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Infrastruktur

19.11.2014

Droht am Bahnhof Verkehrschaos?

Das Gebiet zwischen dem Donauwörther Bahnhof und der Dillinger Straße wird sich in den kommenden Jahren extrem verändern. Die Schrebergärten sind bereits verschwunden und an die Stelle der Wohnblocks treten neue Wohn- und Geschäftshäuser. Der dadurch steigende Verkehr stellt die Stadt vor große Probleme.
Bild: Jens Reitlinger

Das neue Wohn- und Geschäftsviertel wird deutlich mehr Autos anziehen. Das Problem ist kaum zu lösen – und die Kritik am Gesamtprojekt nimmt zu

Donauwörth Das geplante Wohn- und Geschäftsviertel am Donauwörther Bahnhof wird die eh schon angespannte Verkehrslage in der Innenstadt wohl noch verschärfen. Das Verkehrsgutachten des Ingenieurbüros Brenner hat berechnet, dass pro Tag etwa 4100 zusätzliche Fahrzeuge Richtung Bahnhof fahren werden – allein 3700 Autos zieht das geplante Einkaufszentrum an. Das Verkehrsaufkommen in der Dillinger Straße bis zum Kreisel, aber auch in der Bahnhofsstraße wird also weiter steigen.

Um ein Verkehrschaos möglichst zu vermeiden, hatte der Stadtrat ein Verkehrskonzept in Auftrag gegeben, das jetzt auch beschlossen wurde. So werden die Fußgängerüberwege am Kreisverkehr Dillinger Straße/Westspange aufgelöst, um den Verkehr besser durchzuleiten. Gleichzeitig werden vor dem Atrium und nahe der Ausfahrt Härpferstraße neue Überwege installiert. Der Verkehr an der Kreuzung Dillinger Straße/Eduard-Rübler-Straße wird komplett mit Ampeln geregelt. Außerdem werden vor dem Atrium vier Parkplätze wegfallen, um die Straße dort dreispurig zu gestalten. „So erreichen wir zumindest, dass die Verkehrsqualität vor dem Kreisel Dillinger Straße von Schulnote 6 auf 5 verbessert wird“, sagte Ingenieur Ulrich Noßwitz in der Sitzung des Stadtrates.

Das Konzept wurde vom Gremium beschlossen – allerdings mit acht Gegenstimmen. Und es war Anlass, grundsätzliche Zweifel am Großprojekt Bahnhofsgelände auszusprechen. „Der zusätzliche Verkehr wird uns hart treffen“, sagte Michael Bosse (PWG/FW). Er zweifele daran, dass die Prognose stimme, denn das Gutachten rechne mit Zahlen aus dem Jahr 2010. Auch Albert Riedelsheimer von den Grünen ist vom Verkehrskonzept nicht überzeugt: „Erst Gebäude hinzustellen und dann zu sehen, welche Probleme der Verkehr macht, ist keine gute Idee.“ Der zunehmende Autoverkehr sei eine „Schwachstelle“ des ganzen Projektes. „Und wir schaffen nur Entlastung dadurch, dass Fußgänger und Radfahrer das Nachsehen haben.“ Riedelsheimer ging sogar noch weiter: „Warum bauen wir dort nicht mehr Wohnraum, den braucht Donauwörth viel mehr als ein Einkaufszentrum?“ Mit ihm stimmte auch Thomas Krepkowski (Grüne) mit Nein.

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Ähnlich grundsätzlich argumentierte Raimund Brechenmacher (EBD). „Ein ganzheitliches Verkehrskonzept für die Innenstadt fehlt.“ Zudem sei das weitere Handelsangebot nur innenstadtnah und nicht im Zentrum. Gustav Dinger von der ÖDP stellte fest, dass das Verkehrskonzept eine „Vergrämung von Radfahrern und Fußgängern“ darstelle. „Dabei sollten wir genau diese Gruppe und den Nahverkehr fördern und so den Autoverkehr reduzieren.“ Außerdem sei ihm das Einkaufszentrum mit 7000 Quadratmetern Verkauffläche schlicht zu überdimensioniert.

„Wir kommen aus diesem Projekt nicht mehr raus“, stellte Josef Reichensberger (JB) fest. Für ihn sei es eine „schwierige Entscheidung“, denn in dem Verkehrskonzept stecke „viel Theorie, viel Hoffnung und viel Not“. Er stimme zwar für das Projekt, doch er sehe auch ganz klar, welche Probleme man sich damit aufhalse. „Jedes Bauprojekt hat Folgen“, sagte CSU-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Fackler. Doch angesichts der Investition seien diese für die Stadt tragbar. „Es war klar, dass der Verkehr hier zunehmen wird“, sagt Günter Schwendner, dessen SPD-Fraktion aber nicht geschlossen stimmte.

Mit der Abstimmung am Montagabend machten die Stadträte auch den nächsten Schritt für den Bebauungsplan. Der soll bis Anfang 2015 stehen. Derzeit laufen Aushubarbeiten für zwei Wohneinheiten. In naher Zukunft werden dann auch die alten Wohnblocks verschwinden und Platz für das Einkaufszentrum und das Verwaltungsgebäude der Raiffeisen-Volksbank machen. Schließlich wird das Parkhaus erweitert. "Kommentar

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