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Justiz

16.02.2018

„Ein absoluter Horrorunfall“

Einem Trümmerfeld glich die Staatsstraße zwischen Fessenheim und Wemding am Abend des 29. Dezember 2016. Drei Menschen wurden bei einem Zusammenstoß lebensgefährlich verletzt. Sie kamen mit dem Leben davon, werden aber nie wieder so leben können wie zuvor.

Vor über einem Jahr krachten zwei Autos kurz vor Wemding ineinander. Die Opfer werden zeitlebens unter den Folgen leiden. Gestern saß der Unfallverursacher auf der Anklagebank.

Wemding Es war einer der dramatischsten Unfälle in den vergangenen Jahren: Als am 29. Dezember 2016 zwei Autos zwischen Fessenheim und Wemding ineinander krachten, ein drittes zudem auffuhr, erlitten drei Menschen lebensgefährliche Verletzungen. Die Straße glich – übersät mit den Wrackteilen – einem Trümmerfeld. 75 Feuerwehrleute, Notärzte, BRK, Polizei und zwei Hubschrauber waren zur Stelle, um Schlimmstes zu verhindern. Die Polizei ging damals davon aus, dass man wohl mit drei Toten rechnen müsse, so übel waren die Unfallopfer zugerichtet. Den Ärzten gelang es allerdings, die Menschenleben zu retten. Doch hat das Unglück bei den Beteiligten tiefe Spuren hinterlassen. Die Opfer – vor allem die beiden daran unschuldigen Frauen – sind bis heute nicht annähernd in ein normales Leben zurückgekehrt. Sie werden lebenslang schwer beeinträchtigt sein.

Gestern musste sich der Unfallverursacher, ein heute 24-Jähriger aus dem mittleren Landkreis vor dem Amtsgericht Nördlingen wegen vorsätzlicher Straßenverkehrsgefährdung verantworten. Zum Prozess war es gekommen, weil er gegen den Strafbefehl Einspruch eingelegt hatte. Wie sein Verteidiger, Rechtsanwalt Bernd Scharinger sagte, stehe sein Mandant zu seiner Schuld, er habe jedoch ohne Vorsatz gehandelt.

Der Vorsitzende Richter, Gerhard Schamann, sah aber letztlich keine Chance auf einen geringeren Vorwurf, sondern kündigte im Gegenteil an, die Geldstrafe etwa zu verdoppeln. Deshalb zog der Angeklagte seinen Einspruch zurück. Er muss nun 4250 Euro (170 Tagessätze zu je 25 Euro) zahlen und hat eine Führerscheinsperre von 14 Monaten. Ganz sicher kommen auch zivilrechtliche Forderungen auf den Mann zu. Sie könnten nach juristischer Einschätzung in sechsstelliger Höhe liegen.

Über wie viel Geld insgesamt auch immer verhandelt werden mag – eine wirkliche Wiedergutmachung kann es nicht geben. Eine junge Frau (23) sitzt – den linken Unterschenkel amputiert – im Rollstuhl. Die zweite Frau (29) hat ein steifes rechtes Handgelenk, ein steifes rechtes Sprunggelenk und musste ihre Leidenschaft Tanzen aufgeben. Beide haben noch nicht wieder ins Berufsleben gefunden und wissen nicht, wie es diesbezüglich weitergeht.

An den fürchterlichen Abend haben weder die beiden Frauen, noch der Unfallverursacher Erinnerungen. Was sich abgespielt hat, ergibt sich aus den Erlebnissen zuvor, der Aussage eines weiteren Autofahrers und der Rekonstruktion des Dekra-Sachverständigen. Demnach ist Folgendes passiert: Der 24-jährige Unfallfahrer und seine damalige Freundin, jene 23-Jährige, die heute im Rollstuhl sitzt, waren gemeinsam in Donauwörth unterwegs, um für Silvester einzukaufen. Nachmittags besuchte das Paar noch ein Hallenfußballturnier, für das sich die junge Frau – damals selbst Kickerin – interessierte. Danach ging es heimwärts. Es war gegen 20 Uhr, als die beiden mit ihrem Auto eine lang gezogene Linkskurve zwischen Fessenheim und Wemding erreichten – er am Steuer, sie auf dem Beifahrersitz.

Das Wetter war an jenem Tag nasskalt, um die Null Grad, und es drohte Blitzeis. Ein Soldat aus Nördlingen, der ebenfalls nach Wemding unterwegs war, war sich der Gefährlichkeit der Situation bewusst und drosselte seine Geschwindigkeit auf 70 Stundenkilometer. „Im Rückspiegel sind mit zwei Scheinwerfer aufgefallen, die rasch immer näher kamen“, beschrieb er als Zeuge. Es war der Wagen, in dem der 24-Jährige mit seiner Freundin saß. „Dieser Wagen ist an mit vorbeigeschossen und blieb lange auf der Gegenspur.“ Beim Wiedereinscheren ist es dann passiert: Der 24-Jährige kollidierte mit mindestens 107 Stundenkilometern mit dem entgegenkommenden Auto der 29-Jährigen aus Ellwangen. Auch der Überholte fuhr in das Unfallauto, blieb jedoch unverletzt.

Am schlimmsten hatte es die damalige Freundin des Verursachers getroffen. Zehn Seiten lang ist das ärztliche Attest der Klinik Erlangen. Richter Schamann las nur einen Bruchteil daraus hervor: Offenes Schädel-Hirn-Trauma, offene Brüche und Trümmerfrakturen im Gesicht und am ganzen Körper, Einblutungen in der Lunge, Nierenversagen, ein völlig zerquetschter linker Unterschenkel und vieles mehr. „Ein absoluter Horrorunfall“, kommentierte Schamann, an den Angeklagten gerichtet. „Das kann man nur als Wahnsinn bezeichnen. Da haben Sie richtig Schlimmes angerichtet!“

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