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Heimatgeschichte

07.07.2014

Ein Dampfschiff begeistert

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4 Bilder
Broschüre von Ludwig Auer zur Donaukreuzfahrt. Besitzer ist Günter Gierack.

Vor 120 Jahren legte die „Ebersdorf“ im Donauwörther Hafen an und bot damit ein besonderes Spektakel

„Wecket die Schläfrigen! Erzählet ihnen von der Probefahrt nach Donauwörth. Ermutigt die bisher noch Zagenden! Erzählet ihnen von der flotten Fahrt des Dampfers ,Ebersdorf‘“: Mit diesen begeisterten Worten beschreibt Generaldirektor Ludwig Auer den überraschenden Besuch des Wiener Dampfschiffs „Ebersdorf“ vor 120 Jahren, am 10. Juli 1894 in Donauwörth.

Im März 1889 hatte Ludwig Auer, Direktor des Cassianeums, Magistratsrat und Vorstand des Handels- und Gewerbevereins, zusammen mit dem rechtskundigen Bürgermeister Wilhelm Gebhardt den Süddeutschen Donauverein mit Sitz in Donauwörth gegründet, dessen Anliegen die Wiederbelebung der Schifffahrt auf der oberen Donau war. Auers in einer Versammlung im April 1889 geäußerte Forderungen, „Donauwörth zur Hafenstadt für den Donau-Rhein-Verkehr zu gestalten“, fanden „freudige Zustimmung“ bei allen Mitgliedern.

Auch in Augsburg und München war man an einer Anbindung an die Schifffahrt auf der oberen Donau interessiert. In Kenntnis des Engagements Auers in Donauwörth schickte der Augsburger Architekt Karl Albert Gollwitzer 1897 an den Magistrat der Stadt München eine Eingabe mit Vorschlägen für einen Anschluss der Städte Augsburg und München an Rhein und Donau. 1873/1874 hatte Gollwitzer unter anderem bereits die Bahnlinie von Donauwörth nach Bäumenheim, den Bahnhof in Rain am Lech und einige Hochbauten am Bahnhof Donauwörth gebaut. Anlässlich eines Referats 1894 in Bamberg erwähnte er den Besuch des Dampfschiffes „Ebersdorf“ in Donauwörth.

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Denn im Juli 1894 erlebte man in Donauwörth laut eines Berichts im Donauwörther Anzeigenblatt „ein dahier lange nicht mehr gesehenes Schauspiel“. Abends um 20.30 Uhr legte das Dampfschiff „Ebersdorf“ im Donauwörther Hafen an. Trotz strömenden Regens wurde es von zahlreichen Donauwörthern mit Böllerschüssen und einem Marsch der Städtischen Musikkapelle begrüßt. Mit dabei auch vier Festjungfrauen, die nicht nur prachtvolle Blumensträuße überreichten, sondern auch einen „Humpen edlen Weines“ kredenzten.

Nach der Begrüßung durch Ludwig Auer in Vertretung des beurlaubten Bürgermeisters Wilhelm Gebhardt begleitete man die Gäste in den Saal des Hotels Krebs. Hier feierte man bis um ein Uhr früh, und „die österreichischen Schiffsbeamten hatten durch ihr herzlich freundliches Benehmen in wenigen Minuten sich die achtungsvolle Liebe der Versammelten erobert“. Am nächsten Morgen hatten alle Gelegenheit, den stattlichen Dampfer zu besichtigen. Das Schiff war fast 40 Meter lang und 3,66 Meter beziehungsweise 7,54 Meter über den Radkästen breit.

Das Dampfschiff „Ebersdorf“ und sein Schwesterschiff „Prater“ waren 1852 als Lokalschiffe für den Donaukanal in Wien in der betriebseigenen Werft der k.k. priv. Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft in Obuda in Budapest gebaut worden. Die Namen wurden nach ihren Einsatzgebieten vergeben: die „Prater“ lag linksufrig und die „Ebersdorf“ rechtsufrig im Donaukanal.

Der Fluss war zu schmal zum Wenden

Der Name Ebersdorf erinnert an das früher dort gelegene Jagdschloss Kaiser Maximilians I., Kaiserebersdorf genannt. Da im Donau-Kanal in Wien wenig Platz zum Wenden war, handelte es sich bei den beiden Schiffen um eine besondere Bauform, die als „Doppelender-Bauform“ bezeichnet wurde. Der Bug und das Heck waren gleich ausgebildet, sodass das Schiff ohne zu wenden in beide Richtungen gleich gut fahren konnte. Außerdem besaß das Schiff an beiden Enden eine Ruderanlage.

Dieses Wunderwerk der Technik lag also nun im Donauwörther Hafen vor Anker. Wegen des geringen Wasserstandes der Donau in diesem Juli war die geplante Weiterfahrt nach Ulm nicht möglich. Deshalb kehrte die „Ebersdorf“ am nächsten Tag nach Regensburg zurück. In einer 15-seitigen Broschüre „Das Wiener Dampfschiff Ebersdorf in Donauwörth am 10. Juli 1894“, in der Buchhandlung L. Auer in Donauwörth gedruckt, beschreibt Auer mit launigen Worten die „Donaukreuzfahrt“.

In der Stunde wurden 15 Flusskilometer zurückgelegt, die Verpflegung war exquisit und die Stimmung der Gäste ausgezeichnet. Aber Auer verschweigt nicht die Gefahrenstellen bei Steppberg, Großmehring und Eining, doch „gab es nirgends eine unliebe Störung der frohen Fahrt“. In Kelheim verließen die Donauwörther Passagiere die „Ebersdorf“ und kehrten mit dem Zug nach Donauwörth zurück.

Ein zweites Mal kam die „Ebersdorf“ nicht mehr nach Donauwörth. 1897 wurde das Dampfschiff an die Gesellschaft „Donau-Dampfschiffahrt Walhalla“ verkauft. Es bekam den Namen „Stella“ und beförderte täglich Passagiere von Regensburg nach Donaustauf. 1908 wurde die „Ebersdorf/Stella“ nach Serbien verkauft und fuhr bis zur Verschrottung 1930 unter ungarischer Flagge und unter dem neuen Namen „Esztergom“.

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