in die Auffangstation nach Nürnberg bringen. „Das wollen wir aber nicht. Störche sollen fliegen und frei und wild leben können.“

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