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Donauwörth

19.08.2019

Ein Team aus Laugna und Tapfheim fährt zur Berufs-WM

Die beiden Landschaftsgärtner Niklas Stadlmayr (links) und Julian Maier (rechts) vertreten Deutschland bei der Berufe-WM in Russland.
Bild: Daniel Weigl

Niklas Stadlmayr und Julian Maier vertreten Deutschland bei der Berufe-Weltmeisterschaft in Russland. Wie die beiden trainiert haben und auf was es ankommt. 

Niklas Stadlmayr kniet in einem Sandbett. Mit der linken Hand greift er sich einen Pflasterstein, mit der rechten klopft er den Stein in den Sand. Julian Maier kniet dicht daneben und macht es seinem Kollegen nach. Beide arbeiten sich fast schon stoisch, aber in Windeseile Stein um Stein nach vorne. Geredet wird nicht viel. Müssen sie auch nicht, haben sie doch die Arbeitsabläufe verinnerlicht und verstehen sich blind.

Ob das ab 23. August unter Zeitdruck immer noch so sein wird, bleibt abzuwarten. Denn an diesem Tag starten die Landschaftsgärtner bei den „World Skills“ in Kazan. Niklas Stadlmayr aus Tapfheim und Julian Maier aus Laugna werden Deutschland bei der sogenannten „Berufe-WM“ in Russland vertreten. Die beiden sind amtierende bayerische und deutsche Meister in der Kategorie Landschaftsgartenbau und haben sich somit für die Weltmeisterschaft qualifiziert. „Man ist stolz und aufgeregt zugleich und fühlt sich fast wie in der Nationalmannschaft“, erklärt der 21-jährige Niklas Stadlmayr. Er und sein Partner Julian haben beide ihre Ausbildung zum Landschaftsgärtner bei der Firma Bullinger Gartengestaltung aus Schäfstall erfolgreich absolviert und bereiten sich aktuell auf die WM, die vom 22. bis 27. August stattfindet, vor. Ihr Chef Josef Bullinger ist mächtig stolz auf seine beiden ehemaligen Auszubildenden. „Glück kann man nicht nur haben, man muss es sich auch erarbeiten“, erklärt der Firmenchef und sorgt dafür, dass sich seine beiden WM-Teilnehmer optimal vorbereiten können.

Sie trainieren hart für die Weltmeisterschaft im Landschaftsgartenbau

Auf dem Gelände der Firma wurde ein sieben Mal sieben Meter großer Korridor aufgebaut, exakt die Fläche, die auch bei der Weltmeisterschaft angelegt werden muss. Bereits seit März bereiten sich Julian und Niklas auf ihren Wettbewerb vor. Für den 22-jährigen Julian, der gerade eine Ausbildung zum Berufsschullehrer an der Technischen Universität in München macht und seit Juli frisch gebackener Landschaftsgärtner ist, waren die Trainingswochen auch gleichzeitig Prüfungsvorbereitung für die Abschlussprüfung. Nun verbringt er jede freie Minute zum Üben in seinem Ausbildungsbetrieb.

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Niklas, der eigentlich als Landschaftsgärtner in der Firma aktuell dringend gebraucht wird, wurde von seinem Chef für das Training freigestellt. „Wenn wir das machen, dann zu 100 Prozent“, erklärt Josef Bullinger und stellt den beiden optimale Trainingsbedingungen zur Verfügung. Das freut auch Johannes Gaugel, der sich ehrenamtlich beim Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern engagiert, und somit als Trainer die beiden auf ihre Aufgaben in den letzten Wochen vorbereitet hat. „Die Rahmenbedingungen hier in Schäfstall waren optimal und ich bin mit der Vorbereitung sehr zufrieden“, erklärt Gaugel, der in Heuchlingen nahe Aalen selbst einen Garten- und Landschaftsbaubetrieb leitet.

Jetzt liegt es an Niklas und Julian das umzusetzen, was sie gelernt haben. In Russland treten sie gegen 23 andere Teams an. In 22 Arbeitsstunden, verteilt über vier Tage, müssen die Landschaftsgärtner einen vorgegebenen Gartenplan auf einer sieben mal sieben Meter großen Fläche umsetzen.

Das Team aus Laugna und Tapfheim ist beim Turnier auf sich allein gestellt

Welche Materialien sie verbauen müssen wissen Niklas und Julian bereits. Holz, Cortenstahl und Steine müssen verarbeitet werden, auch ein Element aus Wasser wird gefordert sein. In Russland sind Niklas und Julian dann weitestgehend auf sich allein gestellt. Trainer Johannes Gaugel darf nur morgens und abends jeweils 15 Minuten und während der einstündigen Mittagspause mit seinen Schützlingen reden. „Ansonsten werde ich komplett abgeschottet, werde auch in einem anderen Hotel untergebracht sein“, erklärt Gaugel. Selbstständiges Arbeiten haben Niklas und Julian in den letzten Wochen ausgiebig trainiert.

Für sie wird die größte Herausforderung der Zeitdruck sein. „Du musst in sechs Stunden pro Tag auf den Millimeter exakte Arbeit abliefern, sonst gibt es Punktabzug“, erklärt Niklas. Der Tapfheimer ist aber guter Dinge, ist es doch gerade die Teamarbeit, die die Vertreter aus Schäfstall so stark macht. „Wir können beide mit allen Materialien umgehen und verstehen uns auch abseits der Arbeit recht gut.“

Ohnehin haben die beiden die Erwartungen mit dem deutschen Meistertitel mehr als übertroffen. Was passiert, wenn sie auch noch Weltmeister werden?

„Dann fahren wir mit einem offenen Bus durch Donauwörth und feiern wie die Fußballer“, erklärt Josef Bullinger. Mal sehen, ob das Team aus Schäfstall es in Russland besser macht, als „Jogis Jungs“ im vergangenem Jahr.

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